Schachcomputer

Deep Blue gegen Garri Kasparow

| Autor / Redakteur: Rebecca Vogt / Simone Käfer

Der Super-Computer Deep Blue besiegte 1997 den Schachweltmeister.
Der Super-Computer Deep Blue besiegte 1997 den Schachweltmeister. (Bild: IBM)

Es ist der 11. Mai 1997 in New York. Ein Duell zieht Menschen weltweit in seinen Bann. Mensch gegen Maschine. Schachweltmeister gegen Schachcomputer. Garri Kasparow gegen Deep Blue. Mit 3,5:2,5 Punkten gewinnt der von IBM entwickelte Computer nach insgesamt sechs Partien gegen den amtierenden Schachweltmeister. Damals nicht weniger als eine Sensation.

Noch nie war es bis dato einem Computer gelungen in einem Wettkampf unter Turnierbedingungen den amtierenden Schachweltmeister zu schlagen. Weltweit sorgte das Duell für Schlagzeilen. Einige sahen gar die Menschheit in Gefahr: Würden emotionslose Maschinen den Menschen bald auch in anderen Bereichen ersetzen?

Erstes Duell sorgt für Überraschung

Ähnliche Reaktionen hatte es bereits ein Jahr zuvor gegeben – als Kasparow und Deep Blue zum ersten Mal aufeinander trafen. Damals entschied der Schachweltmeister das in Philadelphia stattfindende Duell mit 4:2 für sich. Kasparow gewann drei Partien. Zwei endeten Remis. Die erste Partie des Matches aber gewann Deep Blue. Kasparow hatte die Partie mit seiner Lieblingseröffnung, der Sizilianischen Verteidigung, begonnen. Nach mehreren Zügen konfrontierte Kasparow den Computer mit einer neuen Variante. Erstmals konnte Deep Blue sich nun nicht mehr nach den einprogrammierten Eröffnungszügen richten, sondern musste selbstständig seinen nächsten Zug berechnen. Nach insgesamt 37 Zügen gab sich Kasparow geschlagen. Es war das erste Mal, dass ein Computer den amtierenden Schachweltmeister unter Turnierbedingungen in einer Partie besiegen konnte.

Kasparow wird Schachweltmeister

Wer waren die beiden Gegner, die sich da 1996 und 1997 am Schachbrett gegenübersaßen? Auf der einen Seite Garri Kasparow – für viele der vielleicht stärkste Schachspieler der Geschichte. Im Alter von fünf Jahren brachte sein Vater ihm bei, wie und nach welchen Regeln man Schach spielt. Von da an war Kasparows Weg vorgezeichnet. Mit sieben erhielt er regelmäßig Schachunterricht, mit zehn besuchte er die Schachschule des früheren Schachweltmeisters Michail Botwinnik. Im Alter von 22 Jahren kürte er sich am 9. November 1985 zum jüngsten Schachweltmeister aller Zeiten. Bis zum Jahr 2000 konnte Kasparow diesen Titel stets verteidigen.

Doktoranden entwickeln Schachmaschine

Auf der anderen Seite Deep Blue – der von IBM entwickelte Schachcomputer. Im Jahr von Kasparows erstem Titelgewinn begann Feng-hsiung Hsu, Doktorand an der Carnegie Mellon Universität, mit der Entwicklung einer schachspielenden Maschine. Das Ziel: Die Maschine sollte nicht nur das Spiel beherrschen, sondern auch in der Lage sein, den besten Schachspieler der Welt zu schlagen. 1989 wurden Hsu und sein am Projekt beteiligter Mitstudent Murray Campbell von IBM angeworben. Zusammen mit anderen Computerwissenschaftlern setzten sie dort ihre Arbeit fort. Aus dieser Zusammenarbeit entstand schließlich der Schachcomputer Deep Blue.

IBM rüstet Deep Blue auf

Nachdem Deep Blue 1996 nur eine Partie, nicht aber den kompletten Wettkampf gegen Kasparow gewinnen konnte, arbeiteten die Entwickler in der Folge an einer verbesserten Version des Schachcomputers. So wurde etwa ein leistungsstärkerer Schachchip entwickelt und die Zahl der verwendeten Chips um mehr als das Doppelte erhöht. Je nach Stellung auf dem Schachbrett war der Super-Computer in der Lage zwischen 100 und 200 Millionen Positionen pro Sekunde zu berechnen. Mehrere Monate lang wurde Deep Blue zudem vom amerikanischen Schachgroßmeister Joel Benjamin trainiert. In einem Duell trat der Rechner schließlich auch gegen seine Vorgängerversion aus dem Jahr 1996 an. „Letztes Jahr war es ein Baby, inzwischen ist er zur Schachschule gegangen“, zitierte der Spiegel Entwickler Murray Campbell.

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