Tata Steel

Der Werkstoff macht aus einem guten Endprodukt ein sehr gutes

| Autor / Redakteur: Britta Höller / Frauke Finus

Kundenbesuch in der Fertigungshalle im Stahlwerk von Tata Steel in IJmuiden, Niederlande (links: Joris Essing Marketing Manager bei Tata Steel)
Kundenbesuch in der Fertigungshalle im Stahlwerk von Tata Steel in IJmuiden, Niederlande (links: Joris Essing Marketing Manager bei Tata Steel) (Bild: Tata Steel)

Ehe ein neuer Werkstoff in Serie gefertigt werden kann, braucht es viele Prozessschritte. Doch wie sieht ein solcher Produktentwicklungsprozess für einen Werkstoff eigentlich aus? Tata Steel, einer der größten Stahlhersteller Europas, veranschaulicht dies beispielhaft anhand der aktuellen Neuauflage seiner C-Stähle.

Als ein wichtiger Parameter entscheidet der Kohlenstoffgehalt in der Stahlzusammensetzung, wie leicht sich der Werkstoff bearbeiten lässt und welche Eigenschaften die Endprodukte aufweisen. Je höher der Prozentsatz, desto fester und verschleißfester ist der Stahl. C-Stähle sind kein Novum für den Markt und bereits seit mehreren Jahren für Anwender verfügbar. Diese Anwender sind zumeist Kaltwalzer, die wiederum Endkunden aus verschiedenen Branchen, zum Beispiel der Automobilindustrie, bedienen. Die Kaltwalzer erhalten warmgewalzte Stahlcoils, die sie dann zu geringeren Dicken walzen, glühen, erneut walzen und wieder glühen. So erhält der Werkstoff letztlich seine finalen Eigenschaften. „Stähle mit hohem Kohlenstoffgehalt sind bereits länger auf dem Markt und damit ein vermeintliches Standardprodukt. Dennoch sind sie aber für unsere Kunden – und damit auch für uns – von großer Bedeutung, denn um differenzierte Produkte für anspruchsvolle Endmärkte zu fertigen ist sowohl auf Seiten des Stahlherstellers als auch bei den Kaltwalzern großes Fachwissen vonnöten“, erläutert Joris Essing, Marketing Manager bei Tata Steel. „Wir haben sehr gute und über Jahre gewachsene Beziehungen zu den Kaltwalzern und wollen ihnen immer die bestmöglichen Voraussetzungen bieten. Daher haben wir im vergangenen Jahr die Entscheidung getroffen, das Produkt in IJmuiden zu entwickeln und den Fokus auf Qualität und Lieferbedingungen zu legen.“

Der erste Schritt bestand aus einer groß angelegten Kundenbefragung, um ein klares Bild von den spezifischen Anforderungen der Kaltwalzer zu erhalten. Hier zeigte sich der Bedarf nach einem Werkstoff mit einer geringstmöglichen Bombierung, der über die gesamte Länge und Breite des Coils so gleichmäßig wie möglich ist. Kaltwalzer, die den Werkstoff etwa drei bis vier Mal walzen, können mit diesen Eigenschaften ihren Ertrag deutlich steigern. In Bezug auf die regionale Nachfrage stellte sich heraus, dass in erster Linie der deutsche Markt und teilweise auch Südeuropa diese Produkte beziehen – damit eignet sich das niederländische Stahlwerk von Tata Steel in IJmuiden ideal für die Fertigung der C-Stähle, die in etwa den dreifachen Kohlenstoffgehalt der bisher dort produzierten Stahlsorten aufweisen.

So viele Spezifikationen wie möglich berücksichtigen

Um im Werk in IJmuiden Produkte mit einem solch hohen Kohlenstoffgehalt zu fertigen, ist ein Upgrade der Fertigungsanlagen nötig. Um die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen, investiert der Stahlhersteller in ein Laserschweißelement an der Beizlinie, das dabei hilft, die Coils unkompliziert und zuverlässig aneinanderzuschweißen. Zeitgleich zu dieser Entscheidung begannen die Ingenieure von Tata Steel, an der chemischen Zusammensetzung des Stahls zu arbeiten. Dabei setzten sie noch einmal ganz am Anfang an: Da für jede Sorte verschiedenste Kundenanforderungen vorlagen, bestand das Ziel darin, so viele Spezifikationen wie möglich zu berücksichtigen. Dabei konzentrierten sich die Experten zunächst auf eine Sorte: C67. „C“ steht für „Carbon“ (Kohlenstoff), während die Zahl den Gehalt des Elements näher spezifiziert. Der Stahl zeichnet sich durch seine hohe Festigkeit und Verschleißfestigkeit aus, weshalb er besonders für Endanwendungen genutzt wird, die eine hohe Beanspruchung mit sich bringen: Messer, Fahrzeugachsen, Kupplungslamellen oder Gurtschlösser beispielsweise.

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