Oberflächenveredelungen

Immanent ist patent

| Autor: Frauke Finus

Für das Stanz-Biegeteil des Slidermechanismus wurde ein Halbzeug verwendet, das immanent mit einer PTFE-Beschichtung ausgestattet ist.
Für das Stanz-Biegeteil des Slidermechanismus wurde ein Halbzeug verwendet, das immanent mit einer PTFE-Beschichtung ausgestattet ist. (Bild: Meywald)

Eine Oberflächenveredelung bereits als immanente Eigenschaft im Halbzeug spart Zeit und damit Kosten, denn die Supply-Chain wird vereinfacht. Außerdem sind Oberflächen möglich, die nachträglich am fertigen Produkt nicht mehr oder nur sehr schwer realisierbar sind.

Bis ein Produkt ein Produkt ist und der OEM es an den Endkunden verkaufen kann, durchläuft es viele einzelne Fertigungsschritte. Einige Komponenten des fertigen Produkts kommen von Zulieferern oder das Produkt wird während des Fertigungsprozesses für bestimmte Dienstleistungen nach draußen gegeben. Die Lieferkette kann also unter Umständen langwierig und kostspielig sein. Hinter dem Begriff Supply-Chain-Management verbirgt sich deshalb naheliegenderweise der prozessorientierte Ansatz, der alle Flüsse von Rohstoffen, Bauteilen, Halbfertig- sowie Endprodukten und Informationen entlang der Wertschöpfungs- und Lieferkette vom Rohstofflieferanten bis zum Endkunden umfasst und das Ziel der Ressourcenoptimierung für alle beteiligten Unternehmen verfolgt, wie Sebastian Kummer in „Grundzüge der Beschaffung, Produktion und Logistik“ erläutert.

Der Begriff Supply-Chain-Management sollte deshalb auch für kleine und mittelständische Blech- und Bandverarbeiter kein Fremdwort sein, denn mit durchdachter Kooperation mit allen beteiligten Fertigungsbetrieben lassen sich Zeit und damit Kosten sparen. Eine Möglichkeit dafür ist zum Beispiel, zugelieferte Halbzeuge mit bereits immanenten Eigenschaften zu verarbeiten. Das Adjektiv immanent bezeichnet eine dem Gegenstand innewohnende Eigenschaft, das kann zum Beispiel die Eigenschaft der Oberfläche sein. Fertige Teile benötigen nämlich in der Regel Oberflächen, egal ob funktional oder dekorativ. Eine Möglichkeit ist das fertige Produkt erst nach Abschluss der Herstellung mit der gewünschten Oberfläche zu versehen. Nimmt man aber den Fall eines winzig kleinen Stanz-Biege-Formteils, bei dem die Innenseite einer fast profilartig-geschlossenen Biegung mit einer Gleitoberfläche versehen werden soll, wird eine nachträgliche Lackierung oder Beschichtung schwierig bis kaum möglich. Und nicht nur das: Die nachträgliche Herstellung der Oberfläche bedeutet im Regelfall auch ein zeitaufwendiges Aus- und wieder Einsteuern aus beziehungsweise in die Produktion. Die Supply-Chain kann hier vereinfacht werden, wenn die gewünschten Oberflächen bereits immanent, also durchgehend auf dem Halbzeug realisiert sind, weil ein Arbeitsschritt mit zugehörigen Transporten wegfällt.

Einen Schritt einsparen

Aufgrund des Know-How-Schutzes für Kunden kann dieser Weg nur mit einem Beispiel einer zurückliegenden Produktion erläutert werden: Noch vor ein paar Jahren waren sogenannte Sliderhandys der letzte Schrei. Nokia war damals noch als in Europa produzierender Mobiltelefon-OEM aktiv und hat für seine Produkte wesentliche Teile des Slide-Mechanismus zugeliefert bekommen. So wurde auch ein fast rollformartig-geschlossenes Stanz-Biege-Teil mit einem Innendurchmesser von 1,2 mm und darin einer PTFE-Beschichtung zur Realisierung dauerhaft niedriger Reibwerte entwickelt. Diese PTFE-Beschichtung war bereits immanent auf dem Band-Halbzeug enthalten, bevor der Stanz-Biege-Prozess überhaupt begann. Die hinreichende Verformbarkeit als immanente Eigenschaft des Halbzeugs war natürlich notwendige Bedingung. Das hat einen Schritt in der Supply-Chain eingespart. Beschichtungspartner war die Dr.-Ing. Meywald GmbH & Co. KG aus Bad Arolsen. Das Familienunternehmen, das in diesem Jahr 95-jähriges Firmenjubiläum feiert, ist Experte in Sachen Oberflächen und höchst innovativ, wenn es um Halbzeug-immanente Oberflächeneigenschaften geht. „Wier verfolgen das partnerschaftlichen Entwicklungsziel, erst Reel-to-Reel zu beschichten und dann zu formen, egal ob Stanzen, Biegen oder Tiefziehen. Immanenz ist bei Halbzeug-Oberflächen insbesondere dem Entwicklungsziel verpflichtet, dass zum Beispiel die Fähigkeit zur erforderlichen Umformung ohne Einbuße der signifikanten Oberflächen- oder Gebrauchseigenschaften gegeben ist. Immanente Eigenschaften sind in der Regel nicht offensichtlich, sicht- oder fühlbar, gleichwohl inne wohnend! Daraus ergeben sich hohe Potentiale für die Produktentwicklung: Definierte Oberflächen am fertigen Bauteil und eine optimierte Supply-Chain“, erklärt Dr.-Ing. Volker H. Meywald, geschäftsführender Gesellschafter von Meywald.

Ergänzendes zum Thema
 
Oberflächentechnik-Messen

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