Michelfelder-West

Auf Edelstahl-Kurzrohre spezialisiert

 

12.03.2008 | Autor: Dietmar Kuhn

 

Wer nach maßgeschneiderten Edelstahlrohren sucht, der wird meist bei der Michelfelder-Gruppe fündig. Dazu gehören die Unternehmen Michelfelder Edelstahl GmbH, die Michelfelder Automotive GmbH sowie die Michelfelder GmbH-West in Haan bei Düsseldorf. Letztere ist das jüngste Mitglied der Gruppe, wurde 2006 gegründet und hat sich auf die Herstellung von Edelstahl-Kurzrohren spezialisiert.


„Wir orientieren uns in der Kurzrohrfertigung ganz an den Wünschen unserer Kunden, die nicht mehr nur ein schlichtes Rohr wünschen, sondern einbaufertige Lösungen mit verschiedenen Anarbeitungen“, stellt Dipl.-Ing. Michael Remillong, fest; im Hintergrund links ist die Runde-Maschine RMA 400 und rechts die Rohrschweißanlage Flexmaster 400 von Weil Engineering zu sehen. Bild: Kuhn
„Wir orientieren uns in der Kurzrohrfertigung ganz an den Wünschen unserer Kunden, die nicht mehr nur ein schlichtes Rohr wünschen, sondern einbaufertige Lösungen mit verschiedenen Anarbeitungen“, stellt Dipl.-Ing. Michael Remillong, fest; im Hintergrund links ist die Runde-Maschine RMA 400 und rechts die Rohrschweißanlage Flexmaster 400 von Weil Engineering zu sehen. Bild: Kuhn
Rohre aus Edelstahl haben in industriellen und handwerklichen Bereichen ein breites Anwendungsgebiet. Man findet solche Rohre in Abgassystemen der Automotive-Industrie, in Heiz- und Wärmeanlagen, in der Lebensmittelindustrie, in Umweltschutzanlagen, im Kaminrohrbau oder in der Filtertechnik, erläutert Dipl.-Ing. Michael Remillong, Geschäftsführer der Michelfelder GmbH-West in Haan.

Hergestellt werden die Rohre aus sämtlichen ferritischen und austenitischen Edelstählen. Das Ausgangsformat für die Rohre ist die Edelstahlplatine, die Michelfelder in der Regel aus der Nachbarschaft vom Edelstahl-Service-Center Vogel-Bauer in Solingen bezieht. Mit diesem gibt es eine enge Kooperation und man spielt sich je nach Aufgabe auch mal gegenseitig den Ball zu – zum Vorteil des jeweiligen Kunden. Aus diesen Edelstahlplatinen werden bei Michelfelder dann die Rohre gerundet und lasergeschweißt. Dazu hat das Unternehmen 2006, mit rund zwei Mio. Euro, kräftig in den Maschinenpark investiert.

Vorkonfektionierte Edelstahl-Platinen werden zu Rohren geformt

Im Mittelpunkt der Fertigung stehen die Rundeanlage und Längsnaht-Schweißmaschine, die von einem Maschinenbauer aus dem Südbadischen stammen. Den Weg von der Platine zum fertigen Rohr muss man sich dabei folgendermaßen vorstellen: Über ein Platinenmagazin werden die von Vogel-Bauer angelieferten Edelstahl-Platinen der Rundeanlage zugeführt. Das geschieht mit Vakuumsaugern äußerst sensibel, da die Oberfläche der Platine und dann folgend auch die der Rohre nicht beschädigt werden darf. Für die Vereinzelung der Platinen sorgt ein so genannter Spreizmagnet, der das Aneinanderhaften der Platinen aufgrund der Adhäsionskraftwirkung verhindert.

Abgelegt auf einem Zuführtisch wird die Platine anschließend vorzentriert zwischen die zwei Walzen der Rundeanlage geschoben. Das Walzenpaar besteht aus einer glatten, gehärteten Oberwalze und einer PU-beschichteten Unterwalze, die für einen sicheren Griff sorgt. Sobald die Platine zwischen die beiden Rundewalzen gelangt, fährt die Unterwalze mit einem definierten Weg und somit Druck gegen die Oberwalze und überstreckt die Platine im Druckpunkt.

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„Der Oberwalzendurchmesser ist der entscheidende Faktor dafür, welches Rohrdurchmesserergebnis herauskommt“, führt Remillong aus. Die Auswahl des richtigen Oberwalzendurchmessers geschieht vor der ersten Proberundung. Anhand dieses Ergebisses wird die Auswahl definitiv festgelegt. Der Rohrformvorgang erfolgt dann praktisch in drei Schritten. Dabei wird die Platine im ersten Schritt zunächst einmal von der Platinenvorderkante bis zur Mitte zwischen dem Walzenpaar gerundet und anschließend im zweiten Schritt nur mit Vorschubkraft drucklos an die gegenüberliegende Platinenkante gefahren.

Im dritten Schritt wiederholt sich Schritt eins und die Platine ist zu einer offenen Rohrhülse geformt. „Der Vorgang sieht zwar einfach aus“, meint Remillong, „aber es ist eine Menge Erfahrung notwendig, um anschließend ein qualitativ hochwertiges Ergebnis zu erzielen.“

Fast jedes Rohr wird hergestellt

Mit der Erfahrung, die die Michelfelder-Rohrexperten bisher sammeln konnten, stellen sie fast jedes Rohr her – auch mit gewünschten Anarbeitungen. „Es ist nicht alles möglich, aber vieles“, betont der Michelfelder-Geschäftsführer, „und wir spüren einen Trend, der von runden Rohrformen weggeht.“ Gemeint sind damit Rohre mit Sonderformen, wie etwa Ovalrohre oder Polygonrohre. Solche Sonderformen sind möglich, da durch Veränderung der Walzenzustellung während des Rohrformprozesses Einfluss auf das Umformverhalten genommen wird und somit die Steuerungstechnik der Rundeanlage hilft, verschiedene Radien an ein und derselben Platine anzuformen

Auf der Runde- und Laser-Schweißanlage können Edelstahl- sowie auch Stahlplatinen im Dickenbereich von 0,4 bis 2,0 mm und in den Rohrabmessungen von 80 bis 400 mm Durchmesser und 1000 mm Länge verarbeitet werden. Was die Stückzahl angeht, so sieht Michael Remillong seine vorhandene Fertigungskapazität als sehr flexibel. „Wir haben Kunden, die bestellen 10 Prototypenrohre. Gleichzeitig haben wir Kunden, die 200 000 Rohre pro Jahr abnehmen.“ Insgesamt, so schätzt man bei Michelfelder, werden jährlich rund 300 t Edelstahl durch die Rohrfertigung geschleust.

Für alle Rohre, die auf der Schweißanlage lasergeschweißt werden, gilt: Die Schneidkantengüte muss von höchster Qualität in Bezug auf Schnittgrad, Bruchfläche, Winkligkeit und Parallelität sein. Nur dann ist eine qualitativ hochwertige Laserschweißnahtqualität erreichbar. Die Laser-Schweißanlage zeigt sich dabei in ihrem Einsatzspektrum sehr flexibel und leistungsfähig, weil sich Anpassungen an unterschiedliche Rohrdurchmesser ohne aufwändige Werkzeugwechsel innerhalb kurzer Zeit, durchführen lassen.

Nicht die Pflicht, aber von Michelfelder qualifiziert, ist eine Schweißnahtprozessüberwachung, die kontinuierlich den Schweißvorgang bei jeder Rohrschweißung überwacht und die mit Hilfe einer Sensorik aufgenommenen Lichtsignale für Plasma und Temperatur an einen Rechner liefert. Die aufgenommenen Signale werden anschließend im Rechner ausgewertet und als graphischer Verlauf am Bildschirm ausgewiesen. Der ausgewiesene Verlauf wird nach jeder Rohrschweißung von den Michelfelder-Experten überprüft und begutachtet. Somit bleibt der Schweißprozess ständig unter Beobachtung, was letztlich der hohen Rohrqualität für die Michelfelder-Kunden zugute kommt.

Einrichtungen für eine umfassende Edelstahlbearbeitung sind vorhanden

Über die Rohrfertigung und die Kapazitäten hinaus greift das Haaner Unternehmen bei entsprechendem Bedarf auf die Möglichkeiten des Hauptwerkes der Michelfelder Edelstahltechnik GmbH in Fluorn-Winzeln im Schwarzwald zurück. Dort stehen alle nur denkbaren Einrichtungen einer umfassenden Edelstahlbearbeitung auch im 2D- und 3D-Bereich zur Verfügung. Doch die rund 700 m² Fertigungsfläche in Haan bieten noch genug Platz für einen weiteren Ausbau. Und so darf sich Michael Remillong in Kürze schon auf eine 2D-Flachbettlaseranlage der Marke Trumpf freuen, die ab April in Haan zur Verfügung stehen wird. Damit werden auch dort die Kapazitäten wesentlich erweitert, die einerseits der Zusammenarbeit mit dem Edelstahl-Service-Center Vogel-Bauer zugute kommen, aber auch allen anderen Kunden, die dann ein Mehr an Rohrleistung in Anspruch nehmen können.

Redakteur/Autor: Dietmar Kuhn
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