BMW-Werk München

Neue BMW-Lackiererei setzt Maßstäbe für Industrie 4.0 und Nachhaltigkeit

| Autor: Stéphane Itasse

Mit einer neuartigen Lacktechnik erspart sich BMW die Füllerschicht in der Lackierung und senkt damit den Energieverbrauch drastisch.
Mit einer neuartigen Lacktechnik erspart sich BMW die Füllerschicht in der Lackierung und senkt damit den Energieverbrauch drastisch. (Bild: www.guenterschmied.com)

Das BMW-Werk München verfügt ab sofort über eine der laut Unternehmen modernsten Lackierereien der Automobilindustrie. Die Anlage ist mit Investitionen von mehr als 200 Mio. Euro Teil eines Zukunftspaketes für das Werk. Bis Ende 2017 fließen rund 700 Mio. Euro in die Modernisierung des BMW-Stammwerks.

Der Produktionsvorstand der BMW Group, Oliver Zipse, und die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner gaben mit dem Leiter des Werkes München, Dr. Milan Nedeljkovic, sowie Manfred Schoch, dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden der BMW AG, den Startschuss für die Serienproduktion. Künftig werden die rund 700 Mitarbeiter täglich bis zu 1000 Karosserien der BMW 3er- und 4er-Baureihe lackieren.

Selbstlernendes System bringt Industrie 4.0 in die BMW-Lackiererei

Die Lackiererei nutzt verstärkt intelligent vernetzbare Systeme. Diese erhöhen die Flexibilität in den Prozessabläufen, lassen sich auf variable Losgrößen anpassen und ermöglichen eine vorausschauende automatisierte Instandhaltung und Qualitätssicherung.

Erstmalig setzt BMW dabei eine vollautomatisierte Qualitätskontrolle ein. Roboter scannen die äußere Fahrzeugoberfläche. Die Daten liefern außerdem Rückschlüsse auf die Präzision vorgelagerter Lackierprozesse. Diese können optimiert, Fehlerpotenziale erkannt und Nacharbeit vermieden werden. Das System ist damit ein Beispiel für angewandte Digitalisierung im BMW-Produktionssystem mittels Big-Data-Analysen. „Gerade beim Lackieren gibt es eine Vielzahl von Parametern zu regeln. Über Sensorik werden wir diesen Prozess erfassen können“, sagte Nedeljkovic im Gespräch mit MM MaschinenMarkt.

Basislackschicht inklusive Füller senkt den Ressourcenverbrauch

Die neue Lackiererei setzt bei der Anlagentechnik auf die IPP-Technik (Integrated Paint Process). Im Gegensatz zu konventionellen Lackierverfahren entfallen das Auftragen und Trocknen der Füllerschicht. Stattdessen werden zwei Basislackschichten „nass-in-nass“ aufgetragen. Die erste Schicht übernimmt sämtliche Funktionen und Eigenschaften der Füllergrundierung, die zweite stellt die optischen Eigenschaften wie Farbe, Effekt und Tiefenwirkung sicher. Diese Basislackierung wird – wie bisher auch – abschließend mit Klarlack überzogen.

Der Wegfall des kompletten Füllerauftrags bringt hinsichtlich der Ressourcenverbräuche signifikante Reduzierungen mit sich. Der Erdgasverbrauch und die CO2-Emissionen sinken um rund die Hälfte, der Stromverbrauch um 27 %. Einen weiteren Beitrag im Sinne von Clean Production liefert die Trockenabscheidung, welche komplett ohne Wasser, Chemie und andere Zusatzstoffe auskommt. Zudem reduziert sich die emittierte Abluft um zwei Drittel.

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