Zentralverband Oberflächentechnik

Oberflächentechnik leidet unter Rohstoffkosten und Regulierung

| Redakteur: Stéphane Itasse

Die Nachfrage nach den Leistungen der Oberflächentechnik steigt, doch die Branche wird von Rohstoffpreisen und Regulierungen belastet.
Die Nachfrage nach den Leistungen der Oberflächentechnik steigt, doch die Branche wird von Rohstoffpreisen und Regulierungen belastet. (Bild: Itasse)

Die deutsche Galvano- und Oberflächentechnik kann kurz vor ihrem großen Auftritt auf der Hannover Messe positive Zahlen vorlegen. Der Umsatz der Galvanotechnik als ein wesentliches Segment der Branche „Oberflächenveredelung und Wärmebehandlung“ ist 2016 um 2 % gestiegen, wie der Zentralverband Oberflächentechnik e.V. (ZVO) am Dienstag mitteilt. Für 2017 wird sogar ein Wachstum von 3 % erwartet.

Diese Erwartung basiert auf den Prognosen der wichtigsten Abnehmersegmente und der nach wie vor positiven Grundstimmung der deutschen Wirtschaft. Allerdings ist es laut Verband schwierig, den Gesamtumsatz der Branche statistisch zu erfassen. Bei verschiedenen Erhebungen werden gerade kleinere Unternehmen der überwiegend klein- und mittelständisch geprägten Branche oft nicht berücksichtigt. Aktuell schätzt der ZVO den Branchenumsatz auf etwa 7,5 Mrd. Euro. Damit ist Deutschland das führende Land für Oberflächenveredelung in der EU.

Reach belastet die Oberflächentechnik

Die Investitionsfähigkeit der Branche könnte jedoch durch steigende Kosten und permanente Anpassungsmaßnahmen durch kontinuierlich strengere Umweltauflagen eingeschränkt werden, wie es heißt. Die Europäische Chemikalienverordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe Reach stellt die Branche, vor allem Mittelstandsbetriebe, vor eine Herausforderung und bindet Ressourcen, die später in der technischen Weiterentwicklung fehlen.

So tickt derzeit die Uhr für die freie Verwendung von Chromtrioxid in der EU, das eine wichtige Rolle bei der Verchromung spielt. Das so genannte Sunset Date, also das Datum, ab dem Chromtrioxid ohne gültige Zulassung nicht mehr verwendet oder in Verkehr gebracht werden darf, ist der 21. September 2017. Zahlreiche Hersteller- und Anwenderkonsortien haben Zulassungsanträge für Chromtrioxid eingereicht. Die Komitees der Europäischen Chemikalienagentur (Echa) haben zwischenzeitlich in abschließenden Empfehlungen befürwortet, dass die EU-Kommission sechs Anwendungen genehmigen soll. Laut dieser Empfehlungen sind bei einer weiteren Verwendung von Chromtrioxid in der EU die Risiken für die menschliche Gesundheit deutlich geringer als der Gesamtnutzen der Weiterverwendung.

Chrom(VI)-Autorisierungen bis zum Sunset Date ungewiss

Unsicher ist jedoch, ob die Zulassungsentscheidungen bis 21. September 2017 vorliegen - auch wenn Echa und EU-Kommission laut Reach-Verordnung eine Entscheidungsfrist zu wahren haben. Da Chromtrioxid aber der erste große Stoff ist, für den ein Autorisierungsverfahren erfolgen muss, und es zudem mehrere unterschiedliche Zulassungsanträge für identische Anwendungen gibt, rechnet der ZVO damit, dass diese Frist überschritten wird und die Entscheidungen bis zum Sunset Date nicht vorliegen werden. Sollte es zu einer Verspätung kommen, sieht Reach jedoch vor, dass diejenigen nachgeschalteten Anwender, die von den Antragstellern direkt oder indirekt beliefert werden, ihre Verwendung über das Ablaufdatum hinaus bis zur Entscheidung der Kommission fortführen können.

Aber auch die Zulassung wird zu einer Veränderung der Arbeitsschutzmaßnahmen führen. Und die Pflicht, alternative Verfahren auf ihre Eignung zu prüfen, bleibt für alle Beteiligten der Lieferkette von der zugelassenen Verwendung unberührt. Ferner ist davon auszugehen, dass empfohlene Risikominimierungsmaßnahmen, die künftig über die Sicherheitsdatenblätter kommuniziert werden, auch von den deutschen Behörden zur betrieblichen Umsetzung vorausgesetzt werden.

Steigende Preise für Zink und Kobalt belasten die Oberflächentechnik

Auch die schwankenden Rohstoffpreise setzen die Galvano- und Oberflächentechnik unter Druck und drohen, die Margen der Galvaniken, Beschichter und Stückverzinker aufzufressen. Der Preis für Zink beispielsweise, das in der Oberflächentechnik vor allem zum Korrosionsschutz eingesetzt wird, ist seit Anfang 2016 um 75 % auf aktuell rund 2800 US-Dollar pro Tonne gestiegen. Damit nähert sich der Preis dem höchsten Stand seit fast zehn Jahren. Auch Kobalt geht derzeit durch die Decke: Seit Jahresbeginn ist der Preis für eine Tonne Kobalt um über 60 % gestiegen. Seit Sommer 2016 hat er sich auf mittlerweile über 50.000 Dollar pro Tonne mehr als verdoppelt. Und das ist Prognosen zufolge erst der Anfang. Kobalt wird in der Galvanotechnik an verschiedenen Stellen eingesetzt, beispielsweise zur Steigerung der Korrosions- und Temperaturbeständigkeit in dreiwertigen Passivierungen für Zink- und Zinklegierungsschichten. Außerdem findet es Verwendung bei der Farbgebung und Härtesteigerung in Goldbädern und vereinzelt noch als Legierungselement in Zinkschichten.

Aber auch andere Rohstoffpreise steigen weiter, etwa für Kupfer oder für Chromerz, was in der Folge auch zu einem Preisanstieg für Chromtrioxid führen wird. Insgesamt erhöhte sich der HWWI-Rohstoffpreisindex im Februar um 0,5 % (in Euro: +0,2 %) und damit den dritten Monat in Folge. Der HWWI-Index für Industrierohstoffe stieg im Februar 2017 um 5,3 % .

Auch die steigenden Strompreise im Zusammenhang mit der Energiewende belasten die Branche, insbesondere die stromintensiven Unternehmen, die nicht von der Besonderen Ausgleichsregelung der EEG-Umlage profitieren. Immerhin kann in manchen Unternehmen der Energiekostenanteil bis zu 23 % betragen. Und die Beschaffungskosten für Industriestrom werden in Deutschland aufgrund der Erhöhung der EEG-Umlage in 2017 um 0,53 ct/kWh auf 6,88 ct/kWh (+8,3 % im Vergleich zu 2016) weiter steigen. Weiterer Kostenfaktor sind die Netzentgelte, die von 2016 auf 2017 um 12,46 % gestiegen sind und 40 bis 45 % vom eigentlichen Strompreis ausmachen.

So befürchtet der ZVO, dass die aufgrund des schnellen technischen Fortschritts wachsenden Investitionsbedürfnisse und -anforderungen von den mittelständischen Unternehmen der Galvano- und Oberflächentechnik nicht ausreichend erfüllt werden können.

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