24.05.2008 | Autor / Redakteur: Lothar Handge / Josef-Martin Kraus
„Angeführt von den energieintensiven Branchen wie Petrochemie, Stahl- und Papierverarbeitung weist die industrielle Produktion dabei genauso hohe Einsparpotenziale auf wie Wohnwirtschaft, Handel und Transport zusammen“, berichtet Hiesinger. Weil rund 65% des Stromverbrauchs der Industrie auf Systeme entfallen, die mit Elektromotoren angetrieben werden, sind diese ein wesentlicher Hebel für Einsparungen.
Am Beispiel der Automobilindustrie lässt sich exemplarisch nachvollziehen, wie Konsumgewohnheiten auf die Produktionstechnologien durchschlagen: Bis zum Jahr 2015 wird sich die Anzahl der Automobilmodelle weltweit im Vergleich zu 1990 auf mehr als 1100 verdoppeln.
Dieser Trend wird sich auch in anderen Branchen durchsetzen: Da Konsumenten immer mehr nach individuellen Gütern oder Waren verlangen, muss die produzierende Industrie Fertigung auf Nachfrage und Produktionsplanung in Echtzeit beherrschen – bei immer geringeren Kosten. Moderne Produktionssysteme müssen daher immer flexibler und leistungsfähiger werden, um den Herstellern schnellere Reaktionszeiten und immer kürzere Innovationszyklen zu ermöglichen.
Des Weiteren erwartet Hiesinger durch die Integration der PLM-Softwaretechnologie (Product Lifecycle Management) in das Siemens-Portfolio langfristig eine Vereinigung von Produktplanung und Produktion. Künftig wird in der Engineering-Phase die Entwicklung an die spätere Produktion digital angekoppelt. Das Mechanikdesign konvergiert dabei mit demjenigen für die Anlagen.
Hiesinger weiter: „Nach unserer Einschätzung wird es im Automobilbau und anderen hochentwickelten Industrien in 10 bis 15 Jahren ein integriertes Design für Mechanik, Automatisierung und Steuerung geben, bei dem die Codes für die Automatisierungskomponenten automatisch generiert werden.“
Künftig werden bereits bei der Planung neuer Produktionssysteme die geforderten Produktvarianten berücksichtigt und mitgeplant. Damit werden Softwarewerkzeuge und Dienstleistungen, die den ganzen Lebenszyklus einer Maschine oder Anlage unterstützen, laut Hiesinger immer wichtiger: „Sie begleiten die Entwicklung von Mechanik und Automatisierungsdesign, die Optimierung und Inbetriebnahme der Maschine wie auch Betrieb und Service beim Endkunden.“
Dieser wird dabei schon in der Konzeptphase einbezogen, in der neben den Produkten auch Maschinen und Fertigungszellen zunächst mit allen ihren Eigenschaften und Funktionen virtuell erstellt werden. Damit lässt sich schon in der Konzeption vorhersagen, wie sich diese verhalten werden, zum Beispiel über Kinematik-Modelle, die das Bewegungsverhalten simulieren.
„Die Zusammenarbeit des Maschinenbauers und des Endkunden mit dem Automatisierungspartner von der Produktidee über die Simulation bis zur fertigen Maschine bedeutet ein enormes Einsparpotenzial in Bezug auf Entwicklungszeit, Material und Kosten“, glaubt Hiesinger. In einigen Jahren können komplette Produktionsanlagen im Computer entstehen und simuliert werden. Dabei werden alle Optimierungsmöglichkeiten bei Produkt und Produktion ausgeschöpft.
Das Engineeringsystem überarbeitet zudem bei jeder Änderung automatisch das gesamte Anlagenkonzept. Hiesinger abschließend: „Die Hochlaufzeit einer Anlage wird aufgrund der vorherigen akribischen Planung nur noch einen Bruchteil der heute nötigen Zeit betragen.“
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