Produktdaten-Management
Unternehmen mit durchdachtem PDM-System haben ihre Daten im Griff
08.10.2008 | Autor: Stefan Kühner
PDM-System vermeidet Mehrfachkonstruktionen
Damals wurde erstmals begonnen, den Wildwuchs bei den Teilebenennungen zu reduzieren. Mit der Zuordnung von Merkmalen zu den Objekten (Teile, Baugruppen, Dokumente, Projekte) konnten die Bauteile mittels Sachmerkmalleisten (SML) klassifiziert werden. Anhand der Sachmerkmale wurde eine Bereinigung der Teilevielfalt durchgeführt, indem viele alternative oder mehrfach angelegte Bauteilvarianten gestrichen werden konnten.
Dadurch ließen sich im ersten Schritt mehr als 300 Teile allein im Werk Kraichtal einsparen. Zudem ist jetzt mit der Objektsuche über die Merkmale ein schnelles und sicheres Wiederfinden möglich, was Mehrfachkonstruktionen wie bisher vermeidet und die Wiederverwendung von Teilen optimiert.
Mit der Entscheidung für SAP fiel dann 2006 auch die Entscheidung, das PDM-System für die gesamte Gruppe weltweit einzusetzen. Voraussetzung war, die in jedem Land unterschiedlichen Benennungen in eine einheitliche Artikelnummer zu überführen, die aufgrund des angestrebten Datenaustausches mit dem ERP von der Feldgröße und -struktur her auch im SAP-System verwendbar sein musste.
Technische Struktur mit Umstellung des PDM-Systems neu erstellt
Die gesamte technische Struktur (Benennung, Produktstrukturen, Klassifikation, technische Ablaufprozesse) wurde besonders auch in Abstimmung mit dem tschechischen Werk neu erstellt. Das betraf in weiten Teilen auch nochmals das Werk Kraichtal, obwohl dort seit 2001 schon wichtige Grundlagen gelegt worden waren. Mit Unterstützung eines Beraters wurden die neuen Strukturen und Prozesse festgelegt und die Bennungen von ursprünglich rund 70000 auf heute 700 reduziert.
Eine eigens eingerichtete Normungsabteilung (Material-Datenmanagement) sorgt jetzt dafür, dass neue Materialstammdaten inhaltlich richtig angelegt und korrekt organisiert werden. Mittlerweile sind gut 120000 Materialstämme im System. Bei der gesamten technischen Grunddatenstruktur ist Pro-File das führende System.
Um eine einheitliche Struktur zu sichern und eine Mehrfacherfassung der Daten zu vermeiden, wird eine Reihe von Daten an das SAP-System übergeben. Damit diese Schnittstelle zwischen Pro-File und den ERP-Systemen flexibel und transparent wird, setzt Procad sogenannte Middleware ein. Im Fall von Argo-Hytos ist das der Biz-Talk Server von Microsoft.
Änderungen ohne aufwändige Programmierung
Mit dem Biz-Talk Server lässt sich der tatsächlich durchgeführte Datenaustausch protokollieren und künftige Änderungen bei den zu übergebende Daten können relativ einfach selbst eingerichtet werden, ohne eine aufwändige Programmierung. Mittels Biz-Talk werden jetzt weitgehend automatisch die Materialstämme (bei SAP die so genannten Grunddaten 1 und 2), die Klassifikation beziehungsweise die Objekt-/Produktstruktur und die Konstruktionsstückliste an das SAP-System übergeben.
Das Ziel ist es, für die komplette Gruppe sämtliche CAD-Modelle und Dokumente zu verwalten, die in der Konstruktion anfallen. In Vrchlabi und in einer Reihe der internationalen Vertriebsgesellschaften ist das 3D-CAD-System Pro/Engineer Wildfire schon installiert. Die Einführung von Pro-File (und SAP) wird dort in nächster Zeit folgen. Die Nutzung der Produktdaten in Arbeitsvorbereitung und Fertigung, Vertrieb oder Service wird weiter sukzessive ausgebaut.
Der nächste konkrete Schritt hier ist, dass Fertigungszeichnungen in einem neutralen Format (Tiff, PDF) auch auf den SAP-Terminals aufgerufen werden können und somit auch Bereichen zur Verfügung stehen, die über keine Pro-File-Arbeitsplätze verfügen. In Kraichtal arbeiten bereits 90 Mitarbeiter mit Pro-File, in Vrchlabi sind 70 PDM-Installationen geplant.
Stefan Kühner ist Leiter Marketing und Kommunikation bei der Procad GmbH & Co. KG in Karlsruhe.
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