Stahlwerkstoffe

Stahlverarbeiter müssen sich auf stärkere Preisschwankungen einstellen

20.04.2010 | Redakteur: Stéphane Itasse

Die Stahlpreise werden bald stärker schwanken – Stahlverarbeiter können dadurch unter Druck geraten. Bild: Stahl-Online

Der Stahlmarkt tritt in eine neue Phase ein. Künftig müssen alle Beteiligten bis hin zum Maschinenbauer mit kurzfristigeren Lieferverträgen und stärkeren Preisschwankungen umgehen lernen, wie die Unternehmensberatung Bain & Company ermittelt hat. Für die Metallindustrie bedeute das höhere Risiken, die nicht komplett an die Kunden weitergegeben werden können. Mit fünf Maßnahmen können sie aber gegensteuern.

Metallverarbeitende Unternehmen müssen künftig ihre Preisrisiken enger managen, Absicherungsgeschäfte beherrschen sowie Vertrieb und Einkauf besser miteinander verzahnen, wie Bain weiter mitteilt. Der Grund: Bisher wurde Eisenerz zwischen Minen und Stahlproduzenten auf Basis jährlich neu verhandelter Lieferverträge gehandelt, wobei der erste große Kontrakt des Jahres als Benchmark für alle anderen galt.

Spotmarkt für Eisenerz wird relevant

Einen Spotmarkt wie bei Erdöl und den meisten anderen Industriemetallen gibt es für Eisenerz zwar schon lange, doch wurden hier in den vergangenen Jahrzehnten nur vergleichsweise geringe Mengen gehandelt. Die größten Volumina wurden über stabile Jahresverträge und lediglich der Spitzenbedarf durch Einkauf auf dem Spotmarkt gedeckt.

Ende März setzten die drei marktbeherrschenden Bergbaukonzerne, die australisch-britische BHP Billiton, die britische Rio Tinto und die brasilianische Vale, neben Preisaufschlägen auch erstmals Dreimonatsverträge für Eisenerz durch, die sich am Spotmarkt orientieren. Unabhängig von aktuellen Vorwürfen gegen die Eisenerzförderer, sie würden die Preise in die Höhe treiben und ihre Oligopolstellung am Markt ausnutzen, habe diese verkürzte Vertragslaufzeit große Auswirkungen auf den gesamten weltweiten Stahlmarkt.

Einen solchen Umbruch des Markts hin zu kurzfristigeren Preisanpassungen habe es auch in anderen Rohstoffmärkten wie Aluminium, Zink oder Kupfer in den letzten Jahrzehnten bereits gegeben. Die Gründe hierfür waren wie jetzt auch beim Eisenerz die marktgerechtere Preisbildung.

Schwankende Stahlpreise treiben die Kosten nach oben

Die Entwicklung in diesen Märkten zeige, dass das mittlere Preisniveau beim Übergang von der langfristigen zur kurzfristigen Preisbildung ansteigt: Neben Finanzinvestoren würden auch die klassischen Finanzinstitute an kurzfristiger gehandelten Rohstoffen verdienen, vor allem durch notwendig gewordene Absicherungsgeschäfte der Marktteilnehmer, das so genannte Hedging. Nach Schätzungen der Unternehmensberatung verteuern sich am Spotmarkt gehandelte Rohstoffe durch Hedging um rund 2% bis 5%.

Viel härter als die Steigerung des mittleren Preisniveaus werden sowohl die Stahlhersteller als auch die metallverarbeitende Industrie von der größeren Volatilität der Preise getroffen, heißt es weiter, der Markt erhalte spekulative Hoch- und Tiefphasen. Der Stahlpreis lag 2009 bei rund 110 Euro/t und ist in diesem Jahr bereits auf mehr als 200 Euro/t geklettert.

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