21.08.2008 | Redakteur: Jürgen Schreier

Die Einen sehen in der Globalisierung ein gigantisches Kostensenkungsprogramm, die Anderen fürchten den Ausverkauf heimischer Produktionsstandorte. Wie durch „Intelligente Produktion“ Standorte in Hochlohnländern gehalten und gestärkt werden können, darüber sprachen wir mit Dr.-Ing. Lutz Oliver Schapp, Geschäftsführer des Exzellenzclusters „Integrative Produktionstechnik für Hohnlohnländer“ am Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen/Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen.
Schapp: Aufgrund der Tatsache, dass der Zweck einer jeden Unternehmung zunächst die Erwirtschaftung einer hohen Rendite ist, werden Unternehmen ihren Produktionsstandort nicht emotional, sondern nach streng rationalen Gesichtspunkten aussuchen. Hierzu gehört die genaue Analyse der Standortfaktoren im weltweiten Kontext und die anschließende Abwägung der Vor- und Nachteile der einzelnen Standorte.
Interessanterweise wird mit den Bezeichnungen „Hochlohn- und Niedriglohnland“ die Fülle der positiven und negativen Standortfaktoren eines Landes auf den Standortfaktor Lohnkosten vordergründig reduziert. Während somit das Hoch-lohnland per se eine negative Attitüde erhält, erfahren die Niedriglohnländer emotional zunächst eine Aufwertung. Für die Standortwahl eines Unternehmens sind allerdings die Lohnkosten nur ein Aspekt unter vielen. Richtig ist allerdings, dass die Lohnkosten ein sehr gewichtiger Standortfaktor sind.
Im Falle des „Hochlohnlandes“ muss dieser Nachteil also durch entsprechend gewichtige Vorteile wieder ausgeglichen werden. Nur wenn dem Nachteil „Hochlohn“ ein entsprechend großer Anteil von nutzbaren Vorteilen gegenüber steht, werden sich Unternehmen für die Produktion in einem Hochlohnland entscheiden. Wichtig ist also, dass ein „Hochlohnland“ seine Vorteile so umfassend einsetzt, dass ein Mehrnutzen für das Unternehmen entsteht.
Schapp: Die Diskussion um Hoch- und Niedriglohnländer hat es schon immer gegeben. Sie hat nur in jüngster Zeit eine neue Dimension erhalten, weil die vermeintlichen Niedriglohnländer nun den nächsten Entwicklungsschritt gehen und die Hochlohnländer auf dem Gebiet ihres wichtigsten Vorteils, ihrer sozusagen einzigen Ressource „angreifen“: dem Wissens- und Qualifikationsniveau. Hierzu werden Unternehmen in Hochlohnländern aufgekauft, das eigene Bildungssystem massiv finanziell unterstützt und Studenten und Mitarbeiter in die ganze Welt versandt.

»1 »2 »3 »4 »5 nächste Seite
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 267425)