Materialfluss

Intelligente Supply Chains leben von ihrer Datenqualität

11.03.2010 | Autor / Redakteur: Bernd Maienschein / Bernd Maienschein

Ehrhard Thiel, Leiter Logistik und Lieferantenmanagement der Daimler AG, Gaggenau: „Wir sehen eine zunehmende Bedeutung der Informationstechnologie. 8 bis 10% können wir am Ende bei den Frachtkosten herausholen.“ Bilder: Maienschein

In der Krise kann die Logistik ein wahrer Helfer sein — wenn man sie richtig nutzt. Störungen in der Supply Chain, wenn etwa Kunden der Automobilindustrie in letzter Minute ihre Fahrzeugkonfiguration ändern oder überproportional häufig Ersatzteile anfallen, versucht man mit intelligenten IT-Systemen beizukommen.

Ziel vieler Projekte, die die industrielle Supply Chain betreffen, ist die Optimierung der Vorhersagegenauigkeit von Ereignissen und das Ergreifen von Maßnahmen zur Erhöhung der Versorgungssicherheit. Diese Projekte stehen und fallen mit der Qualität und Verfügbarkeit der Daten, die dazu notwendigerweise herangezogen werden.

Ein gutes Beispiel gibt in diesem Zusammenhang die Automobilindustrie ab: Eine Studie des Supply Chain Management Institute (SMI) an der European Business School (EBS), Wiesbaden, hat ergeben, dass wichtige Informationen, die in diversen Abteilungen und Datenbanken der Automobilunternehmen schlummern, nicht als Wissen in den entsprechenden Führungsetagen ankommen.

Qualität der Planungsdaten muss sichergestellt werden

Bedenkt man, dass in einem modernen Pkw etwa 4500 Komponenten und mehrere Tausend Einzelteile verbaut werden, wird einem die hohe Komplexität klar, die dem dazugehörigen Liefernetzwerk die Erfüllung extremer Anforderungen abverlangt. Das Grundproblem der Branche, der so genannte Bullwhip-Effekt, also sich innerhalb einer (Liefer-)Kette nach hinten immer weiter fortpflanzende und aufschaukelnde Sicherheitsbestände, versucht sie mit intelligentem Supply Chain Management einzudämmen.

Laut Dr.-Ing. Jack Thoms, Senior Project Manager am SMI, vernachlässigen Unternehmen heute sträflich, dass alle Planungen, die sie durchführen und die sie mit anderen Unternehmen abstimmen müssen, auf operativen Daten basieren. „Das heißt, das Thema Supply Chain Analytics, das Thema unserer Studie, ist dem Supply Chain Management vorgeschaltet“, so Thoms.

Wer keine Daten zur Verfügung habe, könne sich auch nicht abstimmen und nicht reagieren. „Sie können die bestentwickelten Planungssysteme haben. Wenn Sie da nur Datenmüll reinschütten, bekommen Sie auch nur Planungsmüll heraus“, so Thoms weiter. Die Qualität der Planungsdaten müsse also sichergestellt werden.

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