VDW
Werkzeugmaschinen-Branche erwartet für 2010 Erholung auf niedrigem Niveau
08.12.2009
| Autor: Jürgen schreier
Im dritten Quartal 2008 ist die „Nachfrageblase“ geplatzt, die der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie über Jahre hohe Auftragszuwächse und eine Kapazitätsauslastung an der Grenze des Möglichen bescherte. Der nachfolgende Sturz ins Bodenlose scheint aber mittlerweile beendet.
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| Der Werkzeugmaschinenbau lebt vom Know-how und Können seiner Fachkräfte: Ausbildung bei Gildemeister in Bielefeld. Bild: Gildemeister |
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Wer hoch steigt, kann tief fallen. Diese leidvolle Erfahrung, die üblicherweise nur Akrobaten oder Künstlern vorbehalten ist, musste auch die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie machen. Nach Jahren, die geprägt waren von vollen Auftragsbüchern und zweistelligen Produktionszuwächsen, geriet die Branche im vierten Quartal 2008 in den Strudel der weltweiten Rezession.
Werkzeugmaschinen-Nachfrage sinkt ab 2008
Erstmals seit drei Jahren sank die Nachfrage nach Werkzeugmaschinen, und zwar um 12%, wobei die Bestellungen aus dem Inland mit minus 15% stärker einbrachen als die Auslandsorders (minus 9%). Da im ersten Halbjahr 2008 immer noch positive Auftragseingänge verzeichnet wurden, konnte die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie das Gesamtjahr mit einem Produktionsplus von 12% beenden.
„Im dritten Quartal findet die allgemeine Investitionsschwäche nun auch in unserer Industrie ihren Niederschlag“, räumte damals Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW), bei der Präsentation der Quartalszahlen ein, wobei der VDW vor dem Hintergrund der weltweiten Finanzkrise und der dramatischen Entwicklung in der Automobilindustrie, die zu den wichtigsten Abnehmern von Werkzeugmaschinen gehört, mit einem Nachfragerückgang im zweiten Halbjahr 2008 gerechnet habe.
Werkzeugmaschinen-Branche hatte vom wirtschaftlichen Optimismus profitiert
So richtig „dicke“ kam es dann 2009. „Unsere Industrie war insbesondere in den beiden letzten Jahren in einer Ausnahmesituation“, hatte VDW-Vorsitzender Carl Martin Welcker bei einer Pressekonferenz seines Verbandes im Juni dieses Jahres festgestellt. Die internationale Nachfrage nach Produktionstechnik habe im Vertrauen auf immer weiter wachsende Märkte ein Rekordniveau erreicht, so Welcker.
Viele weltweit tätige Großanwender hätten vorsorglich ihre Produktionskapazitäten stark erweitert, um international Marktanteile zu gewinnen. Diese „Nachfrageblase“ sei dann Ende 2008 geplatzt. Das führte dann in Folge habe zu heftigen Auftragsrückgängen in der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie.
Produktion und Export von Werkzeugmaschinen kräftig geschrumpft
Wie vom VDW anlässlich der Werkzeugmaschinenmesse EMO Milano 2009 bekannt gegeben wurde, schrumpfte der Auftragseingang im ersten Halbjahr 2009 um 67%. Werkzeugmaschinenproduktion und Export verminderten sich im gleichen Zeitraum um ein Fünftel – eine bittere Pille für einen Industriezweig, der in den Jahren zuvor von Ausfuhrrekord zu Ausfuhrrekord geeilt war.
+ Werkzeugmaschinen-Trends international
Indien: Die Dynamik in der verarbeitenden Industrie Indiens hat sich im 2. Halbjahr 2008 stark abgeschwächt. Für 2009 erwarten IWF und OECD lediglich ...
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Indien: Die Dynamik in der verarbeitenden Industrie Indiens hat sich im 2. Halbjahr 2008 stark abgeschwächt. Für 2009 erwarten IWF und OECD lediglich noch ein reales BIP-Wachstum von 5%. In den traditionellen Abnehmerbranchen von Maschinenbauerzeugnissen blieb die Situation auch im 1. Halbjahr 2009 zum Teil angespannt. Umsatzrückgänge und Überkapazitäten bestimmten das Bild unter anderem in der Kfz- und Zulieferindustrie sowie der Metallverarbeitung. Die einheimischen Maschinenbauer bedienen in der Regel das Niedrig- bis Mittelpreissegment. Unternehmen aus den Exportbranchen setzen dagegen auf importierte Maschinen.
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Italien: Die italienische Kfz-Industrie, die bedeutendste Abnehmerbranche des Werkzeugmaschinenbaus, wurde stark von der Krise getroffen. Diese Entwicklung spiegelt sich in den Zahlen der italienischen Werkzeugmaschinenindustrie wider, die im 1. Halbjahr 2009 einen Auftragsrückgang um 56% zum Vorjahr verzeichnete.
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Japan: Die Lage am japanischen Maschinenmarkt hat sich seit Herbst 2008 drastisch verschlechtert. Die Werkzeugmaschinennachfrage brach nach Angaben der Japan Machine Tool Builders‘ Association im 1. Halbjahr 2009 um 81,1% ein. Verantwortlich hierfür ist die schlechte Geschäftsentwicklung in der Automobil- und Zulieferindustrie.
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Korea: Nach der jüngsten Prognose der Korea Association of Machinery Industry (KOAMI) wird die inländische Nachfrage nach Industriemaschinen im laufenden Jahr um 21,5% zurückgehen. Im Werkzeugmaschinenbau sind neben der stark geschrumpften Nachfrage der Automobilindustrie auch die Bestellungen aus bisher florierenden Branchen wie dem Schiffbau oder der LCD-Industrie eingebrochen.
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Russland: Das Investitionsklima in Russland hat sich durch die Finanzkrise merklich eingetrübt. Die Anlageinvestitionen werden 2009 voraussichtlich um ein Fünftel sinken. Im Maschinenbau verminderte sich das Produktionsvolumen in den ersten sechs Monaten 2009 um fast 35%. Besonders betroffen waren Werkzeugmaschinen (-65%).
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Schweiz: Rezessionsbedingt ist die Nachfrage nach Maschinen in der Schweiz sehr verhalten. So wie die deutsche Industrie als wichtigster Maschinenlieferant in der Vergangenheit von der positiven Entwicklung des Maschinenbaus in der Schweiz profitierte, macht sich der rückläufige Trend nun negativ bemerkbar. Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie) selbst kämpft seit Ende 2008 mit sinkender Kapazitätsauslastung.
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Taiwan: Taiwans Maschinenbau leidet vor allem unter der schwachen Exportnachfrage. Dennoch ergeben sich für ausländische Anbieter hochwertiger Maschinen weiterhin Absatzchancen. Gefragt sind insbesondere Laserbearbeitungsmaschinen, Schleifmaschinen, CNC-Drehmaschinen, Bearbeitungszentren und Pressen.
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Türkei: Der Bedarf an Werkzeugmaschinen ist mittelfristig hoch. Insbesondere die Kfz-Industrie, die Unterhaltungselektronik und die Hersteller „weißer Ware“ haben Bedarf. Die türkischen Werkzeugmaschinenimporte nahmen 2008 gegenüber dem Vorjahr um 12,4% zu. 2009 dürften sie aber deutlich niedriger liegen.
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VR China: In den ersten fünf Monaten 2009 ist die Produktion von Metallbearbeitungsmaschinen in China im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 21,1% auf 245000 Einheiten geschrumpft. Inzwischen befinden sich die wichtigsten Abnehmerbranchen wie der Fahrzeugbau oder die Luft- und Raumfahrtindustrie wieder im Aufwind.
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USA: Die Nachfrage nach Werkzeugmaschinen ist nach Angaben der US-Fachverbände (Association for Manufacturing Technology/AMT und American Machine Tool Distributors‘ Association/AMTDA) dramatisch eingebrochen. Für die ersten fünf Monate 2009 wird ein Absatzminus von 70,7% ausgewiesen. Auch bezüglich der Entwicklung im 2. Halbjahr ist die AMT wenig zuversichtlich.
Redakteur/Autor: Jürgen Schreier
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