08.12.2009 | Autor / Redakteur: Jürgen schreier / Jürgen Schreier
So geht die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie beim Thema Klimaschutz mit der Kampagne „Blue Competence – taking the initiative on energy and environment“ in die Offensive und will damit das Thema Energieeffizienz für sich besetzen. „Blue Competence“ greift den Nachhaltigkeitsgedanken für die Industrieproduktion auf. Energieeffizienz ganzheitlich betrachtet heißt, nicht nur die einzelne Werkzeugmaschine zu optimieren, sondern gemeinsam mit Kunden und Zulieferern den Prozess und die Endprodukte energetisch zu verbessern.
„Ich bin überzeugt davon, dass nennenswerte Fortschritte hin zu einer umweltgerechten Fertigung nur erzielt werden können, wenn die Ökobilanz des gesamten Produktionsprozesses betrachtet wird bis hin zum gefertigten Produkt“, betont Carl Martin Welcker.
Eine weitere Herausforderung für die Werkzeugmaschinenindustrie ist der aktuelle Trend zur Elektromobilität. Der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, ist überzeugt, dass der Umstieg auf das Elektroauto einen tiefgreifenden Wandel nicht nur für die Werkzeugmaschinenindustrie bedeutet. „Es werden sich alle umstellen müssen. Die Fahrzeugindustrie wird einige Fahrzeugbauteile bald nicht mehr herstellen. Dafür kommen jedoch neue hinzu“, so der Wissenschaftler.
Gravierende Auswirkungen für die Werkzeugmaschinenindustrie dürfte vor allem die Elektrifizierung des Antriebsstrangs haben. Bei den Mindelheimer Grob-Werken vertritt man die Meinung, dass diese Entwicklung zukünftig zu einer vermehrten Diversifizierung der Antriebssysteme führen wird.
Unterstellt man einen Anteil von 20% Elektrofahrzeugen an den Gesamtzulassungen bis zum Jahr 2020, so bedeute dies, dass die prognostizierten Gesamtvolumina nur noch zu 80% über „klassische“ Antriebe verfügten. Das könne natürlich nicht ohne Folgen für die Produktionszahlen im traditionellen Teilebereich bleiben, wenngleich mit einem ersatzlosen Wegbrechen ganzer Anwendungsbereiche von Werkzeugmaschinen derzeit kaum zu rechnen sei.
Die Emag-Gruppe in Salach, Hersteller von Drehmaschinen, Schleifmaschinen und Bearbeitungszentren, hat diese Problematik ebenfalls im Fokus. Die Frage sei nur: „Wann und in welchem Umfang?“ Für Dieter Kollmar, Geschäftsführer der Emag Gruppen-Vertriebs- und Service GmbH, steht fest, „dass vermehrt verbrauchsarme Antriebskonzepte nachgefragt werden“. Zwar fallen beim Elektroauto große Teile des Antriebsstrangs (Powertrain) weg, „doch bietet uns das auch neue Möglichkeiten im Bereich der rotatorischen Komponenten und der Gehäusefertigung“.
Ein Bild davon, welche neuen Anforderungen das Zukunftsthema E-Mobility an den Werkzeugmaschinenbau stellen wird, kann man sich als Besucher der Metav 2010 in Düsseldorf machen. Die nordrhein-westfälischen Landes-Cluster Produktion NRW, Automotive, Energieforschung, Energiewirtschaft und Nano-Mikro+Werkstoffe wollen aufzeigen, welche Herausforderungen und Möglichkeiten sich daraus für die Unternehmen ergeben und wie sie diese für sich nutzen können.
Darüber hinaus wird die Leistungsfähigkeit von Firmen, Hochschulen und Instituten aus Nordrhein-Westfalen in diesem Zukunftsfeld vorgestellt. Die Cluster stellen dar, wie durch die Vernetzung von Kompetenzen in den einzelnen Clustern erfolgreiche Cross-Innovationen entstehen können.
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