Exzellenzzentrum Automobilproduktion

Symbiose aus Industrie und Wissenschaft ist ein Stück Zukunftssicherung

09.07.2008 | Autor / Redakteur: Dietmar Kuhn / Dietmar Kuhn

VW bietet schon einmal faszinierende Blicke in die Zukunft des Autos: Der leistungsstarke Zweisitzer hat ein ikonisches Exterieur und ein innovatives Interieur-Design. Bild: VW

Die deutsche Automobilindustrie ist eine der wichtigsten Schlüsselindustrien im ressourcenarmen Deutschland. Rechnet man die Folgeindustrien, wie den Maschinenbau, mit ein, dann wäre leicht abzusehen, was aus einem Standort Deutschland würde, wenn es die Autoindustrie nicht gäbe. Innovativ ist die Branche allemal, doch die Diskussionen um Umwelt und Energie zwingen künftig zu noch mehr Höchstleistungen. Da kommt die Gründung des Exzellenzzentrums zwischen der Volkswagen AG und der Fraunhofer-Gesellschaft mit dem IWU (Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik) in Chemnitz) recht.

Klimaschutz und knappe Ressourcen stellen Automobilbauer künftig vor noch größere Herausforderungen. Das Auto der Zukunft darf weniger Energie benötigen – nicht nur das Fahrzeug selbst, sondern bereits bei seiner Entstehung in der Produktion. Dafür braucht man Grips, Ideen und ein wenig Mut. Alles zusammen soll bereits in naher Zukunft im neu gegründeten Exzellenzzentrum Automobilproduktion am Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) in Chemnitz gebündelt werden.

Forschungsfabrik für die Herausforderungen der Zukunft

Der Ort war mit dem Werk der Volkswagen AG in Wolfsburg gut gewählt – Impressionen von Hightech hüllten die zahlreich geladenen Gäste aus Industrie, Wissenschaft und Politik ein. Es war feierlich und der Bedeutung der Veranstaltung gerecht. „Wir gründen diese Forschungsfabrik, der wir den Namen Exzellenzzentrum Automobilproduktion gegeben haben, um mit neuen Technologien die Herausforderungen der Zukunft gestalten zu können“, begrüßte der Hausherr Prof. Jochem Heizmann, Vorstandsmitglied der Volkswagen AG, seine Zuhörer.

Worum es geht, konnte Heizmann auch mit einem einzigen Satz deutlich machen: „Als Unternehmen Volkswagen sind wir uns der Verantwortung für unsere Umwelt bewusst. Das betrifft nicht nur unsere Produkte, sondern auch die Herstellung“, konstatiert das VW-Vorstandsmitglied. Demnach werden von 100% CO2-Emissionen, die durch ein Automobil entstehen, bereits 20% im Produktionszyklus verursacht.

Prof. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft und Partner von Heizmann dokumentiert den Schulterschluss, in dem er sagt: „Wir arbeiten gemeinsam mit Volkswagen an Innovationen, die serientauglich sein werden. Dabei haben wir die gesamte Prozesskette im Blick und erforschen intelligente und effiziente Verfahren.“

Maximale Wertschöpfung mit minimalen Ressourcen

Das dokumentiert Bullinger mit Überzeugung, weil er gerade im produzierenden Gewerbe mittelfristig Energieeinsparungen bis zu 30% sieht. „Das Motto muss lauten“, so der schwäbische Fraunhofer-Präsident, „maximale Wertschöpfung aus minimalen Ressourcen.“

Standort des Exzellenzzentrums Automobilproduktion wird Chemnitz sein und von der Fraunhofer IWU-Foschungsfabrik betrieben. „Die Forschungsfabrik“, erklärte Prof. Reimund Neugebauer, als Leiter des IWU und Kenner der Szene, „ist mehr als ein Raum reiner Forschungstätigkeit. Mit der Gebäudeausstattung, den Energie-, Informations- und Materialflüssen sowie der Steuerungs- und Regeltechnik ist sie selbst Gegenstand der Forschung.“

So wird wohl die künftige Zusammenarbeit zu nachhaltigen Produktionslösungen führen. Denn die langfristig angelegte strategische Kooperation hat eine Vielzahl an innovativen Forschungsthemen zur ressourceneffizienten Produktion zum Ziel.

Forscher können Karosserieproduktion abbilden

So wird das geplante Forschungszentrum etwa die wesentlichen Fertigungseinheiten einer Karosserieproduktion abbilden. Experten haben in Chemnitz die Möglichkeiten, neue Herstellungsverfahren bis hin zur Serienreife in Produktionsstraßen zu testen und schrittweise vor dem Alltagseinsatz in der Fabrik zu verbessern.

Den etwa 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die im neuen Exzellenzzentrum forschen, stehen ein moderner Werkzeugbau mit aktueller Fertigungstechnik, ein Presswerk mit servo-hydraulischer Presse der neuesten Generation sowie ein Karosseriebau mit einem im VW-Konzern standardisierten so genannten Framer, der die Geometrie bestimmender Seitenteilkomponenten einer Karosse mit der Bodengruppe verbindet, zur Verfügung. Der Aufbau von industrietauglichen Originalbetriebsmitteln erlaubt VW und IWU die Übertragung auf die Großserienprozesse.

Zulieferer dürfen mitforschen

Freuen dürfen sich auch viele der VW-Zulieferer. Denn wie Heizmann dokumentiert „wollen wir auch einige, die Fahrzeugproduktion tangierende Forschungsvorhaben mit unseren innovationsstarken Zulieferern gemeinsam vorantreiben.“

Als Startfinanzierung für den Bau des Exzellenzzentrums Automobilproduktion am IWU in Chemnitz spendiert die Fraunhofer-Gesellschaft rund 20 Mio. Euro. Der Partner Volkswagen AG schießt jährlich etwa 2 Mio. Euro zu, die in Form von Personal- und Sachmitteln zur Verfügung gestellt werden.

Das Exzellenzzentrum Automobilproduktion steht als hervorragendes Beispiel für die Standortsicherung in Deutschland. Es gibt sicherlich noch eine Reihe anderer Branchen, die es wert wären, etwas ähnliches auf die Beine zu stellen. Damit könnten einerseits Schlüsselindustrien gesichert und andererseits auch die eine oder andere Produktion wieder nach Deutschland zurückgeholt werden.

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 262113) | Archiv: Vogel Business Media

Hersteller und Lieferanten

weil engineering gmbh

79379 Müllheim | Deutschland

Firmenprofil

RAS Reinhardt Maschinenbau GmbH

71065 Sindelfingen | Deutschland

Firmenprofil