Stanzmaschinen und -werkzeuge

Pressen

Pressensystem arbeitet universell und anwendungsflexibel

31.10.2007 | Autor: Guido König

Wer für Produktions- und Montagearbeiten nur reine Presskraft benötigt, dürfte am Markt schnell fündig werden. Wer aber ein anwendungsflexibles und universell einsetzbares Pressensystem sucht, das trotz Mehrleistungen nicht gleich den Investitionsrahmen sprengt, der muss schon etwas genauer hinschauen. Angebote dafür gibt es allemal.


Universal-Pressensystem Tox-PCG als wichtige Einheit eines Qualitäts-Fertigungssystems bei der Fritz Schiess AG. Bilder: Tox/Schiess
Universal-Pressensystem Tox-PCG als wichtige Einheit eines Qualitäts-Fertigungssystems bei der Fritz Schiess AG. Bilder: Tox/Schiess
Grundsätzlich gelten die mitteleuropäischen Hersteller und Zulieferer von mechanischen oder mechatronischen Komponenten, Baugruppen und Komplettgeräten als relativ anspruchsvolle Klientel, wenn es um die Ausrüstung mit Maschinen, Vorrichtungen und Werkzeugen geht. Die Gründe dafür sind vielfach. Zum einen gibt es bei den Herstellern und deren Endkunden ein ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein. Zum anderen stehen mitteleuropäische Produzenten und damit die Zulieferer unter einem hohen Preis- und Termindruck, der wegen der Globalisierung in der Produktion ständig zunimmt.

Produktionseinrichtungen müssen Kunden wettbewerbsfähig halten

Folglich gilt es, durch einen Mix aus Technologieeinsatz, Wissen, Kreativität, qualifizierten Fachkräften und leistungsfähigem Equipment, die Wettbewerbskraft hochzuhalten beziehungsweise nachhaltig zu unterstützen. Wie dies, in Verbindung mit angepassten Produktionseinrichtungen, dauerhaft zum Erfolg führen kann, verdeutlicht das Unternehmen Fritz Schiess AG Feinschnitt-Stanzwerk in Lichtensteig, Schweiz.


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Der Arbeitsbereich des PCG-Pressensystems; von links werden per Roboter die Werkstücke zugeführt und in das Biegewerkzeug eingelegt, von rechts holt ein weiterer Roboter die fertigen Präzisionsteile aus dem Werkzeug und legt sie ab. Aktuell gefertigte Feinschneid-Präzisions-Prägeteile, die auf der PCG-Presse endgültig geformt werden. Christian Lippuner (li), zuständig für die Arbeitsvorbereitung und Produktionsausrüstungen bei der Fritz Schiess AG und Dipl.-Ing. Fritz Schiess, Geschäftsleiter und Inhaber der Fritz Schiess AG: „Das Pressensystem von Tox lässt sich schnell und einfach umrüsten; das machen wir einmal am Tag oder auch zwei- bis dreimal die Woche.“
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Von Fritz Schiess-Forrer im Jahr 1920 auf der Grundlage des damals revolutionären Feinschneid-Verfahrens gegründet, hat sich daraus bis heute ein Feinschneidteile-Produktionswerk mit 170 Beschäftigten entwickelt. Nach wie vor befasst man sich mit Entwicklung und Produktion von hochwertigen Feinschneidteilen und liefert hiervon Serien ab 500 und bis Mio. Stück in die ganze Welt.

Die heutige dritte Generation, vertreten durch Dipl.-Ing. Fritz Schiess, sieht sich natürlich mit ganz anderen Markt-Bedingungen konfrontiert, und doch blieb das Unternehmen in all den Jahren seiner Philosophie des „am Besten Selbermachen“ treu. Laut Fritz Schiess ist nämlich ein großer Anteil am Erfolg vor allem darauf zurückzuführen, dass man nicht nur die Feinschneid-Technologie in all ihren Facetten beherrscht, sondern auch die Werkzeuge und über lange Zeit hinweg sogar die Feinschneid-Pressensysteme komplett im eigenen Haus konstruiert und gebaut hat und bis auf die Pressen nach wie vor baut.

Pressensystem für Blechteile-Bearbeitung gesucht

Aus guten Gründen hielt Schiess aber jetzt auch Ausschau nach einem alternativen Pressensystem für die weitere Blechteile-Bearbeitung. Dazu erläuterte Fritz Schiess: „Wir haben jährlich etwa 2000 unterschiedliche Teile in allen Stückzahlen zu fertigen. Dies geschieht je nach benötigter Teileanzahl und Kapazität der Pressen und Maschinen im 1-, 2- oder an Schlüsselstellen sogar im 3-Schichtbetrieb. Wir schleusen jedes Jahr so an die 3000 Tonnen Stähle, Rostfrei-Materialien und NE-Metalle durch und müssen unsere Kunden JIT-orientiert (JIT = Just in Time) absolut termingerecht beliefern. Das geht nicht ohne hoch leistungsfähige und permanent verfügbare Feinschneid-Pressen, zusätzliche Pressensysteme für die Weiter- und Fertigbearbeitung von Blechteilen und spezielle Maschinen, von denen wir im Schichtbetrieb schon sehr viel verlangen. Deshalb haben wir bis vor 10 Jahren auch unsere Feinschneid-Pressen komplett selbst gebaut, konzentrieren uns heute aber auf Werkzeuge, Vorrichtungen und weitere Ausrüstungen für die rationelle Fertigung der Kundenteile“.

Als nun aus Altersgründen die Ersatzbeschaffung für eine konventionelle Exzenterpresse zur weiteren Bearbeitung von Feinschneidteilen anstand, galt es einen Pressenlieferanten und geeignete Pressensysteme zu finden, die den hohen Ansprüchen der Fritz Schiess AG und deren Mitarbeitern entsprechen.

Christian Lippuner, im Unternehmen unter anderem für die Arbeitsvorbereitung (Avor) und die Produktionseinrichtungen zuständig, stellte hierzu klar: „Wir haben uns auf dem Markt umgeschaut und zunächst das eine oder andere Modell angesehen. Doch irgendwie waren wir nicht so ganz überzeugt und haben uns deshalb weitergehend informiert. So trafen wir – sozusagen kurz vor Torschluss – an einer Metall-Fachmesse auf die Pressen der Firma Tox Pressotechnik und waren davon recht angetan. Wir formulierten Forderungen und Wünsche und die Anwendungstechniker von gingen darauf ein. Wir suchten eine Presse für begleitende Arbeiten um das Feinschneiden, wie zum Beispiel Biegen, Prägen und Umformen, und erhielten schließlich, auf der Basis des Tox-Pressen-Baukastens, ein speziell auf unsere Bedürfnisse angepasstes Pressensystem für den flexiblen Produktionseinsatz“.

Universal-Pressensystem mit vergrößertem Pressentisch

Das heute im Einsatz befindliche Universal-Pressensystem besteht aus einer C-Gestell-Presse vom Typ PCG für maximal 150 kN Belastbarkeit, ausgeführt in schlanker und kompakter sowie hochstabiler Bauweise. Da eine zentrale Forderung von Schiess darin bestand, bestehende Werkzeuge aufnehmen und Zusatzfunktionen integrieren zu können, wurde der Pressentisch auf 496 × 546 × 96 mm (L x B x H) vergrößert und auch die Ausladung auf 320 mm erweitert.

Als Ersatz für die Exzenterpresse, die außerdem mit einem Tellerfeder-gestützten Ziehkissen ausgerüstet war, wurde die C-Gestell-Presse PCG mit zwei getrennt anzusteuernden Presskraft-Antrieben versehen. Für den Stößelantrieb mit 300 mm Hub und davon 40 mm Krafthub ist ein leistungsfähiger pneumohydraulischer Tox-Kraftpaket-Zylinder KWE 30.300.40 eingebaut, der bei 10 bar Luftdruck bis zu 300 kN Presskraft aufbringt und somit genügend Reserven bietet.

Als Gegendruck-/Ziehkissen-Antriebseinheit ist ebenfalls ein Kraftpaket-Zylinder installiert, allerdings die Bauform KT 05.0228 mit 50 mm Gesamthub, der gleichzeitig auch den nutzbaren Krafthub (50 mm) darstellt. Der KT-Antriebszylinder entwickelt bei 6 bar Luftdruck eine maximale Presskraft von 43 kN. Da beim KT-System der Zylinder und der Druckkraft-Übersetzer getrennt anzuordnen sind, fanden sowohl der Übersetzer als auch weitere Aggregate problemlos im unteren Teil des Pressengestells Platz.

Umfangreiches Zubehör im Lieferumfang enthalten

Zum weiteren Lieferumfang gehörten dann noch eine T-Nut mit Zentrumsbohrung im Pressentisch, Wechselteile für die Ziehkissen-Funktion, Positionsgeber und Kraftaufnehmer zur Hubabfrage, Überwachung und Steuerung, eine Werkzeugaufnahme, die Schutzhaube, eine elektrische Zweihand-Sicherheitssteuerung und die SPS für die Pressenfunktionen. Wie eingangs schon erwähnt, sind die Ansprüche der Kunden wie des Feinschneidteile-Lieferanten Schiess sehr hoch, weshalb die Presse zusätzlich mit einer Standard-Einpressüberwachung Tox-EPW ausgerüstet wurde. Damit ist es möglich, alle Prozesse, bei denen exakt definierte funktionelle Zusammenhänge zwischen zwei Messgrößen nachgewiesen werden müssen, lückenlos zu überwachen: Einpress- ,Füge-, Dreh- oder Schwenkvorgänge und dies in Form von Kraftweg-, Drehmoment- oder Winkel-Verläufen und dergleichen mehr.

Bis zu 100 Messprogrammsätze speicherbar

Es lassen sich in bis zu 100 verschiedenen Messprogrammsätzen unterschiedlichste Werkstücke-Typen speichern und jederzeit abrufen. In Kombination mit der Pressensteuerung hat dies den Vorteil, dass bei Umrüstungen keine langen Stillstandzeiten entstehen und lediglich die Werkzeuge und Werkstückaufnahmen gewechselt werden müssen.

Abschliessend sagt Fritz Schiess: „Je nach Auftrag rüsten wir die Presse einmal am Tag oder auch 2 bis 3 mal pro Woche um. Das geht sehr schnell und inklusive des Programmwechsels absolut problemlos vonstatten. Wir sind mit dem Pressensystem von Tox Pressotechnik für die universell flexible Blechteile-Bearbeitung sehr zufrieden und planen den Einsatz weiterer solcher Pressen. Was uns jedoch besonders beeindruckte, waren einerseits die Kundennähe und die Offenheit gegenüber unseren Wünschen. Des Weiteren liess sich das Pressensystem trotz der Zusatzforderungen weitgehend und damit relativ kostengünstig aus dem Tox-Standard-Pressen-Baukasten realisieren. Zu guter Letzt konnte das Pressensystem trotz des mittlerweile hohen Zeitdrucks schnell geliefert werden, so dass wir keine Liefer-Unterbrechung mangels Produktionstechnik-Alternative zu verzeichnen hatten“.

Redakteur: Dietmar Kuhn

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