Automatisierte Lackierung 16 Roboter für hochautomatisierte Lackiererei

Autor / Redakteur: Kristin Roth / M.A. Frauke Finus

Der Luft- und Raumfahrtkonzern Turkish Aerospace errichtet derzeit eine der modernsten Produktionen in der Luftfahrtindustrie. 16 Roboter von Dürr werden in zwei Lackieranlagen zukünftig mehr als 50 unterschiedliche Bauteile hochautomatisiert beschichten.

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3D-Simulation: Lackierroboter der Serie Eco RP von Dürr werden zukünftig bei Turkish Aerospace mehr als 50 unterschiedliche Flugzeugbauteile automatisiert lackieren.
3D-Simulation: Lackierroboter der Serie Eco RP von Dürr werden zukünftig bei Turkish Aerospace mehr als 50 unterschiedliche Flugzeugbauteile automatisiert lackieren.
(Bild: Dürr)

In der Flugzeugproduktion ist vieles noch Handarbeit. Bis zu 95 Prozent aller Komponenten werden bislang manuell beschichtet. Das wird Turkish Aerospace Industries mit seinen neuen hochautomatisierten Lackieranlagen ändern. In den beiden neuen Lackieranlagen wird Turkish Aerospace als Zulieferer für Airbus und Boeing eine hohe Stückzahl an verschiedenen Bauteilen fertigen.

Höchste Anforderungen an die Beschichtung

Frostige minus 60 ºC in großer Flughöhe, heiße plus 60 ºC bei der Landung in einer Wüste: Temperatur und Witterung stellen hohe funktionale und sicherheitsrelevante Anforderungen an Beschichtungen in der Flugzeugindustrie. Hinzu kommt die Optik, denn die Farbgebung trägt maßgeblich zum Wiedererkennungswert eines Flugzeugs bei. Das von Turkish Aerospace vorgegebene Spektrum an Stammlacken, Härtern und Verdünnern ist sehr umfangreich und benötigt eine aufwendige Farbversorgung. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, hat Dürr sein bewährtes System für wasser- und lösemittelbasierte Zweikomponenten-Lacke aus der serienmäßigen Automobillackierung erweitert. Das System bei Turkish Aerospace dosiert und mischt alle drei benötigten Komponenten, sodass die nicht-kompatiblen wasser- und lösemittelbasierten Lacke direkt auf dem Roboter verarbeitet werden, ohne miteinander in Kontakt zu kommen. Nie zuvor wurde eine derart aufwendige Dosier- und Mischtechnik so nah an den Zerstäubern angebracht. Das minimiert die Lack- und Lösemittelverluste bei Farbwechseln und spart dabei außerdem Zeit.

Die eingesetzten Eco-Gun-Lackierpistolen sind sehr präzise und mit einer hohen Flächenleistung auch dafür prädestiniert, Großbauteile wie Rumpfsegmente oder bis zu 10 m lange Flügelkomponenten zu lackieren. Im Vergleich zur manuellen Beschichtung geht das schneller, in höherer Qualität und mit weniger Overspray. In den vollautomatisierten Lackierkabinen kann mit Umluft gefahren werden. Das spart die Energie ein, die ansonsten für die Frischluftkonditionierung erforderlich wäre.

Programmierung mit DXQ-Software

In zwei Neubauten auf dem Gelände von Turkish Aerospace in Ankara werden 16 Eco RP E133 Lackierroboter stehen, die über DXQ3D.onsite programmiert werden. Die Dürr-Software ist der universelle Werkzeugkoffer, mit dem Bediener die Prozessparameter und Roboterbahnen der Applikationsroboter konfigurieren können. Genau erfasst werden auch spezifische Verbrauchsdaten von Lacken, Lösemitteln, Energie und Luft, sodass Turkish Aerospace sie zukünftig den einzelnen Bauteilen zuordnen kann. Mit diesen Daten lassen sich Fertigungsprozesse optimieren. Die Datenerfassung ist zudem wichtig, um den hohen Sicherheitsanforderungen in der Flugzeugindustrie gerecht zu werden. DXQ3D.onsite kann später um zusätzliche Module wie das Tool DXQequipment.maintenance für Wartungsaufgaben, erweitert werden.

Kooperation mit Generalunternehmer

Generalunternehmer für den Neubau der beiden Lackieranlagen ist der türkische Anlagenbauer VIG Makina, der mit rund 400 Mitarbeitern im Bereich Aluminiumfertigung und Beschichtung tätig ist und branchenübergreifend einen ausgezeichneten Ruf besitzt. „Wir sind sehr stolz, dieses Pilotprojekt für die Luftfahrtindustrie mit VIG Makina zu realisieren. Mit unseren Lackierrobotern, der Applikationstechnik und Farbversorgung treiben wir die Automatisierung in der Luftfahrtindustrie maßgeblich voran“, sagt Sabine Mewis, Key Account Managerin für die Luftfahrtindustrie bei Dürr.

„Mit Dürr haben wir uns bewusst für den führenden Applikations-Hersteller als Systemlieferanten entschieden. Überzeugt hat uns das innovative und maßgeschneiderte Konzept für diese besondere Aufgabenstellung. Die Zusammenarbeit mit Dürr zeichnet sich durch die termingerechte Abstimmung und die professionelle Integration der Lieferumfänge aus“, erklärt Vedat Güngören, Vorstandsvorsitzender bei VIG Makina. „Neue Maßstäbe bei der automatischen Oberflächenbeschichtung in der Luftfahrtindustrie zu setzen, ist unser gemeinsames Ziel, wobei die punktgenaue Fertigstellung und die vollständige Kundenzufriedenheit uns vorrangig antreibt“, hebt Vedat Güngören hervor.