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Zulieferer

Analyse der Beziehungen zu Zulieferern kann das Wettbewerbspotenzial erhöhen

| Autor/ Redakteur: Detlef Harting /

Die Zunahme der globalen Unternehmensaktivitäten macht ganz neue strategische Optionen notwendig. Globalisierung bedeutet, dass das Marketing die Welt als einen einzigen Markt betrachten soll, auf dem entsprechend große Produktionsvolumina organisiert – vertrieben und beschafft – werden müssen, dies konkurrenzlos preiswert in bester Qualität.

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Lieferanten-Wertanalyse. Bild: Verfasser
Lieferanten-Wertanalyse. Bild: Verfasser
( Archiv: Vogel Business Media )

Parallel zur Globalisierung entwickeln sich fortlaufend neue Beschaffungsmärkte mit vielversprechenden Potenzialen. Die globale Beschaffung ist der entscheidende Werttreiber im Einkauf, um signifikante Kostensenkungsmöglichkeiten zu entwickeln und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Die Chancen der globalen Beschaffung sind jedoch mit Risiken verbunden.

Zulieferer verursachen die meisten Qualitätsprobleme

Nahezu drei Viertel aller Qualitätsprobleme resultieren aus mangelhafter Zulieferqualität, so dass die anfängliche Euphorie um niedrige Einstandpreise bei vielen Unternehmen in Resignation umgeschlagen ist. Bei der Entscheidung für einen Beschaffungsmarkt beziehungseise einen Lieferanten sind Qualität und Liefertreue nicht zu vernachlässigende Größen, so dass ein neues Bewusstsein des Wettbewerbsfaktors Qualität wieder erkannt oder entstanden ist.

Während die Beschaffung aus den USA, Kanada und Japan sowie weiteren typischen Industrieländern primär durch logistische Probleme und Währungsrisiken geprägt ist, stellt die Beschaffung aus Schwellenländern Unternehmen vor ungleich größere Herausforderungen. Dort gestalten sich bereits die Analyse des Beschaffungslandes und das Auffinden geeigneter Qualitätsanbieter aufwendig.

Qualität rückt beim Sourcing in den Vordergrund

Global Sourcing ist mehr als die kostengünstige Sicherstellung der Versorgung des Unternehmens mit Gütern und Dienstleistungen, es hat vielmehr die Aufgabe, ein nachhaltig wettbewerbsfähiges Wertschöpfungsnetzwerk auf der Versorgungsseite zu planen, zu nutzen und zu steuern. Ein qualitätsorientiertes Management dieses Netzwerkes und der gesamten Wertschöpfungskette trägt in erheblichem Umfang zum Unternehmenserfolg bei.

Und das ist der Kerngedanke des Quality Sourcing. Quality Sourcing (QS) umfasst die Auswahl der weltweit besten Lieferanten und Dienstleister, die qualitätsorientierte Steuerung der Wertschöpfungskette mit den modernsten Werkzeugen, das sorgfältige Management der Schnittstellen in Beschaffung und Logistik und die Verwendung von Standards für Kommunikation. QS ist der einzige Weg, um Qualitätsschwankungen zu verhindern, welche die Kunden nicht nur irritieren, sondern auch deren Vertrauen enttäuschen.

QS ist nicht eine Methode, mit der man bisherige Werte einfach genauer und schneller ermitteln oder quantifizieren kann. QS ist Teil einer Unternehmenskultur mit den Eigenschaften Veränderung, Selbstinitiative, Lernen und Partnerschaft. Zahlreiche Unternehmen haben in den vergangenen Jahren feststellen müssen, dass ihre im europäischen Raum erfolgreiche und bewährte Lieferantenstrategie sich nicht einfach auf Beschaffungsmärkte wie China, Indien oder Ost-Europa übertragen lässt. Mit dem Konzept des QS wird verstärkt auch konzeptionell den besonderen Anforderungen dieser Märkte Rechnung getragen.

Lieferanten stehen im Mittelpunkt des Quality Sourcing

Im Mittelpunkt des QS stehen die Lieferanten, deren Güter und Leistungsprozesse die Beschaffenheit der Endprodukte sowie die Komplexität der Lieferanten-Abnehmer-Beziehung maßgeblich beeinflussen. Als zentraler Gegenstand des QS lässt sich also die effektive und effiziente Gestaltung, Lenkung und Entwicklung der Lieferantenbasis und der Lieferantenbeziehung eines Unternehmens ausmachen. Effektivität ist ein Maß für die Wirksamkeit dieser Handlungen und gibt die Zielerreichung oder den Zielerreichungsgrad an. Effizienz ist ein Maß für den Wirkungsgrad und drückt die Wirtschaftlichkeit der Zielerreichung aus.

Der Zusammenhang ist wie folgt: Es gibt Unternehmen, die eine richtige Sache falsch beschaffen (das heißt, sie sind zwar effektiv, aber ineffizient, jedoch erfolgreicher sein können als Unternehmen, die zwar effizient, aber ineffektiv beschaffen. Die daraus resultierenden Kernaufgaben des QS bestehen in der Lieferantenauswahl, der Festlegung der Lieferantenstrategie, der Lieferantenbewertung sowie der Lieferantenkontrolle und -förderung (Bild).

Gestaltungsparameter des Sourcings ist die Qualitätssicherung

Der wesentlichste Gestaltungsparameter des QS ist die zwischenbetriebliche Qualitätssicherung; sie besteht darin, in Kooperation mit den Lieferanten das Erreichen der Qualitätsanforderungen zu sichern. Ist es bei der Vorratsbeschaffung noch möglich, die Lieferteile vor der Fertigung einer ausführlichen Qualitätsprüfung zu unterziehen, ist das im Fall einer direkten zeitnahen Anlieferung nicht mehr realisierbar.

QS ist, wie eingangs gesagt, die systematische Suche nach den Lieferantenbeziehungen, die am besten der Unternehmenszielsetzung entsprechen. Ein Instrument, mit dem man sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfragerseite wirtschaftliche und wettbewerbswirksame Vorteile für beide Partner erreichen kann, ist die Lieferanten-Wertanalyse.

Lieferanten-Wertanalyse verbessert Abstimmung mit Zulieferern

Die Lieferanten-Wertanalyse als ein umfassendes System der Zuliefer-Abnehmer-Beziehung hilft, eine bessere Abstimmung zwischen den unternehmenseigenen Kompetenzen und den wertschöpfenden Tätigkeiten, sowohl von Kunden als auch von Zulieferern, zu erreichen. Die Lieferanten-Wertanalyse ist die systematische Analyse von Zulieferbeziehungen mit dem Ziel, eine abgestimmte Lieferantenerziehung, -entwicklung, -förderung und -pflege in Richtung einer Wettbewerbspotenzialerhöhung für Abnehmer und Zulieferer zu erreichen.

Die Auswahl der Lieferanten erfolgt produktabhängig, nachdem mögliche Lieferanten ihre Qualitätsfähigkeit nachweisen konnten. Der Nachweis der Qualitätsfähigkeit wird durch Audits des Qualitätssicherungssystems der möglichen Lieferanten und Audits der zu bestellenden Produkte erbracht. Hat man nun einen potenziellen Lieferanten ausgewählt, so ergeht an ihn die genau spezifizierte Bestellung.

Genaue Kontrolle der eingehenden Waren

Mit dem Eintreffen der Lieferung in den Wareneingang des Bestellers werden dann Produktqualität und Leistung (Service, Liefertreue, Preis und so weiter) gemessen. Abweichungen von den Forderungen des Bestellers oder von der festgesetzten Annahmevorschrift haben eine Rückweisung des Lieferpostens oder auch nur der fehlerhaften Produkte zur Folge.

Mit der Lieferantenbewertung werden einerseits die Leistungen der Lieferanten untereinander verglichen und andererseits wird die Entwicklung eines jeden einzelnen Lieferanten aufgezeigt. Die Lieferantenbewertung führt zu einer rangmäßig angeordneten Auswahl derjenigen Lieferanten, die den vom Bewerter aufgestellten Zielsetzungen am ehesten entsprechen. Es wird eine Lieferanten-Kennzahl errechnet, die in dem Lieferanten-Kontrollsystem dargestellt wird und einen Handlungsbedarf erkennen lassen soll.

Zuverlässigkeit des Zulieferers wird ständig kontrolliert

Die Lieferantenkontrolle soll die Zuverlässigkeit der Lieferanten über den Zeitraum der Lieferbeziehungen ständig „kontrollieren“ und Abweichungen von der einmal errechneten Kenngröße in einen negativen Bereich aufzeigen, um rechtzeitig gegensteuern und auch Lieferantenerziehung anwenden zu können. Letztendlich stehen beim Quality-Sourcing-Ansatz zwar wiederum die Kosten im Mittelpunkt, jedoch repräsentiert er eine langfristige und ganzheitliche Sichtweise, die im Gegensatz zum oft aktionistischen und kurzfristigen Handeln der Billigbeschaffung dauerhaft zum Unternehmenserfolg beitragen kann.

Ein von Beginn an konsequent umgesetztes Qualitätsmanagement entlang der kompletten Wertschöpfungskette garantiert eine gleich bleibend hohe Qualität und damit Kundenzufriedenheit. Ein weiterer bedeutender Grund für die beschaffungsseitige Erschließung neuer Ländermärkte ist die Erkundung der Lieferantenbasis eines Landes mit der Absicht, qualitätsorientierte Beschaffung in Best Cost Countries für eine Produktion vor Ort zu nutzen.

Eine systematische Vorgehensweise bei der Beschaffungsmarkt- und Lieferantenauswahl hilft, die Potenziale konsequent zu erschließen und die entstehenden Risiken deutlich zu reduzieren. Schließlich soll am Ende des Prozesses derjenige Lieferant identifiziert werden, der nicht nur die Qualitätsanforderungen erfüllt, sondern diese Qualität auch so bereitstellen kann, dass er im Rahmen einer Gesamtkostenbetrachtung zum Unternehmenserfolg in optimaler Weise beiträgt. MM

Dipl.-Kfm., Dipl.-Ing. Detlef Harting lebt als Fachjournalist in 45259 Essen, Tel. (02 01) 46 59 58

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