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Interview

Aufträge aus China mitnehmen und trotzdem diversifizieren

| Redakteur: Peter Steinmüller

Prof. Dr. Michael Hüther, Präsident des IW Köln, erklärt im Interview mit MM Maschinenmarkt, warum er von einem stabilen Aufschwung überzeugt ist und wie die deutsche Industrie ihre Vorrangstellung auf dem Weltmarkt behaupten kann. Im nächsten Tarifvertrag möchte er eine Erfolgsbeteiligung verankert sehen.

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„Die deutschen Unternehmen hätten nicht so eine starke Nachfrage bewältigen können, wenn sie zu häufig falsch entschieden hätten“, argumentiert Prof. Dr. Michael Hüther vom IW Köln. (Bild: IW Köln)
„Die deutschen Unternehmen hätten nicht so eine starke Nachfrage bewältigen können, wenn sie zu häufig falsch entschieden hätten“, argumentiert Prof. Dr. Michael Hüther vom IW Köln. (Bild: IW Köln)

Herr Professor Hüther, dieses Jahr wird der deutsche Export voraussichtlich zum ersten Mal die Marke von einer Billion Euro überspringen. Angesichts der bekannten Risiken wie der labilen Finanzmärkte und der Rohstoffverteuerung: Wie nachhaltig ist diese Entwicklung?

Hüther: Zunächst einmal macht sie deutlich, dass die Konjunkturerholung von den Schwellenländern getragen wird, die den deutschen Export mit nach vorne ziehen. Dieses Wachstum ist aber auf kurze Sicht nicht gefährdet, weil in diesen Staaten langfristige Aufgaben wie die Bewältigung der Urbanisierung und des demografischen Wandels, des Infrastrukturaufbaus und der Ressourcenschonung auf der Tagesordnung bleiben. Zwar gibt es Risiken, sie stellen die Bedingungen für den Aufschwung aber nicht grundsätzlich in Frage.

Damit bleiben der Bedarf an Rohstoffen und damit ihre Preise auf Dauer hoch. Die Preiseinbrüche an den Rohstoffmärkten korrigierten lediglich spekulative Übertreibungen. Der zugrunde liegende Trend zeigt nach oben.

Nach dem Einbruch von 2008 meinten einige Experten, die deutschen Unternehmen hätten ihre Kapazitäten nicht so kräftig ausweiten dürfen, weil ein Ende des Booms vorherzusehen gewesen sei. Können wir daraus aktuell Lehren ziehen?

Hüther: Die deutschen Unternehmen gehen mit Investitionen vergleichsweise verantwortungsbewusst um. Sie ziehen Vorteile aus den Flexibilisierungsinstrumenten wie Arbeitszeitkonten oder Leiharbeit, die Mitte des vergangenen Jahrzehnts eingeführt wurden. Als Ergebnis bleibt die Beschäftigung nicht nur robust, sondern sie steigt deutlich wieder an, auch in den Stammbelegschaften.

Die deutsche Wirtschaft ist in der Summe gut für die globalen Märkte aufgestellt. Ich sehe deshalb keine übertriebene Investitionsbereitschaft. Wir sehen ja an der schnellen Konjunkturerholung und der raschen Kapazitätsauslastung, dass die Krise eine Wachstumspause war und keinesfalls Ausdruck einer globalen Überinvestition.

China wird vorausichtlich in diesem Jahr zum zweitwichtigsten Handelspartner Deutschlands aufsteigen. Mancher Branchenvertreter fürchtet eine zu starke Abhängigkeit. Hat die deutsche Industrie zu viele Eier in einem Korb?

Hüther: Es stellt sich immer die Frage, ob man Geschäfte, die man machen kann, auch machen sollte. Natürlich ist es richtig, dass ein Unternehmen seine Absatzmärkte möglichst diversifizieren sollte. Es wäre sicher unklug, die Kapazitäten proportional hochzufahren, wenn die Dynamik nur aus einer einzigen Quelle stammt.

Die Strategie muss vielmehr lauten, die Aufträge mitzunehmen und trotzdem zu diversifizieren. Dabei sind Unternehmen sicherlich unterschiedlich erfolgreich. Aber sie hätten in den vergangenen zehn Jahren nicht so eine starke Nachfrage bewältigen können, wenn sie zu häufig falsch entschieden hätten.

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