Mobile Sparfüchse Autobauer scheffeln wegen Sparmaßnahmen Milliarden

Autor / Redakteur: dpa / Peter Königsreuther

Dpa meldet, dass sich die Autobauer gut aus der Coronakrise laviert haben. Personalabbau und Einstellungsstopps sorgen demnach für ein ordentliches Plus, trotz aller vorherigen Unkenrufe.

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Erst vermeintliches K.O. durch Corona, jetzt satte Milliardengewinne? Sparmaßnahmen, wie Einstellungsstopps und Personalabbau, sind laut einer dpa-Meldung die Erklärung. Hier Karosserieschweißen im Mercedes-Benz-Werk bei Moskau.
Erst vermeintliches K.O. durch Corona, jetzt satte Milliardengewinne? Sparmaßnahmen, wie Einstellungsstopps und Personalabbau, sind laut einer dpa-Meldung die Erklärung. Hier Karosserieschweißen im Mercedes-Benz-Werk bei Moskau.
(Bild: dpa-infocom / S. Bobylev / Tass)

Die deutschen Autobauer melden Milliardengewinne, obwohl es vor einiger Zeit noch trüb aussah. Wie Experten analysiert haben, soll sich das auch durch die in der Coronakrise aufgelegten Sparmaßnahmen erklären lassen. Denn im letzten Jahr haben die meisten Unternehmen mit einem Personalabbau oder strikten Einstellungsstopps auf den zeitweisen Nachfrageeinbruch im Autosektor reagiert, wie Stefan Reindl, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen, anmerkt. Das zahle sich jetzt sprichwörtlich aus. Die Effektivität dieser Sparmaßnahmen offenbare sich jetzt, in einer Phase, in der der Markt wieder deutlich anziehe. Denn obwohl die Branche zurzeit noch mit einem Halbleiterengpass kämpft, sind nicht nur die Gewinne von Volkswagen und Daimler überraschend hoch ausgefallen.

Corona für geplante Umstrukturierung genutzt

Volkswagen hatte zuletzt einen üppigen Betriebsgewinn von rund 11 Milliarden Euro für das erste Halbjahr vermeldet, Daimler war mit einem operativen Überschuss von 5,2 Milliarden Euro allein im zweiten Quartal zwischen April und Juni gesegnet. Daten zu den Nettogewinnen sollen noch veröffentlicht werden, heißt es.

Die Coronakrise, so Reindl, wurde von der Branche gezielt genutzt. So habe es ohnehin geplante Umstrukturierungen gegeben, die wegen der Transformation von Verbrennungsmotoren hin zur Elektromobilität nun schneller als eigentlich geplant durchgezogen werden. Die Maßnahmen, die zu Beginn der Pandemie getroffen wurden, sind also nicht wahllos, sondern durchaus nachhaltig, meint Reindl.

Gewerkschaften akzeptierten das schon vorher

Bei Daimler hatte der Konzernchef Ola Källenius ein schon geplantes Sparprogramm 2020 forciert und ausgebaut. Bis zu 20.000 Stellen sollen Berichten zufolge auf diesem Weg verschwinden. Genaueres ist nicht zu erfahren, so dpa.

Bei BMW wurde der Abbau von 6.000 Arbeitsplätzen bestätigt. Und Volkswagen hatte in der Krise unter anderem einen strikten Neueinstellungsstopp verkündet. Gewerkschaften und Betriebsräte hätten das auch unter dem Eindruck der Krise, mit anhaltender Kurzarbeit und teils tiefroten Zahlen, durchaus akzeptiert.

Die Cash-Cows werden bevorzugt behandelt

Ob die Konzerne das hohe Gewinnniveau auch im Rest des Jahres halten können, sei aber nicht automatisch ausgemacht, betont Reindl. Denn der schwächelnde Halbleitermarkt, werde auch einen deutlich negativen Einfluss auf die Gewinne haben, wenn sich der Mangel noch verschärfe. Zugleich seien erneute Lockdowns nicht ausgeschlossen. Passiere davon nichts, so gehe aber es weiter aufwärts.

Der weltweite Mangel an wichtigen elektronischen Bauteilen, die wahrscheinlich noch Monate andauert, bekämpft man übrigens zurzeit damit, dass man die gewinnbringendsten Modelle bevorzugt mit den knappen Teilen bestückt, so Reindl. Die Gewinnmarge bleibe auch deshalb vergleichsweise hoch.

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