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Biegemaschinenbauer setzt auf klare Softwareprozesse

| Autor/ Redakteur: Karl Obermann / Stéphane Itasse

Ein Schwenkbiegemaschinen-Hersteller offeriert seinen Kunden nicht nur Systeme für komplette Prozesse in der Blechbearbeitung. Das Unternehmen lebt diese Philosophie auch selbst in seinen eigenen Werken vor.

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Das RAS-Multibend- Center ist ein hochautomatisiertes Blechbiegezentrum, hier als CAD-Modell.
Das RAS-Multibend- Center ist ein hochautomatisiertes Blechbiegezentrum, hier als CAD-Modell.
( Bild: RAS Reinhardt )

Blech ist ein fragiler Werkstoff. Durch Biegen, Formen oder Verstärken kann daraus jedoch ein sehr spannendes Material werden. Zur Bearbeitung dienen heute Zentren, bestehend aus Mechanik, Elektrik und Software. Einer der Anbieter in diesem Umfeld Schneiden, Biegen, Formen ist die RAS Reinhardt Maschinenbau GmbH im schwäbischen Sindelfingen. Das Unternehmen wurde 1939 von Wilhelm Reinhardt gegründet, der zunächst mit einer mechanischen Werkstatt begann. Im Jahr 1946 startete Reinhardt die Herstellung von Blechbearbeitungsmaschinen. Es wurden zunächst Schwenkbiegemaschinen und Scheren hergestellt. In der Zwischenzeit ist RAS zu einem Werkzeugmaschinenhersteller mit 250 Mitarbeitern gewachsen, der weltweit agiert.

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Die Unternehmensführung liegt heute in den Händen der Enkel des Gründers, Willy und Rainer Stahl. RAS adressiert Anwendungsbereiche wie Türen und Tore, Dachkassetten, Deckenleuchten, Schaltschränke, Getränkeautomaten oder weiße Ware Es geht hierbei um das Biegen gerader Kanten, weniger um Freiformflächen. Dafür gibt es zwei Verfahren, das Gesenkbiegen und das Schwenkbiegen. RAS setzt letzteres ein: „Gestanzte oder gelaserte Teile werden eingelegt und durch einen Schwenk der Biegewange der kurzen Schenkel gebogen“, erläutert der Geschäftsführer Rainer Stahl. Auf diesem Feld ist RAS mittlerweile Weltmarktführer.

Der Maschinenbauer ging so weit,eine eigene Software zu entwickeln, welche die Biegeprogramme mit einem Klick automatisch erzeugt. Darüber hinaus gibt es eine ERP-Software, Bendex Professional, die die administrativen Prozesse automatisiert und die Werkstattsteuerung optimiert. Durch diesen Aufwand werden an anderer Stelle Rationalisierungspotenziale gehoben. „Wir haben Kunden, die an dieser Stelle über 600 % Zeiteinsparung haben“, sagt Stahl.

RAS ist ein früher Solidworks-Kunde

Dass man dabei die mechanische Auslegung der Maschinen und auch der Peripherie keineswegs vernachlässigt, zeigt der Invest in CAx-Software und deren Integration. Bereits 1999 begann RAS mit der Auswahl eines 3D-CAD-Systems. „Der Eintritt in die 3D-Welt war dringend geboten, weil wir mit 2D absolut an Grenzen gestoßen sind“, sagt der Konstruktionsleiter Mechanik, Joachim Köhler. Mit im Anbieterfeld war DPS Software mit dem System Solidworks von Dassault Systèmes. Dieses System und dieser Anbieter sind dann auch ausgewählt worden. Denn das Softwarehaus aus Leinfelden-Echterdingen hat schon früh begonnen, den großen Hauptsystemen eigene Pakete an die Seite zu stellen und auch individuelle Software für Kunden zu entwickeln. Dabei hat man sich keineswegs gescheut, die Expertise von Kunden mit einzubeziehen, wie auch im Fall von RAS, insbesondere bei dem Aufbau der „Jobbox“.

„Solidworks war damals mit den Features am weitesten, es konnte sehr intuitiv bedient werden und es führte uns sehr schnell zum Teil“, berichtet Köhler über die Gründe für die damalige Entscheidung. Mittlerweile hat man in Sindelfingen 25 Lizenzen installiert. Neben der Basissoftware Solidworks selbst gibt es Bausteine für: die Finite-Elemente-Berechnung (Solidworks Simulation Premium), die Bewegungssimulation (Solidworks Motion), NC-Programm-Erstellung (Solidcam) und die Datenverwaltung (Solidworks Workgroup PDM). Dieses etwas ältere PDM-System wurde gerade gegen Solidworks PDM Professional umgetauscht.

„Mit diesen Bausteinen haben wir uns eine effektive Arbeitswelt geschaffen, die neben dem Konstruieren auch die Berechnung und Simulation umfasst“, sagt der Konstruktionsleiter. Berechnet wird bei RAS „inzwischen alles“, von der Schraube über Werkzeuge bis zur Schweißbaugruppe. Mittlerweile macht man auch vor Betriebsfestigkeitsberechnungen und nichtlinearen Berechnungen nicht halt. „Wenn uns das System dieses schon bietet, warum sollen wir es nicht nutzen?“, fragt Köhler.

Allgemein können mit Solidworks Simulation Premium dynamische Lasten zeitabhängig analysiert, starke Verformungen von Bauteilen betrachtet sowie „nichtlineare Materialien“, die Datenverwaltung Gummi, einer Analyse unterzogen werden. Mit der nichtlinearen Spannungsanalyse können Entwickler Spannungen und Verformungen auch da noch analysieren, wo die lineare Berechnung versagt. „In dieser Hinsicht leisten wir fast Grundlagenforschung. Es gibt kaum aktuelles verwendbares Wissen dazu, also müssen wir es eben selbst erarbeiten“, beschreibt der Konstruktionsleiter die Situation.

Prozesse gut durchgearbeitet

In Sachen ERP stellt RAS einen Sonderfall dar, weil der Maschinenbauer ein eigenes ERP-System entwickelt hat. „Vor über 30 Jahren haben wir dieses System Catuno Pro in eine eigene Firma, Catuno GmbH, ausgelagert. Von dort aus findet auch eine Vermarktung nach außen statt, nämlich im gesamten D-A-CH-Bereich“, erläutert Rainer Stahl.

Bei Catuno Pro gibt es auch eine Schnittstelle zu Solidworks. Relevant sind die CAD-Integration, die automatische Stücklistengenerierung, die Erstellung der Arbeitspläne und die Information der Konstrukteure. In diesem Zusammenhang spielt auch die „Jobbox“ von DPS eine große Rolle. Sie ist ein Tool für die einfache Automatisierung von Prozessen durch die Anlage von benutzerdefinierten Batch-Prozessen. „Die Jobbox schafft den Übergang von CAD zu ERP“, resümiert Köhler. „Sie sorgt dafür, dass freigegebene Dokumente umgehend im Vertrieb zur Verfügung stehen, oder für eine vollautomatische Ausgabe von Dokumenten für Lohnfertiger, nur um einiges anzudeuten.“

* Karl Obermann ist freier Fachjournalist.

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