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Leasing

Bis heute haben wir in China nicht ein einziges Asset verloren

| Redakteur: Peter Steinmüller

Warum sich die Absatzförderung mittels Leasing auch in den Schwellenländern lohnt, erläutert Prof. Rüdiger Freiherr von Fölkersamb. Er wird diese Woche aus dem Vorstand der Deutsche Leasing AG in Bad Homburg ausscheiden, für die er 14 Auslandsgesellschaften gründete.

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"Mit einem Neugeschäftsvolumen von gut 200 Mio. Euro ist China der größte Auslandsmarkt für die Deutsche Leasing", sagt Vorstandsmitglied Prof. Rüdiger Freiherr von Fölkersamb. (Bild: Steinmüller)
"Mit einem Neugeschäftsvolumen von gut 200 Mio. Euro ist China der größte Auslandsmarkt für die Deutsche Leasing", sagt Vorstandsmitglied Prof. Rüdiger Freiherr von Fölkersamb. (Bild: Steinmüller)

Herr Professor von Fölkersamb, viele Maschinenhersteller können mittlerweile nur verspätet liefern. Inwieweit ist es in dieser Situation für einen Maschinenbauer sinnvoll, den Absatz über Vendorenleasing anzukurbeln, bei dem er zusammen mit der Leasinggesellschaft dem Kunden die Finanzierung der Maschine ermöglicht?

von Fölkersamb: Die Situation ist vergleichbar mit jener des Jahres 2008, als die Lieferzeiten für Baukräne bis zu zwei Jahre betrugen. In dieser Zeit hat sich ein großer Hersteller beholfen, in dem er das Geschäft mit Gebrauchtkränen voran brachte und den Kunden für diese Produkte ein Zwischenleasing bis zur Fertigstellung der neuen Kräne anbot. Ähnliche Chancen eröffnen sich jetzt auch für gebrauchte Werkzeugmaschinen. Einige große Hersteller sind sehr darauf bedacht, diesen Sekundärmarkt in der Hand zu behalten und bieten entsprechende Finanzierungslösungen an.

Schwellenländer wie China werden für die deutschen Maschinenbauer immer wichtiger. Welche Rolle spielt dort das Vendorenleasing?

von Fölkersamb: Die Deutsche Leasing hat als erster Finanzdienstleister in China eine Lizenz für ein rein ausländisches Leasingunternehmen bekommen und gehört in der Volksrepublik zu den drei großen Anbietern. Wir haben das große Glück, als deutsches Unternehmen deutsche Hersteller zu begleiten. Damit können wir ein Geschäft häufig besser strukturieren als andere Anbieter. Mit einem Neugeschäftsvolumen von gut 200 Mio. Euro ist China inzwischen der größte Auslandsmarkt für die Deutsche Leasing. Das Volumen erzielten wir bis jetzt ausnahmslos im Vendorengeschäft.

Die Konditionen für Ihre Kunden hängen wesentlich davon ab, wie gut sie das Leasingobjekt nach Ablauf der Leasingzeit oder im Falle einer vorzeitigen Rücknahme verwerten können. Wie sind Ihre Erfahrungen in der Volksrepublik?

von Fölkersamb: Bis heute haben wir dort nicht ein einziges Asset verloren. Hauptgrund ist das gemeinsame Strukturieren jeden Geschäfts mit den Vendoren. Beispielsweise vermarkten wir das vorzeitig zurückgenommene Leasinggut gemeinsam. In den fünf Jahren in China hatten wir nur drei Fälle, in denen wir das Objekt per Gerichtsbeschluss zurückholen mussten. Jedesmal hat es unser Vendor sofort erfolgreich zweitvermarktet.

Die Zweitvermarktung geschieht ausschließlich in China?

von Fölkersamb: Ja, der Markt ist in jedem Fall groß genug. Wir kaufen die importierten Maschinen erst in China und bezahlen sie in der Landeswährung, in der wir uns auch refinanzieren. Damit haben wir kein Wechselkursrisiko.

Anders als viele ausländische Firmen scheinen Sie großes Vertrauen in das chinesische Rechtssystem zu haben.

von Fölkersamb: Im Jahr 2008 hat der Volkskongress ein Insolvenzrecht verabschiedet, das sich wesentlich am deutschen orientiert. Die entscheidende Frage, wie dieses Recht in der Praxis umgesetzt wird, ist in den erwähnten Fällen stets zu unseren Gunsten beantwortet worden. Aufgrund unseres Titels haben Gerichtsvollzieher und Polizei die Maschinen beim Schuldner herausgeholt. Ich bin überzeugt, dass die Chinesen ein grundsätzliches Interesse an seriösen Geschäftsbeziehungen mit Europäern haben. Die Chinesen sind sehr wohl gewillt, sich zu ändern.

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