Grobbleche Blech zum Sprechen bringen

Autor / Redakteur: Ursula Herrling-Tusch / M.A. Frauke Finus

Grobblechhersteller Dillinger arbeitet an der Digitalisierung der Wertschöpfungskette. Erstes Produkt ist die App E-Connect, die Kunden blechspezifische Informationen per Barcode-Scan zur Verfügung stellt. Diese Daten des „sprechenden Blechs“ kann der User mit vielen Services und Berechnungstools auf der übergeordneten E-Service-Plattform verknüpfen.

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Per Barcode-Scan erhalten Dillinger-Kunden die konkreten Daten aus dem Originalzeugnis-PDF für jedes einzelne Blech.
Per Barcode-Scan erhalten Dillinger-Kunden die konkreten Daten aus dem Originalzeugnis-PDF für jedes einzelne Blech.
(Bild: Dillinger)

Noch nie war die Zusammenarbeit mit Dillinger so komfortabel wie heute: Auf Knopfdruck erhält der Kunde rund um die Uhr wertvolle Informationen – ohne Wartezeit, überall auf der Welt. Als weltweiter Qualitäts- und Technologieführer ist der Stahlhersteller immer auf der Suche nach der neuen, noch besseren Lösung, um Kundenerwartungen proaktiv zu erfüllen. Konsequent nutzt das Unternehmen deshalb auch die Potenziale der Digitalisierung, um die Zusammenarbeit durch neue Services zu optimieren. Basis und zentrales Element ist die auch für mobile Endgeräte ausgelegte Kundeninformations-Plattform E-Service. Mit Hilfe dieses intuitiven Tools auf der Dillinger Website haben Händler und Verarbeiter direkten Zugriff auf alle relevanten Daten rund um ihre Bestellungen – wahlweise in deutscher, englischer oder französischer Sprache. Ein Produktfinder hilft ihnen bei der Auswahl der für ihre Anforderungen am besten geeigneten Stahlsorte. Machbarkeitsprüfungen und Hinweise auf eventuelle Zusatzanforderungen wie Ultraschallprüfungen machen so aus dem umfangreichen Lieferprogramm ein maßgeschneidertes Angebot. Neben der Lieferhistorie stehen dem Kunden alle relevanten Auftragsdaten wie Rechnungen, Zeugnisse und Zertifikate jederzeit zum Download zur Verfügung. Auch Werkstoffblätter, Normen, Spezifikationen sowie alle Zulassungen sind hier dank der komfortablen Such- und Sortierfunktionen einfach und schnell zu finden. Abgerundet wird das Spektrum der E-Service-Plattform durch eine Reihe leistungsfähiger Berechnungstools schweißtechnischer Kennwerte: Kohlenstoffäquivalent, Vorwärmtemperatur, Abkühlzeit oder Härte in der Wärmeeinflusszone beim Schweißen können so für die Verarbeitung der hochwertigen Dillinger Stähle direkt ermittelt werden. Die Vorteile für Vertrieb, Händler und Verarbeiter dieser auch unterwegs mit dem Smartphone oder Tablet nutzbaren Plattform liegen auf der Hand: Durch den standort- und zeitunabhängigen Zugriff auf ihre individuellen, ständig aktualisierten Daten sind sie immer auf dem Laufenden. Bei Bestellungen beispielsweise sind so bei Abweichungen wie Verzögerungen oder auch vorzeitiger Fertigstellung frühzeitige Kontaktaufnahme und Planungsänderungen möglich. Zudem gehören langwieriges Suchen nach benötigten Informationen, anschließendes Ausdrucken und Kopieren der Unterlagen der Vergangenheit an. Das entlastet Mitarbeiter von lästigen Verwaltungsaufgaben, beschleunigt die Abwicklung und minimiert das Risiko von Übertragungsfehlern. So steigt für Verarbeiter neben der Planbarkeit von Lager- und Produktionsprozessen auch die Produktivität.

Wegweisender Dialog zwischen Blech und Smartphone

Diesen nützlichen E-Service-Baukasten hat Dillinger nun um einen weiteren Baustein erweitert: Mit der App E-Connect steht den Kunden jetzt auch eine Fülle blechspezifischer Informationen unmittelbar zur Verfügung. Wenn sie am vorliegenden Blech den Barcode per Smartphone scannen, erhalten sie neben den konkreten Daten aus dem Originalzeugnis-PDF für dieses Blech auch die allgemeinen Auftragsinformationen, die Ergebnisse der durchgeführten Prüfversuche sowie die Daten der chemischen Analyse. Diese können sie in maschinenlesbare Formate wie CSV, XML oder JSON exportieren oder auch mit den im E-Service-Portal hinterlegten Tools per Link verknüpfen. Die sofortige Verfügbarkeit dieser für den gesamten Wareneingangs- und Fertigungsprozess relevanten Daten bedeutet signifikante Zeitersparnis: Die Suche nach der Blechnummer und den dazugehörigen Werten in einem Berg von Papieren entfällt ebenso wie die Notwendigkeit eigener Messungen und Berechnungen. Auch kann der Kunde die per Barcode-Scan erhaltenen Abmessungen direkt nutzen sowie die Bleche schon beim Abladen entsprechend seiner Fertigungsplanung nach Schmelze, Auftrag, Dicke, Breite und Festigkeit sortieren. Die Referenznummer ermöglicht es ihm zudem, beim Wareneingang die Bleche sofort in sein System einzubuchen und dadurch eine durchgängige Materialverfolgung in seinem Fertigungsprozess zu sichern. Dank der via Barcode erhaltenen Zeugnisdaten, Streckgrenzen und Festigkeitswerte sowie der mit Hilfe der App berechneten Kenndaten kann er außerdem seine Schweißvorrichtung direkt optimal einstellen – mit entsprechend geringen Toleranzen beim Endprodukt. Nicht zuletzt verkürzt die präzise Kenntnis der Materialeigenschaften im Vorfeld die Anlaufphase und erhöht so neben der Qualität auch die Produktivität. Der Barcode ist im Normalfall an den vorderen und hinteren Kanten des Blechs angebracht, sodass er auch bei Teilverwendung des Materials nutzbar ist. Bei fehlendem oder beschädigtem Barcode erschließt die Blechbeschriftung dennoch den Zugang zu den benötigten Informationen. Auf Wunsch bietet Dillinger überdies die Möglichkeit einer kundenspezifischen Barcode-Konfektionierung.

Gemeinsame Produktentwicklung mit den Kunden

Die E-Connect-App funktioniert mit allen Browsern und damit sowohl auf iOS- als auch Android-Geräten. Da sie über die Dillinger-Website aufgerufen wird und nicht in einem App-Store heruntergeladen werden muss, ist sie automatisch immer auf dem aktuellen Stand. Gerade für kleinere Unternehmen hat Dillinger damit einen zusätzlichen Service-Schirm installiert: Neben der direkten Kommunikation mit ihrem persönlichen Ansprechpartner können sie nun jederzeit alle Informationen zu dem gerade bearbeiteten Blech einsehen. Um mit der App wirklich hohen Nutzwert und Bedienerfreundlichkeit zu gewährleisten, setzte das Dillinger Innovationsmanagement bei ihrer Entwicklung auf die Methoden des kundenzentrierten Design Thinkings. In abteilungsübergreifenden Workshops wurden Problemstellungen aus dem Kundenalltag diskutiert, um gemeinsam passgenaue Lösungen zu suchen. Die so entwickelten konkreten Ideen wurden den Anwendern im Rahmen von Kundentagen und Einzel-Workshops in allen Entwicklungsstufen vorgestellt, um das Feedback der Praktiker in den weiteren Prozess wieder einfließen zu lassen. Als erstes so im engen Schulterschluss mit den Kunden entwickeltes Produkt beantwortet die E-Connect-App deshalb einen Bedarf am Markt, den herkömmliche Lösungen bislang nicht befriedigen konnten.

Digital vernetzte Partnerschaft

Diesen Weg will Dillinger auch künftig gemeinsam mit den Kunden gehen: Durch ein sukzessive erweitertes digitales Portfolio auf dem Webportal soll die Interaktion mit den Kunden immer transparenter, effizienter und flexibler gestaltet werden. Arbeitszeitunabhängig und papierlos sollen sie künftig mit ihrem vertrauten Vertriebsmitarbeiter auf dem neuen, zentralen Kommunikationsweg sicher kommunizieren können. Die nächsten Meilensteine auf diesem Kurs von Dillinger zeichnen sich bereits ab: So wird schon in naher Zukunft das Tracking von der Blechproduktion bis zum vereinbarten Bestimmungsort möglich sein. Denkbar ist auch, dass zu einem späteren Zeitpunkt die Maschine direkt den Barcode abliest oder Reklamationen via Barcode und Foto der betreffenden Stelle zeitsparend per App an den zuständigen Vertriebsmitarbeiter kommuniziert werden können. So markieren bei Dillinger das E-Service-Portal und die darin eingebettete E-Connect-App den Beginn einer digital vernetzten, zukunftsweisenden Partnerschaft, mit der der Stahlhersteller für seine Kunden die zunehmende Komplexität in der globalisierten Welt spürbar verringert.

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