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VDMA-Studie Chinas Wirtschaft - vom Imitator zum Innovator

| Redakteur: Ulrike Gloger

Frankfurt am Main (ug) – Chinesische Unternehmen sollen innovativer werden und sich von der Produktion von Billigprodukten lösen. So lässt sich eines der Ergebnisse des letzten Nationalkongresses im Oktober 2007 und die damit verbundene Kurskorrektur des 11. Fünf-Jahresplans interpretieren. Was das für die deutsche Industrie und insbesondere für den Maschinenbau bedeutet, hat eine neue Untersuchung der VDMA-Impulsstiftung jetzt zu Tage gefördert.

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VDMA-Präsident Manfred Wittenstein: „Deutsches Know-how und chinesische Dynamik lassen sich zum Vorteil beider Seiten verknüpfen.“ Bild: VDMA
VDMA-Präsident Manfred Wittenstein: „Deutsches Know-how und chinesische Dynamik lassen sich zum Vorteil beider Seiten verknüpfen.“ Bild: VDMA
( Archiv: Vogel Business Media )

Wichtigstes Ergebnis der Studie: Deutsche Maschinenbauer – insbesondere die Hersteller von hoch spezialisierten Produkten – fühlen sich von der chinesischen Konkurrenz noch wenig bedroht. Die von der Impuls-Stiftung beauftragte Marktforschungsgesellschaft Droege & Partner mit Sitz in Singapur hat insgesamt rund 200 Expertengespräche mit chinesischen Politikern und Wissenschaftlern, vertretern von Behörden und von deutschen Unternehmen vor Ort geführt sowie statistische Quellen ausgewertet.

Chinesische F&E-Quote soll erheblich wachsen

Noch hat China zwar eine sehr bescheidene F&E-Quote von 0,6% bezogen auf den Umsatz. Davon fallen 67% der Forschungsaufwendungen allein auf den Unternehmenssektor. In absoluten Zahlen heißt das: Mit 136 Mrd. US-Dollar - gemessen in lokaler Kaufkraftparität - hat China im vergangenen Jahr Japan in der Rangliste der größten F&E-Investoren überholt und rangiert nun auf Platz 2 nach den USA iun punkto Forschungsausgaben. Bis 2020 soll die F&E-Quote am Bruttoinlandsprodukt von 1,4 auf 2,5% gesteigert werden.

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4500 Wissensfabriken als Spin-offs der Universitäten

„Auch die Spin-offs der chinesischen Spitzenuniversitäten sind eine wesentliche Innovationsquelle“, berichtet VDMA-Präsident Manfred Wittenstein. „Hier haben wir es mit rund 4500 Wissensfabriken zu tun, die zu 50% in High-Tech-Sektoren arbeiten. Diese Spin-offs, beispielsweise an der Peking-University oder an der Tsinghua University, erzielen Umsätze im Milliarden-Dollar-Bereich. „Und die Professoren dürfen Anteile an den Spin-offs halten“, so Joachim Ihrcke, Geschäftsführer von Droege & Company.

16 prestigeträchtige Technologiefelder wurden benannt

Noch verfolgt China insbesondere durch Imitationen von Technologie eine Nachzüglerstrategie in Bezug auf seine Innovationskraft. Aber es wurden 16 prestigeträchtige Technologiefelder ausgewählt, in denen die ehrgeizige Devise lautet: „überspringen!“. Darunter fällt zum Beispiel der Bereich CNC-Maschinen. Im Maschinenbau wurden 10 Produkttypen ausgewählt, in denen die heimische Innovationskraft gestärkt werden soll:

  • große, leistungsstarke Generatoren,
  • elektrische Ausrüstungen/Umspannungsanlagen – ausgelegt für Hochspannung,
  • Großanlagen für die Ethylenproduktion,
  • große/effiziente Kohlekraftwerke und metallurgische Ausrüstung,
  • Bergbau-, Marine- und Schienentrasportausrüstung,
  • Umwelttechnologie
  • und CNC-Maschinen.

Für Standardprodukte könnte es eng werden

Nach Ansicht von Manfred Wittenstein werden insbesondere die Hersteller von Standardprodukten mit großen Stückzahlen und langen Produktionsanläufen Schwierigkeiten bekommen. In der Massenproduktion sei China heute schon sehr gut und baue diese Stärke weiter aus. Darauf müsse sich der deutsche Maschinen- und Anlagenbau einstellen. Insgesamt fordert der VDMA-Präsident, sich mehr Wissen über China und den chinesischen Markt anzueignen: „Ich vermisse in Deutschland sowohl in staatlichen Institutionen, in der öffentlichen Meinung als auch oft in den Unternehmen selbst eine ausreichende China-Kompetenz. Wir müssen die Entwicklung in China sehr genau analysieren, damit wir nicht eines Tages von Importen aus China überollt werden oder uns der riesige chinesische Markt verschlossen wird.“

Kampf gegen die Produktpiraterie

Eine weitere Fragestellung der Impuls-Studie war, wie ernst es China mit dem Schutz des geistigen Eigentums nimmt. Inzwischen sind zwei Drittel der Mitgliedsfirmen des VDMA von Produktpiraterie betroffen. Sie beziffern die dadurch entstehenden jährlichen Umsatzausfälle auf rund 5 Mrd. Euro. Rechtliche Schritte gegen illegale Formen der Innovation einzuleiten, ist laut China-Kenner Ihrcke der richtige Weg, in China und weltweit. Noch werde der Schutz des geistigen Eigentums, der in China bis vor 35 Jahren völlig unbekannt war, als Gängelungs-Konzept empfunden. Außerhalb Pekings gebe es kaum Experten, die das Konzept verstehen oder in der Lage wären, bei der Umsetzung zu helfen. Provinzregierungen profitierten vom bestehenden System, „weil zum Beispiel der größte Kopierer in ihrer Provinz auch zugleich der größte Steurzahler ist.“

Deshalb müssten die chinesischen Unternehmen zwar dazu bewegt werden, sich internationalen Regeln zu fügen, sobald sie international agieren. Aber für ausländische Unternehmen sei es auch ratsam , nicht nur den konfrontativen Ansatz zu wählen, sondern auch Hilfestellungen bei den Lernprozessen chinesischer Wettbewerber zu geben.

In einem nächsten Schritt sollen in getrennten Sitzungen den einzelnen VDMA-Fachverbänden die Ergebnisse der Studie vorgestellt und Verhaltensinstruktionen gegeben werden, die diese anschließend an die Mitglieder weitergeben können.

(ID:232714)