Dresdener Stromdebakel Chipproduktion bei Infineon läuft wieder an!

Autor / Redakteur: dpa-AFX / Peter Königsreuther

Zwei Tage nach dem großen Stromausfall in Dresden läuft beim Chiphersteller Infineon die Produktion wieder an, kann dpa jetzt erfreulicherweise melden.

Nach dem für Dresden und Umland üblen Stromausfall am Montag, durch den bei vielen Unternehmen die Produktion stillgelegt wurde, geht es langsam wieder voran – so wie hier beim Chiphersteller Infineon.
Nach dem für Dresden und Umland üblen Stromausfall am Montag, durch den bei vielen Unternehmen die Produktion stillgelegt wurde, geht es langsam wieder voran – so wie hier beim Chiphersteller Infineon.
(Bild: Infineon)

Beide Fertigungslinien bei Infineon werden schrittweise wieder hochgefahren, informierter der Unternehmenssprecher Christoph Schumacher gestern auf Nachfrage von dpa. Bis die Produktion wieder unter Volllast fahre, werde es aber noch dauern. Wann das etwa der Fall sein werde wurde nicht angedeutet, heißt es weiter. „Wir haben ein Notstromaggregat für sicherheitskritische Anlagen", so Schumacher. Pumpen, Notbeleuchtungen sowie IT-Systeme seien weiter gelaufen. Die Produktion fiel hingegen aus. Kurzfristige Spannungsschwankungen könnten abgefedert werden, nicht aber so ein Stromausfall über 20 Minuten, wie am Montag. Die Höhe des Schadens sei vorerst noch unklar, man habe alle Hände voll zu tun, um den Schaden erst einmal einzudämmen.

Kinderspielzeug verursacht krasse Kurzschlusskosten

Am Montagnachmittag hatte ein großflächiger Stromausfall Dresden zeitweise lahmgelegt. Dabei traf es rund 300.000 Haushalte in Stadt und Umland. Auch in Sachen Straßenbahnen ging nichts, Aufzüge blieben stecken und Ampeln fielen aus. Wie dpa erfahren hat, war die Ursache laut Aussage der dortigen Polizei ein handelsüblicher Folienballon, der an einem sensiblen Punkt in einer Schaltanlage eines Umspannwerkes im Dresdner Süden gelandet war und einen Kurzschluss auslöste. Der Netzbetreiber Sachsennetze hatte am Dienstag betont, dass das Unternehmen seine Sorgfaltspflicht nicht verletzt habe und die Anlagen auf dem modernsten Stand seien. Die Rechtsverordnung regelt demnach, dass Stromkunden entstandenen Schaden selbst bezahlen müssen.

Eine Halbleiterfertigung wieder hochzufahren, sei sehr aufwendig. Experten vergleichen den Stromverbrauch bei Infineon mit einer Kleinstadt wie Pirna. Bei der Versorgung sei das Unternehmen abhängig vom öffentlichen Netz, folglich gebe es keine separate Stromversorgung.

Andere denken jetzt über unabhängige Stromversorgung nach

Der nicht weit entfernte Halbleiterhersteller Globalfoundries hat hingegen zwei eigene Energieversorgungszentren, die unabhängig vom öffentlichen Stromnetz liefern, wie dpa erfahren hat. Das habe das Unternehmen vor großem Schaden bewahrt, sagte Unternehmenssprecher Jens Drews der dpa.

Allerdings sei die Produktion inzwischen so gewachsen, dass nicht mehr alle Bereiche durch die dezentrale Energieversorgung abgedeckt werden könnten. Deshalb habe der Stromausfall zu geringen Problemen geführt, die unter anderem auch die Produktion betrafen. Details nannte das Unternehmen aber nicht. Dieser dumme Vorfall am Montag habe den Impuls gegeben, sich in Zukunft vom öffentlichen Stromnetz abzuklemmen und unabhängig zu werden.

Auch bei Bosch hatte man zu kämpfen

Das neue Bosch-Halbleiterwerk bekam die Auswirkungen des großflächigen Stromausfalls auch zu spüren, heißt es. Die vorhandene Notstromversorgung sei aber umgehend in Betrieb gegangen und konnte die allerwichtigsten Gebäude- und Sicherheitsfunktionen im Werk Dresden aufrechterhalten, erklärte eine Sprecherin des Unternehmens. Aber auch dort fiel die Produktion aus. Erst am Spätnachmittag des Ausfalltages konnten die Anlagen allmählich wieder hochgefahren werden. Auch Bosch analysiert derzeit die entstandenen Schäden.

BMW und Volkswagen setzen auf Notfallsysteme

Die Angestellten der sächsischen Autohersteller würden im Fall eines Stromausfalls aber nicht sofort im Dunkeln sitzen. Denn bei BMW etwa ständen die Bänder nicht sofort still, wie Konzernsprecher Kai Lichte betonte. Bis zu 24 Stunden lang könne das Werk mithilfe von Notstromaggregaten am Laufen gehalten werden. „Im Falle eines solchen Notfalls würden wir dann gegebenenfalls entscheiden, wo wir Strom sparen, um an anderen Stellen noch länger weiterarbeiten zu können“, so Lichte. Einen solchen Fall habe es aber noch nicht gegeben.

Auch VW-Sprecher Carsten Krebs betonte, dass das Werk in Zwickau über eine separate Notstromversorgung und eigene Notstromaggregate verfügt. Mit dieser Ausrüstung könnten wichtige technische Anlagen wie die Notfallbeleuchtung weiter betrieben werden. Ob nun die Fahrzeugfertigung im genannten Fall weiter hätten betrieben können, sei schwer zu beurteilen.

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