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Stellenangebote Damit der neue Job nicht zur Sackgasse wird

Autor / Redakteur: Bernhard Kuntz / Jürgen Schreier

Immer wieder erweisen sich scheinbar attraktive Stellen als berufliche Sackgassen. Insbesondere dann, wenn die Führungskräfte oder Spezialisten, die sie antreten, vorab nicht ausreichend geprüft haben: Was kommt da auf mich zu?

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Ich bin jetzt der Boss: Manchmal ist die Euphorie nur von kurzer Dauer.
Ich bin jetzt der Boss: Manchmal ist die Euphorie nur von kurzer Dauer.
(Bild: Public Domain CC0)

Nicht selten treten hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte scheinbar attraktive neue Stellen an, die sich nach kurzer Zeit als Sackgasse erweisen. So zum Beispiel die 38-jährige Betriebswirtin Nadja Kaul*. Fast ein Jahrzehnt arbeitete sie als Controllerin für einen Konzern im Rheinland. Dann erhielt sie von einem mittelständischen Maschinenbauer im Schwabenland das Angebot, dessen Controlling neu aufzubauen. Kaul reizte neben der Aufgabe die Position und das Gehalt. Also sagte sie spontan ja.

Vom fröhlichen Rheinland in die schwäbische Provinz

Doch dann saß Kaul in der schwäbischen Provinz und merkte: Die ticken hier ganz anders. In Köln sprach ich mit meinen Kollegen über die neusten Filme und angesagten Bars. Doch hier drehen sich die Gespräche um den örtlichen Gesangsverein und Strickmuster. Und mein unmittelbarer Vorgesetzter, der Geschäftsführer Finanzen?

Der sagte zwar in den Auswahlgesprächen, ich habe beim Aufbau des Controllings weitgehend freie Hand. Doch nun mischt er sich in fast jeden Handgriff ein. Schon nach wenigen Tagen bereute Kaul ihren Entschluss und sehnte sich nach Köln zurück – auch weil die Single-Frau das Gefühl hatte: „Hier versauere ich.“

Nicht einmal enttäuscht war Kaul deshalb, als der Geschäftsführer Finanzen ihr nach drei Monaten mitteilte: „Wir beenden die Zusammenarbeit“. Auch überrascht war sie nicht. Denn auch sie spürte: Die Chemie stimmt nicht. In Panik geriet die Controllerin erst, als sie wieder in Köln in ihrer Wohnung saß. Denn hier wurde ihr erst so richtig klar: „Wenn ich eine neue, meiner Qualifikation angemessene Stelle finden möchte, muss ich mich eigentlich bundesweit bewerben – obwohl ich inzwischen weiß: Ich möchte im Kölner Raum bleiben.“

Welche Folgen hat ein Flop?

Ähnliche Fehler begehen hochqualifizierte Stellensucher laut Aussagen von Alexander Walz, Geschäftsführer der Personalberatung Conciliat, Stuttgart, oft. Sie manövrieren sich, weil sie die Konsequenzen eines Stellenwechsels nicht ausreichend reflektieren, in eine Situation, in der es nur in Ausnahmefällen noch eine optimale Lösung gibt. Denn ihre Arbeitsmarktsituation ist eine andere als die von Handwerkern. Erweist sich bei einem Elektriker ein neuer Job als Flop, dann findet er meist in derselben Region einen neuen Arbeitsplatz.

Anders ist es bei hochqualifizierten Spezialisten oder gehobenen Führungskräften. Ist bei ihnen der neue Job ein Flop, dann müssen sie sich meist bundesweit bewerben – also einen (erneuten) Umzug in Kauf nehmen. Außer sie sind, wenn sie zum Beispiel eine Familie haben, bereit, künftig eine Wochenendehe zu führen.

Burnout statt Traumjob

Viele unterschätzen, was dies bedeutet. So der Diplom-Kaufmann Klaus Nolte. Der gebürtige Hamburger erhielt von dem IT-Unternehmen für das er in der Hansestadt arbeitete, vor fünf Jahren das Angebot, in dessen Münchner Zentrale deren „Salesmanager Europe“ zu werden.

Nolte schmeichelte das Angebot. Zudem rechnete sich aus: Wenn ich den Job zehn Jahre mache, habe ich ausgesorgt. Seine Frau war von der Job-Offerte weniger begeistert. Denn sie wollte mit ihren beiden pubertierenden Kindern keinesfalls nach München ziehen. Doch sie gab Nolte bei der Entscheidung freie Hand: „Dann führen wir eben eine Wochenendehe.“

Nolte trat die Stelle an. Doch rasch erwies sie sich als deutlich herausfordernder als gedacht. Und was er völlig unterschätzt hatte: Als Salesmanager Europe musste er in die entlegensten Ecken Europas reisen. Folglich wurde aus den geplanten regelmäßigen Wochenendflügen nach Hamburg oft nichts. Und wenn doch? Dann war seine Tasche voller Arbeit.

Nach kurzer Zeit merkte Nolte: Die neue Stelle nagt an meiner Substanz. Und nach eineinhalb Jahren wurde er mit einem Burn-out in eine Klinik eingeliefert. Und ein weiteres Halbjahr später unterschrieb er einen Auflösungsvertrag mit seinem Arbeitgeber – „mit einer satten Abfindung“. Doch was hat er davon? Wenig! Gesundheitlich ist Nolte zwar wieder auf dem Damm. Doch eine neue Festanstellung hat der heute 53-Jährige in den letzten drei Jahren nicht gefunden.

Was ist mir im Leben wichtig?

Den Fehler von Nolte begehen hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte immer wieder, berichtet Personalberater Walz. Sie reflektieren zu wenig, was eine neue Stelle konkret bedeutet. Zum Beispiel mehr Arbeit. Mehr Stress. Mehr Reisen. Ein höheres Kündigungsrisiko. Eine sehr starke Spezialisierung, die sich langfristig als berufliche Sackgasse erweisen könnte. Und noch weniger reflektieren sie: Passt die neue Stelle zu meiner Vorstellung von einem erfüllten Leben? Zum Beispiel:

  • Macht mir die Arbeit voraussichtlich langfristig Spaß und erachte ich sie als sinnvoll?
  • Kann ich abends bei meiner Familie sein?
  • Kann ich weiterhin meinen Hobbies frönen und meinen Freundeskreis pflegen?

Dabei wäre das wichtig. Denn wenn eine Führungskraft mit ihrem Leben unzufrieden ist, sind ihre Akkus schnell leer. Also erbringt sie auch keine Top-Leistungen mehr.

So hätte zum Beispiel Nolte den Salesmanager-Job gewiss in Hamburg problemlos gemeistert. Doch mit dem „ewigen Hin und Her zwischen Hamburg und München“ kam er nicht klar. Denn er ist ein „Familienmensch“ und braucht seinen „Heimathafen“.

Drum prüfe, wer sich bindet!

Den braucht nicht jeder. Maik Dietz zum Beispiel würde seinen Heimathafen im hessischen Friedberg gern seltener sehen. Der Betriebswirt verlor 2008 in Folge einer Umstrukturierung nach elf Jahren seinen Job als Geschäftsführer der deutschen Niederlassung eines internationalen Industriedienstleisters.

Nach fast einem Jahr erzwungener Auszeit nahm er die Geschäftsführer-Stelle bei einem mittelständischen Verpackungshersteller an, obwohl er wusste: Dessen Inhaber hat in den zurückliegenden vier Jahren drei Geschäftsführer verschlissen. Fortan pendelte Dietz zwischen dem Wohnort seiner Familie und dem 300 Kilometer entfernten Standort des Unternehmens hin und her. Was weder ihm, noch seiner Frau etwas ausmachte.

Doch rund 15 Monate später stand Dietz erneut auf der Straße – aufgrund persönlicher Differenzen mit dem 74-jährigen Firmeninhaber. Es folgte eine weitere erzwungene Auszeit von über einem Jahr, bevor Dietz Geschäftsführer bei einem Start-up in Niedersachsen wurde. Also pendelte er erneut. Bis er circa 1,5 Jahre später wieder auf der Straße stand. Dieses Mal, weil er sich mit der Private-Equity-Gesellschaft, die das Start-up finanzierte, über dessen Strategie uneins war.

Macher aufgepasst!

Und seitdem hat Dietz ein echtes Problem. Denn wenn er sich irgendwo als potenzieller Geschäftsführer vorstellt, kann er in den Augen seiner Gesprächspartner regelrecht die Frage lesen: Warum wurde der in nur sechs Jahren drei Mal entlassen? Dass er zuvor elf Jahre erfolgreich Geschäftsführer bei dem Industriedienstleiter war, nehmen seine potenziellen Arbeitgeber gar nicht mehr wahr. Er ist in ihren Augen „verbrannt“. Seine Einstellung wäre in ihren Augen mit zu hohen Risiken verbunden. Deshalb ist er für sie, wenn es um das Besetzen einer Geschäftsführer-Stelle geht, maximal noch zweite Wahl.

Dietz machte laut Personalberater Walz als „echter Macher“, weil ihm zuhause die Decke auf den Kopf fiel, zwei Mal denselben Fehler. Er nahm, trotz finanzieller Absicherung, vorschnell eine Stelle an. Bei ihm hätten alle Alarmglocken schrillen müssen, als er erfuhr, dass der Inhaber des mittelständischen Unternehmens vor ihm in vier Jahren drei Geschäftsführer entlassen hatte.

Doch solche Bedenken wischte Dietz mit dem Hang zur Selbstüberschätzung, den viele Top-Manager haben, beiseite und dachte: Ich schaffe das schon. Ähnlich war es, als die Private-Equity-Gesellschaft ihn bereits im Auswahlverfahren mit völlig unrealistischen Erwartungen bezüglich der Entwicklung des Start-ups konfrontierte. Auch da hätten die Alarmglocken schrillen müssen.

Berater – Beschäftigungstherapie für gescheiterte Manager

Dass Dietz die Stellen annahm, ohne die Pros und Contras sauber abzuwägen, hatte nach seinen eigenen Aussagen auch folgenden Grund: Jedes Mal, wenn er arbeitslos oder freigestellt zuhause saß, fing es in seiner Ehe an zu kriseln. Denn seine Frau nervte es rasch, dass sie ihren Mann, den sie zuvor nur am Wochenende sah, plötzlich täglich von morgens bis abends um sich hatte; außerdem, dass er sich plötzlich in die Haushaltsführung und Kindererziehung einmischte. Das führte zunehmend zu Streitereien. Auch deshalb nahm Dietz sozusagen die erstbeste Stelle an.

Doch inzwischen ist Dietz erneut seit über zwei Jahren arbeitslos. Deshalb gründete er „als Beschäftigungstherapie“ ein Beratungsunternehmen. Denn dass ihn noch einmal ein größeres Unternehmen zu seinen Konditionen als Geschäftsführer einstellt, diese Hoffnung hat er fast aufgegeben. Und das tägliche Joggen und Tennisspielen? Das hat ein Macher, wie er, schnell satt.

* Die Namen und Daten der erwähnten Stellenwechsler wurden geändert.

* Bernhard Kuntz ist freier Journalist in Darmstadt.

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