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Kontraktlogistik

Das Geld liegt auf der Straße

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Nur eine flexiblere Kontraktbasis kann die Wirtschaftlichkeit des Lkw-Transports noch bewahren und sogar verbessern.Bild: Pixelio (Archiv: Vogel Business Media)

Eine wechselnde Nachfrage, Veränderungen im Konsumverhalten, Preisschwankungen sowie wirtschaftliche Höhen und Tiefen werden dabei nicht berücksichtigt, obwohl sie nicht unerhebliche Kostenfaktoren sind. Wurden beispielsweise mit Transporteuren Verträge über feste Lieferungen nach Ost- und Süddeutschland geschlossen, sind diese einzuhalten, selbst wenn der Bedarf in einer Region steigt und man Frachtraum zukaufen muss und in der anderen Region der Absatz sinkt und Lkw leer fahren müssen. Dies gilt nicht nur saisonal sondern auch tagesaktuell.

Spediteure müssen Unwägbarkeiten teuer bezahlen

Dennoch bleiben die Unternehmen bei langfristigen Kontrakten, die ihnen Preis und Verfügbarkeit von Transportkapazitäten garantieren. Die Unwägbarkeiten der tatsächlichen Distribution verlagern sie auf die Spediteure und Frachtführer, die sich dieses Risiko teuer bezahlen lassen müssen. Leerkilometer, Standzeiten und Schwankungen gehören daher neben den tatsächlichen Kosten wie selbstverständlich zur Kalkulation der Transportpreise dazu.

Dabei bieten die überkommenen Vertragsstrukturen nicht einmal die erhoffte Sicherheit. Gerade bei Engpässen erweist sich die Planung schnell als undurchführbar, zugesicherter Frachtraum und garantierte Preise sind dann nicht mehr einzuhalten.

Starre Strukturen können Preise hochschnellen lassen

Wohin das führen kann, zeigte sich 2006, als ein massiver Ladungsüberhang mit einem Mangel an Frachtraum zusammenfiel, diesen noch verstärkte und die Transportpreise drastisch in die Höhe trieb. Selbst wenn Verlader bereit waren, deutlich mehr zu bezahlen, waren unter Umständen schlicht keine Fahrzeuge mehr für abzuwickelnde Frachten verfügbar. Im schlimmsten Fall reichten die Folgen von Lieferausfällen über verärgerte Kunden bis zum Auftragsschwund.

Der Kern des damaligen Problems ist auch Ursache für die strukturelle Verschwendung heute: eine unzureichende Kalkulationsgrundlage für die Transportverträge. Während sich das Marktgeschehen – nämlich die geographische Position und Verfügbarkeit von freiem Frachtraum – auf Tagesbasis entwickelt und verändert, werden Kontrakte auf Jahresbasis geschlossen.

Beziehungen zwischen Verlader und Spediteur oft zu unflexibel

Es mangelt an einer anpassungsfähigen Beziehung zwischen Verlader und Spediteur, es fehlt die „Collaboration“. Damit ist eine intensive, integrierte Zusammenarbeit der an der Supply Chain beteiligten Partner vom Hersteller bis zum Lieferanten gemeint. Deren Ziel ist ein gegenseitiger Nutzen und eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit am Point of Sales beziehungsweise beim Kunden.

Die enge Vernetzung und Kooperation ermöglichen es, flexibel auf jeden Wandel zu reagieren und entsprechend die eigenen Geschäftsvereinbarungen innerhalb eines vereinbarten Rahmens anzupassen, was Risiken und Kosten reduziert. Auch und speziell heute in Zeiten von enormem Frachtraumüberhang kann dies für viele Transporteure das wirtschaftliche Überleben sichern – ein wichtiger Aspekt für einen stabilen Transportmarkt von morgen und damit auch der Schlüssel für Auslieferungssicherheit und Kundenservice von Industrie und Handel.

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