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Laserstory-Interview

Des Lasers Wiege – fiat lux in Kalifornien!

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„Ich würde auf jeden Fall wieder die Lasertechnik wählen!“

Was waren zunächst Details in der Laserentwicklung, deren Auswirkungen jetzt aber deutlich werden?

Für mich gehört das selektive Laserätzen dazu. Ätzen! Das klingt zwar für viele nach böser, gefährlicher Säure, aber es ist ja eine völlig harmlose Kaliumhydroxid-Lauge, die es in Literdosen im Supermarkt gibt und die wir bei Abflussverstopfung nehmen. Das ist eine total saubere und präzise wirkende Technik. Ähnlich funktioniert das selektive Laserätzen, das ein Spin-Off des Fraunhofer ILT anbietet. Die Rede ist vom Selective Laser-induced Etching. Anbieter ist die Lightfab GmbH, die vor zehn Jahren mit wenigen Mitarbeitern gegründet wurde. Jetzt erst fängt das Geschäft quasi an zu explodieren. Der Prozess eignet sich etwa zum 3D-Druck von Glasbauteilen.

Man hat 10 Jahre auf den Durchbruch warten müssen? Das erscheint mir recht lang!

Inkubationszeiten bei neuartiger Lasertechnik betragen sogar schon mal 15 bis 20 Jahre. Denn wir reden hier über komplexe Prozesse, also viel Technik kombiniert mit Physik, die funktionieren und zugleich preiswert sein sollen – das braucht halt seine Zeit. Aktuell zählen dazu biophotonische Anwendungen und Medizintherapien. Im Moment passiert übrigens sehr viel auf der Forschungsebene rund um die Wechselwirkungen von Photonen mit Biomaterie. In der Praxis ist aber noch wenig davon gelandet, weil wir erst ganz am Anfang stehen. Das geht dann auch in Richtung Biomaterialien, bei denen sich irgendwann auch Organe, sprich Zellgewebe, additiv fertigen lassen. Da gibt es sogar bereits erste vielversprechende Ergebnisse.

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Wenn Sie heute nochmal in der Forschung starten würden: Was würden Sie heute gerne mitentwickeln?

Ich würde auf jeden Fall wieder Lasertechnik wählen, weil es eben die Energieform in unserem Universum mit der höchsten Qualität ist. Es gibt keine andere, die masselos ist und die sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt. Und deswegen ist sie physikalisch in einem Grenzzustand, der mit extrem gutem Wirkungsgrad in alles Mögliche überführt werden kann. Was mich richtig reizt, ist die Quantentechnologie, denn das mechanische Weltbild von Ursache und Wirkung stimmt in dieser Submikrowelt nur begrenzt. Die Natur aber ist statistisch und hat ihre Unschärfe, sonst gäbe es auch keine Evolution. Diese Tatsache ignorieren wir aber, wenn wir alles in das vertraute mechanische Weltbild mit seinen Zahlen und modernen Digitalisierungstools pressen. Wir sollten die Unschärfe zulassen, die wir selbstverständlich im alltäglichen Gefühlsleben akzeptieren, weil wir sonst keine Menschen wären. Die Quantentechnologie wird jetzt Einzug in Wissenschaft, Simulation und Technik halten. Damit erhalten wir eine viel bessere Chance, den echten Charakter der Natur auch in unseren Modellen und unseren Zugängen so zu beschreiben, wie er wirklich ist - nämlich mit Unschärfe.

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