Metallwerke Renner Die Abfallbehältermanufaktur: edle Produkte nassverzinkt

Redakteur: Jürgen Schreier

Bei den Metallwerken Renner im westfälischen Ahlen gibt es noch die arbeitsintensive Nassverzinkung. Sie erscheint wie ein Relikt aus alten Zeiten, ist für die Veredelung manch moderner Produkte jedoch kaum zu ersetzen.

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Auf der einen Seite des Beckens steht ein Mann mit einer bodenlangen Gummischürze. In den Händen hat er eine über 2 m lange Spezialzange, mit der er einen Blecheimer in eine gräuliche Flüssigkeit taucht, tief ins Becken drückt und weit nach vorne schiebt.
Auf der einen Seite des Beckens steht ein Mann mit einer bodenlangen Gummischürze. In den Händen hat er eine über 2 m lange Spezialzange, mit der er einen Blecheimer in eine gräuliche Flüssigkeit taucht, tief ins Becken drückt und weit nach vorne schiebt.
(Bild: Gesamtmetall/Pit Junker)

Beim Betreten der Werkhalle fühlt man sich fast zwangsläufig an historische Darstellungen einer Alchimistenküche erinnert. Alles in dem Raum wirkt auf den ersten Blick altertümlich und archaisch. Es ist warm, und Wolken von Wasserdampf wabern durch die Luft. In der Mitte des Raums befindet sich ein gemauertes Becken, gefüllt mit geschmolzenem Zink.

Die „Alchimisten“ aus Ahlen

Auf der einen Seite des Beckens, hinter einer Trennwand, steht ein Mann mit einer bodenlangen, weißen Gummischürze. In den Händen hat er eine über zwei Meter lange Spezialzange, mit der er einen Blecheimer in eine gräuliche Flüssigkeit taucht, tief ins Becken drückt und weit nach vorne schiebt.

Vor der Trennwand wartet ein anderer Mann, Zieher genannt, mit einer ähnlichen Zange. Nach einigen drehenden Bewegungen zieht er den Eimer, der jetzt wie poliertes Silber glänzt, aus dem flüssigen, 465 °C heißen Metall und taucht ihn, begleitet von einem lauten Zischen, in ein Wasserbecken.

So ähnlich muss es ausgesehen haben, denkt sich der Laie, wenn die Alchimisten, Vertreter eines uralten Bundes der Naturphilosophie, versuchten, unedle Metalle in Gold oder Silber zu verwandeln, worum sich zahlreiche Geschichten und Mythen ranken.

Doch was die Männer in der Halle der Metallwerke Renner GmbH im westfälischen Ahlen treiben, hat nichts mit Hokuspokus zu tun. Nassverzinken nennt sich das Verfahren, mit dem sie Eisenteile vor Korrosion schützen. Der Betrieb gehört zu den beiden letzten Feuerverzinkereien in Deutschland, die noch nach diesem Prinzip arbeiten.

Nassverzinken kann nicht automatisiert werden

„Durch dieses Verfahren, das nicht automatisiert werden kann“, wie der geschäftsführende Gesellschafter Jürgen Henke sagt, „erhält jedes Teil eine hohe Qualität mit gleichmäßiger Oberfläche ohne Abtropfnasen und Zinkspitzen“.

Heutzutage würde zwar fast nur noch nach dem Prinzip der Trockenverzinkung gearbeitet, die sei allerdings „nicht für alle Teile geeignet“. Die Besonderheit des Nassverzinkens, auch Hand- oder Zangenverzinkung genannt, bestünde nämlich darin, dass Artikel veredelt werden, die nicht oder nur schwer an die beim Trockenverzinken üblichen Gestelle angehängt werden können. Das seien unter anderem Hohlkörper, Körbe, Kästen, Eimer, Trichter, Ständer, Abdeckungen und auch Oldtimer-Teile.

Mit der Bearbeitung solcher Teile haben die Ahlener eine über 90-jährige Erfahrung. Nachdem Josef Renner 1923 den Betrieb für Feuerverzinkerei und Blechbearbeitung gegründet hatte, wurden in den Anfangsjahren vor allem verzinkte Haushaltswaren wie Ofenrohre, Badewannen, Waschkessel, Gießkannen sowie Geräte für Schweine- und Pferdeställe hergestellt.

„Einiges davon gehört auch heute noch zum Sortiment und wir können jederzeit auf Marktanforderungen und Kundenwünsche flexibel reagieren“, sagt Henke, der das Familienunternehmen in vierter Generation leitet.

Abfallbehälter werden zu Premiumprodukten

Neben der traditionellen Nassverzinkerei hat sich der ehemalige Handwerksbetrieb längst zu einem modernen Unternehmen entwickelt, dessen Produkte europaweit vertrieben werden. Der Grundstein dafür wurde in den 1990er Jahren gelegt, als man sich in Ahlen auf die Produktion von Abfallbehältnissen für den öffentlichen Bereich und die Industrie spezialisierte.

In vielen Innenstädten, Parkanlagen und anderen öffentlichen Plätzen finden sich Abfallbehälter, Ascher, Wertstoffsammler oder Hundetoiletten von Renner. „Als wir damit in den Markt gingen, waren wir in diesem Marktsegment ein unbeschriebenes Blatt“, so Henke. „Heute“, sagt der Firmenchef mit unverkennbarem Stolz, „sind das unsere Premiumprodukte, bei denen wir zu den Top 3 in Deutschland gehören.“

Beim Bordieren werden die scharfen Kanten von Mülleimern abgerundet. Daran haben die Ahlener hart gearbeitet. Vor allem wenn es um die Entwicklung neuer Produkte geht, setzt Renner auf Innovationen und vertraut dabei auf die eigene Kreativ- und Entwicklungsabteilung. "Bei uns haben alle verinnerlicht", so Henke, „dass ein Abfallbehältnis alles andere als ein profaner Artikel ist. Allein hinter den Schlössern steckt schon eine Menge Technik“.

Zudem seien die Behältnisse aufgrund ihrer besonderen Stabilität in gewissem Maße vor Beschädigungen und Vandalismus geschützt. Noch wichtiger aber sei das Design. „Abfallbehälter müssen nicht nur funktional sein, sie müssen vor allem auch gut aussehen“, sagt der Geschäftsführer. Und dass Renner da erfolgreich ist, belegen nicht nur die Verkaufszahlen, sondern auch zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Kreative Anreize bekäme Renner zudem ab und an bei gemeinsamen Projekten mit Künstlern und Hochschulen.

Bei Renner legt man Wert auf große Fertigungstiefe

Damit die hohen Qualitätsansprüche jederzeit erfüllt werden können, legt Geschäftsführer Henke Wert auf eine große Fertigungstiefe. So erfolgt die gesamte Produktion im eigenen Haus. Das nötige Material bezieht Renner vornehmlich von regionalen Partnern. Alle Artikel werden in der hauseigenen Verzinkerei veredelt, in der auch Lohnverzinkung betrieben wird. Und für die Kunden, die es farbig haben wollen, steht eine moderne Pulverbeschichtungsanlage zur Verfügung.

„Um unseren selbstgesteckten Anforderungen stets gerecht zu werden“, so Henke, „brauchen wir qualifizierte und engagierte Mitarbeiter“. Und auch da ist der umtriebige Geschäftsführer aktiv. Der Betrieb mit seinen rund 50 Beschäftigten wurde bereits als familienfreundliches Unternehmen zertifiziert, engagiert sich in Lernpatenschaften mit drei Hauptschulen, bildet regelmäßig aus und erhielt unter anderem 2009 den Interkulturellen Wirtschaftspreis für die Integration von Migranten.

Nassverzinkung hat Potenzial

Jürgen Henke sieht sein Unternehmen als eine Art Manufaktur, deren personalintensiv hergestellte Produkte nicht billig sind, dafür aber höchste Qualität bieten. Das würde bei den Kunden zunehmend geschätzt.

Entsprechend investiert Renner auch in alte Technologien, wie die Nassverzinkung. Waren in der Abteilung bisher nur angelernte Kräfte tätig, wird jetzt zum ersten Mal ein junger Mann zum Facharbeiter als Verfahrensmechaniker Beschichtungstechnik ausgebildet. Denn Geschäftsführer Henke sieht künftig in der Nassverzinkung ein großes Potenzial, „was schließlich nichts mit Alchemie zu tun hat“.

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