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Industrie 4.0

Die Herausforderung Digitalisierung meistern

| Autor: Stefanie Michel

Die Digitalisierung verändert den Maschinenbau. Doch es genügt nicht, innerbetriebliche Prozesse zu digitalisieren oder sich Gedanken über neue Produkte zu machen. Es spielt vielmehr alles zusammen, sodass sich auch Innovationszyklen und die Kultur in Unternehmen verändern wird.

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Hartmut Rauen: „Der digitale Wandel ist kein Selbstläufer. Wir müssen den Wandel selbst antreiben, um nicht Getriebene zu sein.“
Hartmut Rauen: „Der digitale Wandel ist kein Selbstläufer. Wir müssen den Wandel selbst antreiben, um nicht Getriebene zu sein.“
( Bild: Stefanie Michel )

Was auf zahlreiche Maschinenbauunternehmen zukommt, ist ein substanzieller Wandel ihrer Entwicklungsarbeit, ihrer Geschäftsmodelle und ihrer Unternehmenskultur. Einige schreiten als „First Mover“ voran, doch viele Unternehmen werden in den nächsten Jahren große Veränderungen durchlaufen. Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA und Geschäftsführer der FVA, erklärt, was auf die Unternehmen zukommen wird und wie der VDMA sie unterstützen kann.

So wichtig der digitale Wandel im Maschinenbau auch ist: Er kostet die Unternehmen viel Zeit und Geld. Wie können Sie Ihre Mitglieder unterstützen, diesen Wandel zu vollziehen?

Unsere erste Aufgabe ist es, zu sensibilisieren und für Transparenz zu sorgen. Dazu gibt es seitens des VDMA verschiedene Instrumente: allen voran den Industrie-4.0-Leitfaden – mittlerweile der Standard, um den Einstieg zu finden – und auch unseren Readiness-Check, der unseren Unternehmen hilft, sich selbst und anstehende Aufgaben zu verorten. Darauf basierend haben wir weitere Vertiefungen aufgesetzt: in Form von Leitfäden, Forschung und Informationstagen. Wir laden auch zu Factory Tours ein, um von „First Movern“ zu lernen; und mit unseren „Lab Tours“ vernetzen wir Maschinenbau und Wissenschaft.

Welche Herausforderungen kommen konkret auf die Unternehmen zu?

Nehmen Sie das Thema Geschäftsmodelle: Natürlich muss man erst die datenbasierten Wertschöpfungsteile realisieren. Dann kommen die ganzen Fragestellungen der Datenökonomie hinzu. Die Datengenerierung, die Datenanalytik, den Einsatz von KI-Tools – all das gilt es zu beherrschen. Außerdem wird man das Thema Bepreisung von digital basierten Services diskutieren müssen. Die Preisgestaltung digitaler Leistungen ist eine große Herausforderung für die Unternehmen. Das wird ein Umgewöhnen, denn früher war vieles integraler Bestandteil des Verkaufspakets der Maschine. Wenn jetzt Services separat positioniert werden, ist es für Kunden nicht so selbstverständlich.

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Es werden sich aber nicht nur die Kunden, sondern auch die Unternehmen wandeln müssen...

Wir haben schon in den nächsten Jahren die massive Herausforderung eines kulturellen Wandels in den Unternehmen. Hinzu kommt ein massiver technologischer Transformationsprozess. Letztendlich haben wir vier Hauptthemen: Digitalisierung, Elektrifizierung, Dekarbonisierung und aus meiner Sicht auch die Autonomisierung – also hin zu dezentral autonom agierenden Systemen. Da wird sich eine ganze Menge verändern, allein schon wegen der Kompetenzen, die damit einhergehen – mehr Informatik, mehr Elektronik, mehr Sensorik. Die Unternehmen stehen vor der Frage: Wie sind meine Leute heute aufgestellt? Zum Beispiel im Bereich Informatik ist das ja nicht so, dass die Experten zahlreich verfügbar wären. Das sind Engpassmärkte. Und abseits dieser Verfügbarkeit und notwendigen Kompetenzen ist die Denkweise auch eine andere. So wird die Frage, wann ich mit welchem Reifegrad meines Produktes an den Markt gehe, im Bereich der Informatik und der Softwareindustrie anders beantwortet als im Maschinenbau. Deshalb pushen wir etwa die agile Produktentwicklung in unseren Veranstaltungen.

Gibt der VDMA auch Hilfestellung, wenn Unternehmen in die Umsetzung gehen wollen?

Wir machen Beispiele des Machbaren transparent. Die Frage der Geschäftsmodellentwicklung hängt zunächst eng zusammen mit der Verfügbarkeit kompatibler Technologien und Prozesse. Sprich: Standardisierung der Machine-to-Machine Communication mittels OPC UA. Plattformökonomie ist zwar schnell gesagt, aber nicht so leicht getan, denn da gibt es viele Sollbruchstellen. Schon vor zwei Jahren haben wir in einer gemeinsamen Studie mit Roland Berger analysiert, wie die B2B-Plattformökonomie aus Sicht des Maschinenbaus aussieht und wo die Herausforderungen liegen. Mit einem Erfahrungskreis aus interessierten Unternehmen sind wir jetzt dabei, typische Use Cases weiter runterzubrechen. Von den Ergebnissen profitieren alle interessierten Unternehmen. Klar ist: Der Maschinenbau wird bei diesem Wandel investieren müssen. Aber was kostet eigentlich die Digitalisierung in meinem Unternehmen? Als Antwort haben wir im VDMA den Leitfaden Investitionskostenrechnung Industrie 4.0 entwickelt. Der digitale Wandel ist kein Selbstläufer: Mit solchen Angeboten wollen wir unseren Beitrag leisten, dass die Transformation zum Erfolg wird. Wir müssen den Wandel selbst antreiben, um nicht Getriebene zu sein.

Das Interview führte Stefanie Michel, Redakteurin beim MM Maschinenmarkt

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Über den Autor

Stefanie Michel

Stefanie Michel

Journalist, MM MaschinenMarkt

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