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Lamiera 2012 „Die italienische Biegemaschinenbranche braucht sich nicht zu verstecken“

| Autor/ Redakteur: Kirsten Haubert / Kirsten Nähle

Die italienische Blechbearbeitungsmesse Lamiera öffnet vom 9. bis 12. Mai 2012 bereits zum 16. Mal in Bologna ihre Pforten. In einem Interview äußerte sich Giancarlo Losma, Präsident des italienischen Werkzeugmaschinen- und Roboterverbands Ucimu - Sistemi Per Produrre, über die Marktentwicklung und die Bedeutung der Messe für den Biegemaschinensektor.

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Giancarlo Losma, Präsident Ucimu: "Die Lamiera ermöglicht es den Anwendern, Investitionsentscheidungen auf der Grundlage einer eingehenden Prüfung der stärksten auf dem Markt anzutreffenden Kompetenzen zu fällen." (Bild: UCIMU)

Herr Präsident Losma, wie entwickelt sich die Biegemaschinenbranche?

Dank ihrer technischen Weiterentwicklung sind die Biegemaschinen nunmehr in der Lage, bei gleichen Kosten signifikante Vorteile in Bezug auf die Endbearbeitung des Produkts und die Materialbeständigkeit zu bieten, und machen rund 30% der Gesamtheit des weltweiten Angebots an Werkzeugmaschinen aus.

Im Jahr 2010 (auf das sich die jüngsten auf internationaler Ebene vergleichbaren Daten beziehen) stieg die Produktion von Werkzeugmaschinen mit Biegetechnik weltweit um 17,6% auf rund 13.600 Mio. Euro.

Die Branchenführerschaft wurde von China übernommen, dessen Produktion einen Wert von fast 4000 Mio. Euro (+36,5%) erreicht hat, was 29,4% der weltweiten Gesamtproduktion entspricht. Hinter China rangiert Deutschland, das Biegemaschinen im Wert von knapp 2200 Mio. Euro (+2,8%) erzeugt hat, was 16% der Gesamtproduktion entspricht.

Italien, dessen Produktion um 2,6% auf 1880 Mio. Euro (13,8% der Gesamtproduktion) anstieg, konnte den dritten Platz im internationalen Ranking behaupten, noch vor Südkorea (1050 Mio. Euro) und Japan (950 Mio. Euro). Außerdem unterstrich Italien seine Spezialisierung auf den Bereich Biegetechnik, in dem die Produktion 49,6% der gesamten Branchenproduktion entsprach.

Angesichts des Umfelds scheint Italien also gut aufgestellt zu sein …

Abgesehen von den Zahlen ist entscheidend, dass die italienische Branche wegen ihrer von den Mitbewerbern im Ausland schwer nachzuahmenden Flexibilität und Anpassungsfähigkeit geschätzt wird. Die italienische Industriebranche muss nämlich, um sich auf dem internationalen Markt zu behaupten, auf dem Gebiet der Differenzierung ihres Angebots gegenüber jenem der wichtigsten Mitbewerber stark auftreten.

Ich denke da an das Angebot der Deutschen, das aus technischer Sicht und unter dem Support-Aspekt zweifellos stark ist. Die Italiener brauchen sich aber nicht daneben verstecken … das sagen ja die Zahlen und das Echo auf den internationalen Märkten. Der eigentliche Faktor, der das „Made in Italy“ der Branche von deutschen Erzeugnissen abgrenzt, ist die Produktionsweise. Die Deutschen sind erstklassige Lieferanten von Standardmaschinen, sie stehen für tadellose Qualität und rasche Lieferung, weil das Produkt in großen Mengen hergestellt wird. Die Italiener bieten, entsprechend dem Innovationsniveau, maßgeschneiderte Lösungen. Ein individueller Zuschnitt des Angebots, der aber auch längere Lieferfristen bedeutet … weshalb wir, die Hersteller des „Made in Italy“, wirklich alles daran setzen müssen, die „time to delivery“ nach Möglichkeit zu verkürzen.

Wir haben von der Rolle der italienischen Hersteller im internationalen Panorama gesprochen. Nun wiederum sprechen wir von der Rolle des Marktes Italien für den Biegetechnikbereich.

Italien spielt auch in der Weltrangliste der Abnahme von Werkzeugmaschinen mit Biegetechnologie eine führende Rolle. Hinter China, das mit einem Konsum von über 3,5 Mrd. Euro 35,6% des weltweiten Gesamtkonsums bestreitet, kommen gleich Deutschland und Italien, die sich Rang zwei auf der Rangliste mit einem Anteil von 9,8% beziehungsweise 9,2% streitig machen.

Klar also, dass Italien einen zumindest ebenso interessanten und lebendigen Markt darstellt wie Deutschland, mit großem Vorsprung vor Verfolgern wie Südkorea, den USA, Brasilien, Russland.

Und trotz der vorhandenen Kapazität der italienischen Hersteller, auf dem Inlandsmarkt den Ton anzugeben, bietet die Stärke der von den italienischen Anwendern herrührenden Nachfrage auch ausländischen Herstellern interessante Chancen und die versäumen natürlich nicht die Teilnahme an der Lamiera, der Referenzmesse für die Akteure der Branche.

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