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Spannzeuge Die Spanntechnik als integrativer Bestandteil des Prozesses

| Redakteur: Rüdiger Kroh

Erstmals findet auf der Metav das Forum Spanntechnik statt. Laut Hans-Joachim Molka, Vorsitzender der Fachabteilung Spannzeuge des VDMA-Fachverbands Präzisionswerkzeuge, will man die Veranstaltung nutzen, um mehr Wissen über die Bedeutung der Spanntechnik an den Endkunden zu bringen.

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„Wir schätzen, dass der Zuwachs der Spanntechnik in diesem Jahr im mittleren bis oberen einstelligen Bereich angesiedelt sein wird”, sagt Hans-Joachim Molka, Geschäftsführer der Römheld-Gruppe und Vorsitzender der Fachabteilung Spannzeuge im VDMA.
„Wir schätzen, dass der Zuwachs der Spanntechnik in diesem Jahr im mittleren bis oberen einstelligen Bereich angesiedelt sein wird”, sagt Hans-Joachim Molka, Geschäftsführer der Römheld-Gruppe und Vorsitzender der Fachabteilung Spannzeuge im VDMA.
(Bild: Kroh)

Herr Molka, die Spannzeuge sind innerhalb des VDMA-Fachverbands Präzisionswerkzeuge der kleinste Bereich. Wie ist das vergangene Jahr speziell für das Segment Spanntechnik verlaufen?

Molka: Nach Umsatzzahlen ist diese Betrachtung richtig. Von den 8,7 Mrd. Euro Umsatz der Präzisionswerkzeuge entfallen auf den Werkzeugbau 4,5 Mrd. und damit 52 % und auf die Zerspanungswerkzeuge 3,1 Mrd. oder 35 %. Die Spannzeuge haben einen Anteil von 13 %, was 1,1 Mrd. entspricht. Nehmen wir aber die Mitgliederzahlen, so sieht es anders aus. Von den insgesamt 180 Mitgliedern im Fachverband gehören 81 oder 44 % der Zerspanung an und schon dann folgen die Spannzeuge mit 56 Mitgliedern und damit einem Anteil von 30 %. Aber kommen wir zum Jahr 2013, das für die Spanntechnik passabel verlaufen ist. Wir lagen mit einem Minus von 4 % etwas hinter den Präzisionswerkzeugen insgesamt, die eine Stagnation auf hohem Niveau hatten.

Gab es Branchen oder Regionen, wo sich die Spanntechnik besonders gut entwickelt hat?

Molka: Ein Treiber dieser Entwicklung war die Automobilindustrie, die ein großes Gewicht in der Zerspanung und Spanntechnik insgesamt hat. Hier haben wir eine verstärkte Verschiebung in Richtung Asien und speziell nach China feststellt. Erfreulich war auch die Entwicklung in der Luftfahrtindustrie und bei Schienenfahrzeugen weltweit. Allerdings ist für die Spanntechnik auch der Wettbewerb immer größer geworden und die Konkurrenzsituation hat sich durch die Öffnung der Weltmärkte geändert. Das bedeutet für die Spanntechnikhersteller, sich der Herausforderung durch Innovation zu stellen – aber davon lebt die Spanntechnik seit 50 Jahren erfolgreich.

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Wie sind im Bereich Spanntechnik die Erwartungen für 2014?

Molka: Der Fachverband geht für die Präzisionswerkzeuge von einem Produktionsplus von 4 % aus. Wir schätzen, dass der Zuwachs der Spanntechnik im mittleren bis oberen einstelligen Bereich angesiedelt sein wird.

Auf der Metav findet am 12. März erstmals das Forum Spanntechnik statt. Was ist die Intention der Veranstaltung und was kann der Besucher dort erwarten?

Molka: Wir wollen die Wichtigkeit der Spanntechnik unterstreichen und die Notwendigkeit, sie als integrativen Bestandteil des Fertigungsprozesses zu betrachten. Aufgrund der vielen Einflüsse der Spanntechnik – angefangen bei der Betriebsart über die konstruktive Auslegung der Spannvorrichtungen oder der gesamten Sensorik – ist es erforderlich, dem Anwender zu zeigen, welche Möglichkeiten er heute mit der Spanntechnik hat, das Bearbeitungsergebnis weiter zu optimieren und eine wiederholgenaue Fertigung aufzubauen.

In welchem Maße ist denn dieses Bewusstsein über die Einflussmöglichkeiten beim Anwender vorhanden?

Molka: Es ist sicherlich so, dass die OEM und die Maschinenhersteller sehr tief im Spanntechnik-Know-how stecken und dort dieses Bewusstsein für die Bedeutung auch vorhanden ist. Aber es gibt eine ganze Reihe von kleinen und mittleren Unternehmen, die als Endanwender die Spanntechnik nutzen und leider häufig im Investitionsprozess viel zu spät an die Spanntechnik denken. Damit verwirken sie die Möglichkeit, die Spanntechnik optimal an die Anforderung anzupassen, und müssen sich mit Kompromissen zufriedengeben. Daher ist es wichtig, mehr Informationen und mehr Wissen über die Bedeutung der Spanntechnik an den Endkunden zu bringen.

Soll das Spanntechnikforum dann unabhängig von der Metav jedes Jahr stattfinden?

Molka: Wir sind jetzt gespannt auf die Resonanz der Erstveranstaltung, können uns aber im VDMA-Fachverband durchaus weitere Veranstaltungen auch außerhalb der Metav vorstellen. Die ständige Fortentwicklung in der Spanntechnik bedingt es schon, dass wir kontinuierlich informieren müssen.

Bleiben wir beim Thema Weiterentwicklungen. In jüngster Vergangenheit war immer wieder von intelligenten Spannsystemen die Rede. Wie ist dort der aktuelle Stand?

Molka: Die Intelligenz der Spanntechnik liegt ja schon im Detail der Entwicklung der Bauteile. Intelligenz steckt schon in der Art und Weise, wie ein Spannelement konzipiert ist. Um jetzt die Spanntechnik zu einem integrativen Bestandteil werden zu lassen, brauchen wir eine Verknüpfung. Dazu ist es notwendig, dass die Spanntechnik mehr und mehr mit Intelligenz, sprich mit Elektronik, versehen wird, um sie in die Steuerung der Maschinen einzubinden. Das reicht von der einfachen Druckabfrage bis zur Prozesssteuerung, wo zum Beispiel der Schruppvorgang mit einer höheren Spannkraft durchgeführt wird als der anschließende Schlichtvorgang. Und diese Anpassung der Spannkraft erfolgt automatisch über die Maschinensteuerung.

* Das Interview führte MM-Redakteur Rüdiger Kroh

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