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Elektromobilität Die Straßenlaterne als Tankstelle

| Redakteur: Beate Christmann

Elektromobilität funktioniert nur mit der entsprechenden Infrastruktur. Um die Akzeptanz und Verbreitung elektrisch betriebener Fahrzeuge zu erhöhen, haben Leipziger Wissenschaftler gemeinsam mit den Leipziger Stadtwerken Stromtankstellen entwickelt, die in Straßenlaternen integriert und mit einem flexiblen Bezahlsystem ausgestattet sind. Vier dieser Ladestationen wurden nun in Betrieb genommen.

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Eine von vier Straßenlaternen mit integrierter Ladestation für Elektrofahrzeuge in der Leipziger Innenstadt – hier in der Mozartstraße.
Eine von vier Straßenlaternen mit integrierter Ladestation für Elektrofahrzeuge in der Leipziger Innenstadt – hier in der Mozartstraße.
(Bild: Leipziger Gruppe )

Elektroauto schön und gut - aber wo wird das Gefährt wieder aufgeladen? Während auf dem Land die heimische Garage in der Regel leicht mit einer Ladestation nachgerüstet werden kann, bietet sich diese Option im engen (Groß-)Stadtverkehr nicht. Fehlende Ladestationen sind mit ein Grund dafür, dass die Akzeptanz alternativ angetriebener Fahrzeuge in der Bevölkerung alles andere als selbstverständlich ist. Dabei hat die Bundesregierung ihr ambitioniertes Ziel von 1 Mio. Elektroautos bis 2020 auf deutschen Straßen jüngst bestätigt.

Mit einer Reichweite von aktuell durchschnittlich 210 km sind Elektroautos vor allem für kurze Fahrten in Großstädten attraktiv. Aufgrund von Platzmangel parken die meisten Autobesitzer hier in der sogenannten Laternengarage – also auf der Straße. Die künftigen E-Auto-Besitzer sind damit also auf eine flächendeckende, öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen. Im August wurden in Leipzig vier Straßenlaternen mit integrierter Ladestation für Elektroautos eingeweiht. Konzipiert und entwickelt wurde die Technologie von Wissenschaftlern der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) gemeinsam mit den Leipziger Stadtwerken, einem Unternehmen der Leipziger Gruppe.

Laternen einfach nachrüsten

Die Vorteile des Laternenparkens liegen auf der Hand: Laternen sind bereits vorhanden und können vergleichsweise einfach und kostengünstig nachgerüstet werden – ein wichtiger Schritt für die Mobilität von morgen. Falls die Leistung des vorhandenen Beleuchtungsnetzes ausreicht, müssen nicht einmal neue Stromleitungen verlegt werden. Elektroautos können so über am Wohnort über Nacht oder tagsüber in Arbeitsplatznähe geladen werden.

„Die Technologie in den Ladestationen besteht aus modular kombinierbaren Komponenten, die sich an verschiedenste Anwendungssituationen anpassen lassen: Damit sind die Lademodule in alle gängigen Straßenlaternen, aber auch in anderes Stadtmobiliar oder in herkömmliche Ladeboxen integrierbar“, erklärt Projektleiter Prof. Andreas Pretschner vom Institut für Prozessautomation und Eingebettete Systeme an der HTWK Leipzig. Für die Kommunikation zwischen Elektroauto, Ladestation und Stromversorger kommen frei nutzbare, standardisierte Protokolle zum Einsatz. Stellt also eine Kommune, ein Stromanbieter oder ein privater Gewerbetreibender eine solche Ladestation auf, kann zwischen verschiedenen Abrechnungsmodellen gewählt werden. Damit ist das Leipziger Laternenparken-System flexibler als ähnliche Konzepte in Berlin und München, bei welchen der Anbieter für die Abrechnungsinfrastruktur jeweils vorgegeben ist.

Vier Ladelaternen in Leipzig

Seit Sommer 2016 kommen in Leipzig die ersten Ladelaternen zum Einsatz. So wird die Mozartstraße im Leipziger Musikviertel von vier neuen LED-Laternen beleuchtet, an denen jeweils eine Ladestation angebracht ist. Die Ladestationen sind eingebunden in die 160 Ladepunkte umfassende Ladeinfrastruktur der Leipziger Stadtwerke. Diese stellen den Ladestrom bislang noch allen Nutzern kostenlos zur Verfügung. Ladekarten zur Identifikation an den Ladestationen sind bei den Leipziger Stadtwerken erhältlich.

Innerhalb der Forschungskooperation zwischen HTWK Leipzig und Leipziger Stadtwerken wurde die Technologie so weit entwickelt und getestet, dass sie zukünftig als marktreifes Produkt zur Verfügung steht: „Andere Kommunen im Umland haben schon Interesse an den Ladelaternen angemeldet. Daneben erwarten wir für die Zukunft auch eine wachsende Nachfrage von Gewerbetreibenden, beispielsweise von Parkhausbetreibern oder Einkaufszentren“, so Andreas Pretschner. Zwei Leipziger Unternehmen, das Ingenieurbüro Taubert Consulting und das Beleuchtungsunternehmen Leipziger Leuchten, werden die Technologie weiter vermarkten.

Das Projekt Laternenparken wurde durch Mittel des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Programms Schaufenster Elektromobilität der Bundesregierung gefördert. Das Vorhaben wurde aus sozio-ökonomischer Perspektive vom Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie IMW und aus psychologischer Perspektive von der Universität Leipzig begleitet.

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