Sägeanlage Digitalisiert sägen

Ein Gastbeitrag von Nicole Moser

Stahlhandel der Zukunft: Eine voll automatisierte und digitalisierte Sägeanlage mit Hochregallageranbindung hat Meba bei Günther + Schramm realisiert.

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Einweisung und Inbetriebnahme bei Günther und Schramm.
Einweisung und Inbetriebnahme bei Günther und Schramm.
(Bild: Meba)

Die Meba Metall-Bandsägemaschinen GmbH hat aktuell eines der komplexesten Projekte ihrer Firmengeschichte realisiert: Die Sägeanlage bei Süddeutschlands führendem Systemdienstleister für Stahl, Edelstahl und Aluminium, der Günther + Schramm GmbH. In einer gemeinsamen und sehr engen Planungsphase von knapp einem Jahr haben die beiden Unternehmen eine voll automatisierte, digitalisierte Sägeanlage mit Rollenbahnen, Hochregallageranbindung, Kurzteileentsorgung und wegweisenden Neuerungen in den Maschinen entwickelt und verwirklicht. Ausgangslage für das Projekt waren zwei in die Jahre gekommene Sägen, eine Kreis- und eine Bandsäge, die ersetzt werden sollten. Die ganz klare Zielvorgabe von Kundenseite hieß: Prinzipiell soll der Ablauf der gleiche bleiben wie bisher, jedoch muss die Ausbringung deutlich gesteigert werden. Meba und Günther + Schramm waren sich dabei nicht fremd: Bereits in der Vergangenheit hatten die beiden Unternehmen ein gemeinsames Projekt zum Einstieg in die Dünnschnitt-Technologie verwirklicht.

Andreas Priel, technischer Projektleiter und Entwicklungschef bei Meba berichtet nicht ohne Stolz von der jetzt gemeinsam entwickelten Komplettanlage: „Die Leitung dieses Projekts war eine Herausforderung und hat gleichzeitig riesig Spaß gemacht. Der Dialog mit dem Kunden und das gemeinsame Projektmanagement mit dem Projektleiter Herrn Walz von Günther + Schramm waren sehr konstruktiv. Meba hat, vor allem was die Lageranbindung angeht, Neuland beschritten. Im Ergebnis ist die Technik der gesamten Anlage schlicht ohne Kompromisse. Wir konnten die Kundenwünsche bis ins letzte Detail und nach technisch höchsten Ansprüchen umsetzen.“ Und tatsächlich wird nun im Ergebnis der vorhandene Platz bei Günther + Schramm kompakter ausgenutzt. Durch den hohen Automatisierungs- und Digitalisierungsgrad wird eine deutlich messbare Produktivitätssteigerung für den Stahlhändler möglich. In einer ersten Phase hat Meba die Ausbringungsmenge der Bestandsmaschinen für die letzten zwei Jahre bewertet. Die neue Anlage wird knapp die doppelte Menge ausbringen können.

Zwei baugleiche Hochleistungsbandsägen angebunden an Hochregallager

Zu den Besonderheiten des Projektes gehörte für Meba sicherlich der Vollautomatismus der Anlage in Verbindung mit einem Hochregallager sowie die realisierte Kurzteileentsorgung. Meba ist Spezialist für Bandsägemaschinen, baut keine eigenen Lagersysteme und hat keine Kooperationssysteme im Haus. Die Lageranbindung forderte folglich ein hohes Maß an Flexibilität von Meba. Der Bandsägenspezialist hat sich mit diesem Projekt den Aufgaben des Kunden gestellt und am Ende sein ausgeschriebenes Motto der Nutzenorientierung einmal mehr mit Tatsachen untermauert: Sehr wichtige Ergebnisse für den Kunden sind die Leistungssteigerung, eine höhere Schnittleistung, kurze Wege, ein intelligentes Verteilerkonzept, die einfache Bedienung durch moderne, digitalisierte Technik und der hohe Automatisierungsgrad.

Die Grundlage für die Komplett-Sägeanlage bilden zwei Hochleistungsautomaten Mebamat 330. Beide Maschinen sind technisch identisch, jedoch spiegelbildlich, links und rechts zueinander angeordnet. Die baugleichen Sägen haben im Gegensatz zu der vorigen Lösung gleiche Bau- und Verschleißteile, wodurch die Ersatzteilbeschaffung und der Wartungsaufwand optimiert wurden. Die Sägeautomaten sind mit dem Hochregal der Firma Remmert vernetzt. Aufträge werden automatisch über SAP-Schnittstelle von der Arbeitsvorbereitung generiert. Über die Vernetzung und eine Schnittstelle werden auch automatisch Schnittwerte generiert und findet die Integration von Fördersystemen zum Regallager statt. Der Bediener kann am Rechner auswählen, ob er den Auftrag an der Maschine links oder rechts ausführen will, je nach Auslastung beziehungsweise, ob es sich um längere oder kürzere Stücke handelt. Die Abschnitte werden nach einem festgelegten Verteilerkonzept in die richtige Sortierbox eingeordnet.

Die Sägeanlage ist mit einem automatischen Pick-System, ebenfalls von der Firma Remmert ausgestattet. Das Kundenmaterial ist in Kassetten, geeignet für eine maximale Materiallänge von 6 m, eingelagert. Das automatische Pick-System nimmt das Material aus der Kassette heraus und legt es auf einen Pendelrollengang. Durch die Vernetzung weiß das Regal, wo welches Material liegt. Damit dieser Vorgang von der zentralen Steuerung aus erfolgen kann, wurden die Pendelrollengänge mit neuen Sensoren versehen. Dies bedeutete für Meba ein Retrofit der Sensorik. Je nachdem, welches Material über SAP angewählt wird, wird die Kassette ausgelagert. Das Pick-System, ein automatisch arbeitendes Greifsystem, speziell entwickelt für Langgutmaterialien, greift in die Kassette hinein und legt das Material auf die Pendelrollenbahn. Selbst Reststücke nimmt der Picker auf und lagert diese wieder in das Hochregallager ein.

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Technische Neuerungen bei den Hochleistungs-Bandsägeautomaten

Die Hochleistungssägen Mebamat 330 haben im Rahmen des Projektes einige technische Neuerungen erhalten. So sind zum Beispiel die Transportrollen in den neuen Maschinen synchron angetrieben. Auch gibt es einen Nullanschlag, der das Material ausrichtet. Der Spannstock ist zur Teileentsorgung verfahrbar. In die Sägeautomaten integriert ist ein Förderbandsystem (Scharnierbandförderer). Das Förderband reicht in die Maschine hinein. Diese ist mit abfuhrseitigen Abschiebern für lange und kurze Teile versehen. Anschnitte und Reststücke fallen heraus. Die gesägten Teile werden in vorgesehenen Sortierboxen mit dem Hubwagen weggenommen. Einige dieser Neuerungen plant Meba in Serie zu übernehmen.

Im Anschluss an die Zufuhrrollenbahn ist eine Pendelrollenbahn an den Meba-Maschinen angebracht, zwei Rollenbahnen parallel nebeneinander. Eine der beiden dient als Vorbereitungsrollenbahn. Das Material wird nach der Bearbeitung herausgefahren, dann quer verfahren und neues Material kann schon wieder zur Bearbeitung in die Maschine einfahren. Durch das Versetzen des Materials über zwei Rollenbahnen kann Günther + Schramm nebenzeitenreduziert arbeiten.

Schnittstellenproblematik durch intelligente Software gelöst

Die neue Sägeanlage bei Günther + Schramm ist komplett digitalisiert und mit moderner Software ausgestattet. Gerade auch die Schnittstellenproblematik wurde für diese Anlage elegant gelöst. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Meba NC-Server. Die Sägeanlage kommuniziert mit fremden Systemen, mit SAP und darüber auch mit dem Hochregallager. Meba hat den kompletten Zugriff auf alle Regler. Günther + Schramm kann über Modem in Diagnose und Bedienung unterstützt werden. Die Daten von Remmert werden aufbereitet und im folgenden spezielle Programme mit Parametern erstellt und in die Säge gespeist. Meba kann dem Kunden jederzeit eine Statusmeldung geben, wie lange die Säge noch braucht, sprich wie weit der Auftrag fortgeschritten ist - eine extrem wichtige Rückmeldung zur Auslastung für Günther + Schramm.

Der im Meba-Vertrieb für Projekte zuständige Michael Johannsen resümiert: „Ich habe über die Jahre schon viele komplexe Aufträge umgesetzt. Dieses Projekt gehört sicherlich zu den größten, gerade in Punkto Automatisierung und Digitalisierung. Die Leistungssteigerung und die einfachere Bedienung durch moderne Technik und den hohen Automatisierungsgrad ist für den Kunden wichtig. Günther + Schramm erhält dadurch eine höhere Schnittleistung, kurze Wege und ein Verteilerkonzept, das alles einfacher macht. Wir stehen für nutzenorientierte Sägekonzepte. Und es ist klar, dass es dabei ohne den Kunden nicht geht. Es ist einfach toll, die Anlage im Dialog mit dem Kunden zu verwirklichen. Durch die gute Zusammenarbeit hat alles sehr gut funktioniert. Mit diesem Projektmanagement haben wir gezeigt, dass wir flexibel auf Kundenwünsche eingehen und auch kurzfristig reagieren können.“

Die Inbetriebnahme: eine entscheidende Projektphase

Neben der Entwicklung und technischen Umsetzung der gesamten Sägeanlage zählte die Inbetriebnahme zu den entscheidenden Projektphasen. Ziel vom Kunden Günther + Schramm war selbstredend, die Stillstandzeiten auch bei der Inbetriebnahme so gering wie möglich zu halten. Ausgerufene Zielzeit für die Inbetriebnahme von zwei neuen Sägeautomaten mit neuer Technik und Hochregallageranbindung waren nur drei Wochen. Alle drei Parteien, Meba für die Sägeanlage, Remmert als Lieferant für das Regal- und Pick-System und Günther + Schramm als Kunde mussten sich dafür extrem eng abstimmen und ihre Kommunikation in dieser Phase noch weiter optimieren. Remmert kümmerte sich um das Retrofit der Hochregallagertechnik. Meba und Günther + Schramm haben die alten Maschinen abgebaut und den Platz vorbereitet. Im Anschluss konnte Meba die neuen Maschinen aufbauen. Die Rollenbahnen mussten ausgetauscht und Kabel eingezogen werden. Innerhalb von nur einer Woche standen die Meba Maschinen komplett funktionsbereit da. Anschließend wurde die Inbetriebnahme weiter vorangetrieben. Insgesamt wurde die Zielzeit von nur drei Wochen erreicht. Alle Beteiligten haben dafür einen gleichermaßen hohen Arbeitsaufwand betrieben, Hand in Hand und hoch konzentriert. Nur so war diese Leistung möglich. Nach nur drei Wochen folgte die Phase des Testbetriebs, in der bereits wieder Kundenaufträge abgearbeitet wurden. Projektleiter Walz von Günther + Schramm zieht ein positives Fazit: „Die Inbetriebnahme war für uns nochmal eine entscheidende Phase im Projekt. Das ist einwandfrei gelaufen. Insgesamt haben wir eine sehr gute kooperative Zusammenarbeit mit Meba hinter uns. Die Anlage bringt uns in dieser Form einen großen Mehrwert.“

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