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Wissenschaft und Industrie Eine Kooperation mit Erfolg – das FSI feiert zehnjähriges Jubiläum

| Autor / Redakteur: Ines Hopfer-Pfister / M.A. Frauke Finus

Entsprechend den Gesetzen der Physik kann man Konzentration und Stärke erwarten, wenn Kräfte gebündelt werden. Dass dies auch für Wissenschaft und Wirtschaft seine Gültigkeit hat, haben die TU Graz und der Automobilzulieferer Magna mit der zehnjährigen Erfolgsgeschichte des Frank-Stronach-Instituts (FSI) bewiesen. Die 2003 geschlossene Kooperation hat sich zu einem Exzellenzzentrum der europäischen Fahrzeugtechnologie entwickelt.

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Mit Hilfe des Presshärtens werden Bauteile mit ultrahöchstfesten Eigenschaften, zum Beispiel B-Säulen, für die Automobilindustrie erzeugt.
Mit Hilfe des Presshärtens werden Bauteile mit ultrahöchstfesten Eigenschaften, zum Beispiel B-Säulen, für die Automobilindustrie erzeugt.
(Bild: TU Graz/Lunghammer )

„Wir haben es geschafft, zwei unterschiedliche Welten zu vereinen. Die Universität, die Grundlagenforschung und Lehre betreibt, und ein Automobilzulieferunternehmen in einem sich schnell ändernden Umfeld, das Auftragsforschung betreibt und auf die Anforderungen des Marktes reagieren muss“, sagt Günther Apfalter, President Magna Europe & Magna Steyr. Die Ziele haben sich erfüllt: „Universität und Unternehmen schaffen gemeinsam Wissen am Puls der Zeit und damit Know-how für Fahrzeugtechnologie auf höchstem Niveau“, so Harald Kainz, Rektor der TU Graz. Und auch die Zahlen sprechen für sich: 192 Abschlussarbeiten wurden seit 2005 an den FSI-Instituten verfasst. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beläuft sich derzeit auf 90 und hat sich damit in diesem Zeitraum verdoppelt. 900 wissenschaftliche Berichte konnten in der zehnjährigen FSI-Geschichte publiziert werden.

Auf dem Weg zur Internationalität

Der Idee einer private public university folgend, wurde das FSI bei der Gründung mit seinen eigenständigen Instituten in den Bereich Maschinenbau der TU Graz eingegliedert. Eingerichtet wurden die vier Institute Fahrzeugtechnik, Fahrzeugsicherheit, Werkzeugtechnik und spanlose Produktion (Tools and Forming) sowie Production Science and Management. In der Entwicklung hat sich die Struktur verändert: Dieses Jahr erfolgte die Konzentration auf die Institute Fahrzeugtechnik, Tools and Forming sowie Production Science und Management. Neu hinzu kam der Forschungsbereich Automotive Mechatronik. Seit Beginn legt man am FSI Augenmerk auf Internationalität, um die Absolventinnen und Absolventen gut auf die Anforderungen einer immer globaler werdenden Wirtschaft vorzubereiten. Universitätsprofessor und FSI-Sprecher Ralf Kolleck erläutert am Beispiel des Instituts für Werkzeugtechnik und spanlose Produktion: „Im Unterschied zu anderen Umforminstituten arbeiten wir sehr anwendungsorientiert. Bei der Entwicklung neuer Materialien bewerten wir im Vorfeld mit der Industrie die Bedeutung des Werkstoffs und klären, wie er in die Produktion integriert werden könnte. Dieser Ansatz findet international Anklang, wie die steigenden Kooperationen zeigen: Die Zusammenarbeit mit deutschen Firmen funktioniert schon lange sehr gut. Aktuell werden wir internationaler und stärken auch Kontakte ins nicht deutschsprachige Ausland.“ Die Projekte gehen über den Automobilbereich hinaus. In der Edelstahlverarbeitung gilt es, Materialeigenschaften besser auszunutzen. Außerdem gibt es weltweite Verbindungen in Sachen Lehre und Fortbildung. Seminare der Grazer Forscherinnen und Forscher vom FSI gibt es unter anderem in Mexiko, Brasilien, Peking und Schanghai.

Verschiedene Forschungsansätze

Vielfältig wie die weltweiten Kontakte des FSI sind auch die Forschungserfolge der Einrichtung: „Wir haben zum Beispiel den Prototyp eines Induktionsofens für die Automobilindustrie gebaut. Dabei wird das gleiche Prinzip wie bei einem Induktionsherd in der Küche angewandt – Energie wird in Form eines elektromagnetischen Wechselfeldes übertragen und in Wärme umgewandelt“, erklärt Kolleck. Kommt das Prinzip der Induktion beim Erwärmen des Blechs beim Presshärten von Bauteilen in der Automobilindustrie zum Einsatz, könnte man schneller produzieren und das bei drastischen Energieeinsparungen. Bauteile aus dem innovativen Sandwich-Material Cimera haben die Expertinnen und Experten des FSI gemeinsam mit der Firma 4a für das Konzeptfahrzeug Cult erprobt. In der Fahrzeugtechnik am FSI wird an neuen Mobilitätskonzepten für den urbanen Bereich geforscht, auch die Integration von Fahrerassistenzsystemen ist Thema. Patentiert wurde unter anderem die Idee für eine Absenkung des Aufliegers am Heck von Sattelzügen. Mit dieser Anpassung an die Beladung soll bei Lkws der Luftwiderstand enorm reduziert werden. Marktreif soll das System in zwei bis drei Jahren sein. Die Industrie 4.0 ist ebenso aktuelle Herausforderung für die Technikerinnen und Techniker: Die agile Produktion in der Fabrik der Zukunft ist Thema eines Forschungsprojektes mit Magna Steyr.

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