Werkzeugmaschinenindustrie Eine Siegerbranche hat (vorerst) ausgeboomt

Redakteur: Jürgen Schreier

Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie hat ihre Prognose – vorgesagt wurde ein Produktionsrückgang um 15% im Jahr 2009 – bestätigt. Nach einen sehr guten Werkzeugmaschinenjahr 2008 droht damit für 2009 das Gegenteil.

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VDW-Vorsitzender Carl Martin Welcker: „Die Indikatoren mehren sich, dass es noch schlimmer kommen könnte.“ Bild: VDW
VDW-Vorsitzender Carl Martin Welcker: „Die Indikatoren mehren sich, dass es noch schlimmer kommen könnte.“ Bild: VDW
( Archiv: Vogel Business Media )

Carl Martin Welcker, Vorsitzender des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW (), erklärte dazu in Frankfurt am Main vor der Presse: „Wenn sich die „Schockstarre“ der Investoren nicht in den nächsten Wochen spürbar entkrampft, wird dies bestenfalls der obere Eckwert sein, denn die Indikatoren mehren sich, dass es noch schlimmer kommen könnte.“

Die Erwartungen basieren vor allem auf dem jähen Absturz der Bestellungen im vierten Quartal 2008. Es bescherte der Branche, die über Jahre zweistellige Auftragseingänge eingefahren hatte, einen Bestellrückgang um 54% (Vorjahresvergleich). „Zum ersten Mal seit fünf Jahren lagen damit die Bestellungen für das Gesamtjahr 2008 wieder im Minus, mit 10%“, so Welcker.

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Dennoch will man den Kopf nicht hängen lassen, schließlich sei die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie besser aufgestellt als ihre internationalen Wettbewerber und besser als zu Beginn früherer Konjunkturabschwünge.

Beispielloser Aufschwung in den vergangenen fünf Jahren

Allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass der Absturz der Branche von einem sehr hohen Gipfel erfolgte. . So hat der Werkzeugmaschinenbau 2008 mit einem Zuwachs von 13% auf rund 14,3 Mrd. Euro zum vierten Mal in Folge eine neue Bestmarke erreicht. In den vergangenen fünf Jahren ist die Branche damit um fast 60% gewachsen.

Zum Erfolg trug im vergangenen Jahr insbesondere das Inland bei. Der Verbrauch stieg um mehr als ein Fünftel auf 8,9 Mrd. Euro und wurde zu etwa 60% aus heimischer Produktion gedeckt. Die Ausfuhren legten, von einem ebenfalls sehr hohen Niveau ausgehend, um weitere 5% auf 8,2 Mrd. Euro zu. Wachstumstreiber waren Südamerika sowie Ost- und Südostasien.

Bei den Standardmaschinenherstellern leeren sich die Auftragsbücher

Die Kapazitäten waren 2008 im Schnitt zu 94,7% ausgelastet; der Auftragsbestand lag durchschnittlich bei 8,7 Monaten. Aktuell ist insbesondere die Kapazitätsauslastung im Januar dieses Jahres bereits deutlich gesunken, und zwar auf 83%. Besonders stark davon betroffen sind die Hersteller von Universal- und Standardmaschinen, die auf die effiziente Herstellung großer Stückzahlen getrimmt sind. Bei Sondermaschinen ist der Auftragsbestand nach wie vor hoch.

Turbulenzen in der Automobilindustrie schlagen voll durch

Der Werkzeugmaschinenbau beliefert die gesamte Industrie mit Maschinen für die Metallbearbeitung. Je 30% des Umsatzes werden mit der Automobilindustrie und ihren Zulieferern sowie mit dem Maschinenbau getätigt. Unter der weltweiten Absatzkrise der Autoindustrie und den enormen Struktur- und Finanzproblemen der US-Automobilkonzerne hat insbesondere das Volumengeschäft mit Standardwerkzeugmaschinen zu leiden. In diesen Absatzmärkten ist nach Aussagen Welckers erst auf mittlere Sicht wieder mit einer verstärkten Nachfrage nach Produktionstechnik zu rechnen.

Aktuell ist man in der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie bemüht, die Fachkräfte weitgehend an Bord zu halten. „Die Sicherung der Kernbelegschaften ist eine der obersten Prämissen für den Werkzeugmaschinenbau, da im nächsten Aufschwung kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dringend benötigt werden“, bekräftigte Welcker in Frankfurt. Hilfreich seien die flexibleren Strukturen am Arbeitsmarkt mit Arbeitszeitkonten, und Ausweitung der Kurzarbeit. Beides helfe, Durststrecken zu überwinden.

Mit Sonderlösungen aus der Krise?

Stützend wirkt sich außerdem aus, dass deutsche Werkzeugmaschinenanbieter häufig auf Speziallösungen für die Fertigung setzen. Damit sind sie vielfach im Projektgeschäft verankert, wo es weniger Beschaffungsalternativen gebe. Das mache die Herstellerfirmen unabhängiger von kurzfristigen Nachfrageschwankungen. Problematisch sei allerdings, dass laufende Projekte derzeit nicht zum Abschluss gebracht würden. Das binde Kapital und belaste die Unternehmen zusätzlich.

VDW fordert: Vertrauenskrise schnell überwinden

Grundsätzlich könnten die deutschen Werkzeugmaschinenhersteller von ihrer guten Wettbewerbsposition nur profitieren, wenn die Nachfrage anspringe, so Welcker. Oberste Pflicht sei es daher, das globale Finanzsystem wieder funktionsfähig zu machen und Vertrauen zu schaffen. „Auch wenn unsere Branche im Schnitt derzeit noch für gut ein halbes Jahr Aufträge hat, rennt ihr möglicherweise die Zeit davon, bis Erfolge sichtbar werden“, gab Welcker zu bedenken.

Abschottungsstrategien einzelner Länder erteilte der VDW-Vorsitzende eine klare Absage. Die Werkzeugmaschinenindustrie sei auf den freien Welthandel angewiesen. Als wenig lösungsorientiert betrachtet er auch einen Länderwettbewerb um die höchsten Subventionen.

(ID:290660)