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Innovationsrestrukturierung

Entwickeln statt entlassen

| Redakteur: Jürgen Schreier

In der Krise sind jetzt die Weichen für den nächsten Aufschwung zu stellen. Erfolgreiche Innovatoren leiten Teile der abzubauenden Ressourcen in Innovations- und Wachstumsprogramme um, anstatt einfach zu entlassen. Außerdem sind derzeit Technologieakquisitionen so günstig wie schon lange nicht mehr, meint das Beratungsunternehmen Arthur D. Little.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Eigentlich schien der deutsche Maschinenbau bis vor kurzem auf den ersten Blick gut aufgestellt. In der fast fünf Jahre andauernden Boomphase haben die meisten Unternehmen wenig Speck angesetzt. Neue Kapazitäten in Hochlohnländern wurden nur zögerlich aufgebaut, da neben kontinuierlichen Produktivitäts-verbesserungen auch verstärkt Zeitarbeitskräfte zum Einsatz gekommen sind. Die Firmen glänzten noch in ihren Halbjahres- und Quartalsberichten 2008 mit Rekordumsätzen und Erträgen.

Dieses Bild hat sich in dr letzten Zeit komplett gewandelt: Inzwischen sind Einbrüche bei den Auftragseingängen und Stornierungen an der Tagesordnung. Auch die Automobilbranche schockt mit der Verkündung von Umsatzrückgängen und dramatischen Kürzungen der für die nächsten Jahre geplanten Absatzzahlen. In einer ersten Reaktion wurden bereits massiv Zeitarbeitskräfte entlassen und Kurzarbeit geplant. Der Abbau von Stammarbeitskräften ist bereits angekündigt.

Alleinige Fokussierung auf Kostensenkung führt in die Irre

Die betriebswirtschaftlich „natürliche“ Reaktion in dieser Konjunkturphase ist die alleinige Fokussierung auf Kostensenkungen. Dabei hat sich diese Ausschließlichkeit in der Vergangenheit oft als Fehler erwiesen. So wurden trotz des sich bereits Ende 2004 abzeichnenden Aufschwungs in vielen Maschinenbaubranchen bis über den Jahreswechsel 2005/2006 hinaus immer noch Mitarbeiter abgebaut.

Was die Unternehmen dabei nicht bedachten: Mit den Mitarbeitern verließen die später dringend benötigten Fachkräfte und vor allem Kompetenzen das Unternehmen. Im Nachhinein zeigte sich dabei, dass die erfolgreichsten Unternehmen aus dem Maschinenbau gerade im Abschwung Wachstums- und Innovationsprogramme auf den Weg brachten und sich damit einen herausragenden Vorteil für den Aufschwung sicherten. Ein aktuelles Beispiel für diese Haltung ist die Äußerung des Intel-Chairman Craig Barret, der Anfang Dezember 2008 bekannt gab, dass seine Firma sich „aus der Rezession hinausinvestieren und nicht hinaussparen“ werde. Dies sagte er übrigens auch im Februar 2002.

Produkt- und Technologieportfolio unter die Lupe nehmen

Angesichts des immensen Kosten- und Effizienzdrucks ist weder alleiniges „hinausinvestieren“ noch „hinaussparen“ der richtige Ansatz, denn neben den Wachstums- und Innovationshebeln müssen auch die unbequemen Restrukturierungshebel schnell und konsequent gezogen werden.

Die Kernfragen in der Restrukturierung lauten:

  • Welche Elemente des Produkt- und Technologieportfolios sollte ein Unternehmen behalten und verstärken, welche können oder müssen aufgegeben werden?
  • Wie ist mit Remanenzkosten umzugehen?
  • Wie kann der Verlust von Know-how und der Kernbelegschaft, auf der das Unternehmen aufbaut, vermieden werden?

Dabei gilt: Selbstverständlich muss unnötiger Ballast über Bord geworfen werden – allerdings sollten die Segel noch an Bord sein, wenn der Wind wieder auffrischt.

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