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EMO Hannover 2013 Erste Ansätze für Industrie 4.0 von der EMO Hannover 2013 erwartet

| Redakteur: Stéphane Itasse

Schon einmal sollte eine technische Revolution die Fabriken umkrempeln: Es war die rechnerintegrierte Fertigung, damals Computer Integrated Manufacturing oder CIM genannt. Vielfach war die Rede von CIMSalabim. Was rund ein Vierteljahrhundert später Realität werden kann, erläutert Prof. Thomas Bauernhansl, Leiter des Instituts für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb (IFF) und des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart, in einer Mitteilung des VDW.

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Die Menschen sollen im Rahmen von Industrie 4.0 zu „Dirigenten“ der Produktion werden.
Die Menschen sollen im Rahmen von Industrie 4.0 zu „Dirigenten“ der Produktion werden.
(Bild: Fraunhofer IPA)

Der Begriff Industrie 4.0 wurde laut Bauernhansl nicht von den Produktionern geprägt, sondern kommt aus den Bereichen IT und künstliche Intelligenz. Nichts desto trotz habe die Produktionstechnik schon sehr lange daran gearbeitet.

Mensch bei Industrie 4.0 als Dirigent der Wertschöpfung

CIM ist nach seinen Angaben davon ausgegangen, dass wir keine Menschen mehr in der Fabrik haben werden. CIM habe das Konzept verfolgt, dass alles hochintegriert sei und zentral über einen Leitrechner gesteuert werde. Der Mensch sei hier nur noch als Planer und „Commander“ integrativ tätig.

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„Industrie 4.0 setzt da auf ganz neue Themen, nämlich auf Kommunikation statt Integration. Das heißt, wir haben dezentrale autonome Systeme, die miteinander kommunizieren können und zwar systemunabhängig und herstellerunabhängig“, erklärt der Wissenschaftler. Der Mensch stehe weiterhin im Mittelpunkt der Fabrik, aber seine Rolle ändere sich. Er werde zum Dirigenten der Wertschöpfung.

Zudem setze Industrie 4.0 auf Datenmanagement in Echtzeit. „Das heißt, es gibt kein zeitversetztes Datenabbild in irgendeiner zentralen Datenbank. Vielmehr werden die Daten in Echtzeit an den Stellen abgegriffen, an denen sie gerade erzeugt werden. Wenn es um Steuerungstechnik geht, sprechen wir hier von Millisekunden. Wenn es um Planung und Steuerung geht, reichen vielleicht Minuten oder Stunden“, sagt Bauernhansl.

Technik für Industrie 4.0 sucht noch ihre Abnehmer

Auch bei Industrie 4.0 stehe am Ende die Wirtschaftlichkeit der cyber-physischen Systeme (CPS). im Vordergrund. Eine kritische Sichtweise sei wichtig, um insbesondere diejenigen zu bremsen, die von Anbieterseite, also Software-Firmen oder auch Maschinenbauer, dort ein Geschäft für sich wittern. Experten bemängeln laut VDW, dass sie oft zu teuer, nicht zuverlässig genug und häufig überdimensioniert seien.

„Am Ende muss das Gesamtsystem dem Kunden, der ein Produkt kauft, einen Vorteil bieten“, entgegnet Bauernhansl. Zurzeit sei Industrie 4.0 stark aus dem Fabrik-Ausstatterbereich und weniger durch die Kunden getrieben. Es gebe also nicht einen Markt, der danach schreit, sondern eine Technik, die eine Anwendung sucht.

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