Fachkräftedilemma Fachkräftemangel ist wieder Deutschlands Hauptproblem

Autor / Redakteur: dpa-AFX / Peter Königsreuther

Der Fachkräftemangel in Deutschland macht sich offensichtlich immer bemerkbarer. Hier eine aktuelle Studie zu diesem brennenden Thema.

Davon könnte die deutsche Industrie mehr gebrauchen: Fachkräfte und die, die es werden wollen. Leider ufert das Problem nach Aussage von Deloitte jetzt erst richtig aus, wie die dpa berichtet.
Davon könnte die deutsche Industrie mehr gebrauchen: Fachkräfte und die, die es werden wollen. Leider ufert das Problem nach Aussage von Deloitte jetzt erst richtig aus, wie die dpa berichtet.
(Bild: dpa)

Die Suche nach qualifiziertem Personal wird für deutsche Unternehmen zu einem der größten Probleme, wie eine Studie der Unternehmensberatung Deloitte offenbart. „Der Fachkräftemangel ist inzwischen wieder das bedrohlichste Risiko für die Unternehmen, gefolgt von steigenden Rohstoffkosten, zunehmender Regulierung sowie Energiekosten, schrieb Deloitte-Chefökonom Alexander Börsch in diesem Zusammenhang.

Die Berater hatten dazu im September 158 Finanzvorstände deutscher Unternehmen befragt. Zwei Drittel nannten den Fachkräftemangel als hohes Risiko. Das bedeutet, dass die engen Arbeitsmärkte die Unternehmen deutlich ausbremsten, erklärte Börsch. Der Fachkräftemangel ziehe sich außerdem durch alle Industriezweige. Am meisten leide aktuell die Immobilien- und Baubranche, Industriezweige, die zu fast drei Viertel betroffen sind.

Die Automobilindustrie fürchtet sich am meisten

Wachsende Risikofaktoren sehen die Vorstände unter anderen bei den Rohstoffen sowie bei den Energiekosten, die für 42 Prozent der Unternehmen bedrohliche Ausmaße erreicht haben, wie betont wird. In der Automobil- und der Chemieindustrie seien es sogar rund 70 Prozent.

Grundsätzlich beurteilen die befragten Finanzvorstände die Konjunkturaussichten weiterhin positiv, wenn auch nicht mehr so optimistisch, wie im Frühjahr oder im vergangenen Herbst. Bei den Geschäftsaussichten für das eigene Unternehmen zeigten sich Handel und Konsumgüterindustrie am zuversichtlichsten. Ein prägnanter Ausreißer sei die Autoindustrie, die sehr viel pessimistischer als die anderen Branchen auf die nächsten zwölf Monate blicke.

Trübe Aussichten mit Digitalisierungs-Chance

Die Investitionsabsichten der Unternehmen und ihre Einstellungsbereitschaft seien dennoch erfreulich hoch. Hier deuten sich zwei langfristige, sehr folgenreiche Entwicklungen an, registrierte Börsch:

Zum einen eben weiter zunehmende Knappheit auf den Arbeitsmärkten, die sich im laufenden Jahrzehnt durch die demografische Entwicklung noch weiter verschärfen dürfte. Denn laut aktueller Prognose werden die Erwerbsfähigen, also die zwischen 20 und unter 65 Jahre alten, bereits in 10 Jahren um 3,9 Millionen auf 45,9 Millionen Menschen sinken. Im Jahr 2060 sollen es dann schon 10,2 Millionen weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter sein.

Zum anderen könnten höhere Investitionen in digitale Technologie die seit langem schwächelnde gesamtwirtschaftliche Produktivität und somit das Wachstum erhöhen, glaubt der Experte. Das Produktivitätswachstum Deutschlands habe sich seit Anfang des Jahrtausends immerhin halbiert. Ein paradoxer Nebeneffekt der Corona-Krise könnte die Überwindung der Investitionsschwäche der Unternehmen und eine stark beschleunigte Digitalisierung sein.

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