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Verbindungstechnik Fügetechnik ist der Flaschenhals beim Einsatz von Mischbauweisen

| Redakteur: Udo Schnell

Bereits zum sechsten Mal hat das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU das Chemnitzer Karosseriekolloquium CBC veranstaltet. Institutsleiter Prof. Dr.-Ing. Reimund Neugebauer sprach mit unserer Redaktion über die Herausforderungen für den Leichtbau und die Risiken der oft gewünschten Internationalisierung.

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Prof. Dr.-Ing. Reimund Neugebauer, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU: „Wenn Deutschland im Bereich Karosseriefertigung weiterhin Marktführer bleiben will, sollten wir ein existenzielles Fundament dafür sicherstellen.“ (Bild: Fraunhofer-IWU)
Prof. Dr.-Ing. Reimund Neugebauer, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU: „Wenn Deutschland im Bereich Karosseriefertigung weiterhin Marktführer bleiben will, sollten wir ein existenzielles Fundament dafür sicherstellen.“ (Bild: Fraunhofer-IWU)

Herr Prof. Neugebauer, welche Themen standen auf der diesjährigen Veranstaltung im Fokus?

Neugebauer: In den letzten Jahren hat sich auch in der Karosseriefertigung ein starkes Bewusstsein für Effizienz und Ressourcenschonung entwickelt. Es gibt viele Beispiele dafür, die bereits erfolgreich in der Praxis umgesetzt werden. Wir haben einige davon präsentiert.

Grundsätzlich ist es uns wichtig, mit den dargebotenen Inhalten die gesamte Prozesskette abzubilden. Nur so wird deutlich, dass Nachhaltigkeit und Effizienz auch in der Karosseriefertigung durchgängig umgesetzt werden können und müssen. Natürlich war in diesem Zusammenhang auch der Leichtbau ein Schwerpunkt, und da konkret die verschiedenen Mischbauweisen.

Wo liegen die aktuellen Herausforderungen für den Karosseriebau?

Neugebauer: Ein wichtiges Thema ist die Fügetechnik. Hier sehe ich momentan den Flaschenhals für die Serienfertigung, denn für den Mischbau gibt es die wenigsten wissenschaftlichen Grundlagen. Auch mit dem Einzug neuer Techniken wie der Servotechnik steht die Fertigung vor neuen Problemstellungen, denn bekannte umformtechnische Grenzen werden verschoben.

Welche Ergebnisse konnten die Teilnehmer mitnehmen?

Neugebauer: Es wurde eine Vielzahl von Anwendungen vorgestellt, die dem heutigen Anspruch an konsequenten Leichtbau gerecht werden. Beispielsweise präsentierte die Claas Fertigungstechnik, wie mit herkömmlicher Fertigungstechnik, die bisher traditionell für die Metallumformung angewandt wurde, Faserverbundwerkstoffe verarbeitet werden.

Ein Lösungsansatz für die neuen Problemstellungen kann auch die Funktionsintegration in das Werkzeug sein. Hier gibt es in unserem Institut Untersuchungen, die verdeutlichen, dass ein Umformwerkzeug heute weit mehr leisten kann, als das geometrische Abbild der Bauteilform zu realisieren. Ausgerüstet mit Sensoren, die direkt an der Wirkstelle die Prozessinformationen überwachen und beeinflussen, werden sie zum aktiven Element der Prozessgestaltung.

Auch für Länder wie Indien und Russland wurde die Situation im Automobilbau auf dem Kolloquium geschildert. Wie schätzen Sie deren Position ein?

Neugebauer: Die Analysen waren sehr interessant, weil sich in diesen Ländern durchaus umfangreiche Kompetenzen entwickelt haben. Wenn Deutschland im Bereich Karosseriefertigung also weiterhin Marktführer bleiben will, sollten wir ein existenzielles Fundament dafür sicherstellen. Das heißt, dass gut ausgebildeter Nachwuchs auch im eigenen Land gehalten wird. Ich denke auch, dass wir sorgfältig abwägen müssen, inwieweit wir Basistechnologien institutionell exportieren und installieren.

Welche Themen fokussiert das Fraunhofer-IWU in der nächsten Zeit?

Neugebauer: Die Warmumformung wird in unseren Betrachtungen einen wichtigen Part einnehmen. Hier hat sich viel getan. Auch das Thema Genauigkeit wird eine Rolle spielen. Im Vergleich zu den Zerspanern haben wir Umformer hier noch einiges aufzuholen.

* Das Interview führte Annedore Munde, freie Journalistin, Erfurt

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