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Richten Fünf Faktoren für die Auswahl einer Richtmaschine

| Autor / Redakteur: Andreas Hellriegel / Stéphane Itasse

Richten Unebene Bleche beeinträchtigen alle nachgelagerten Prozesse: Mehr Nacharbeiten, Ausschussteile und Prozessfehler sind die Folge. Eine Richtmaschine reduziert die Spannungen und Unebenheiten im Blech. Für die richtige Auswahl sind fünf Faktoren wichtig.

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Eine Blechbearbeitung wird effizienter, wenn die Bleche anfangs eine Richtmaschine durchlaufen.
Eine Blechbearbeitung wird effizienter, wenn die Bleche anfangs eine Richtmaschine durchlaufen.
(Bild: Arku)
  • Zunächst gilt es zu klären, warum man Bleche richten will und welchen Einsatzbereich die Richtmaschine abdecken soll. Daraus ergeben sich die geforderten Eigenschaften der Richtmaschine.
  • Richtversuche verschaffen Klarheit, was die Maschine in der Praxis bieten wird.
  • Die Richtmaschine sollte optimal in die Prozesse integriert werden.

Die erste Frage lautet: Warum will man Bleche richten? Sie scheint zwar banal, denn wenn die Konstruktion eine gewisse Ebenheit am Bauteil erforderlich macht, sorgt die Walzenrichtmaschine für die benötigten Toleranzen. Oft übersehen wird jedoch, dass Präzisionsrichtmaschinen auch die Spannungen im Blech eliminieren. So führen ungerichtete Bleche bei nachgelagerten Prozessen wie dem Abkanten oder Biegen zu Winkligkeitsfehlern. Diese Fehler wiederum erhöhen den Aufwand für Nacharbeiten und den Ausschuss.

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Auch die Schweißvorbereitung von ungerichteten Blechen ist sehr aufwendig. Beim Einsatz von Schweißrobotern sinkt dann die Prozesssicherheit und die Schweißdauer steigt. Gerichtet wird also nicht nur wegen der Ebenheit der Bleche an sich, sondern weil es für die Folgeprozesse wichtig ist. Entscheidend bei der Auswahl der Richtmaschine ist deshalb, welche Prozesse zu verbessern sind. Das ist die Richtlinie dafür, wie sie auszulegen ist und welche Optionen sinnvoll sind.

Der zweite wichtige Faktor ist der Anwendungsbereich. Dazu muss der Hersteller der Richtmaschine wissen, wer die Hauptkunden des Anwenders sind, auch intern, welches Bauteilspektrum hauptsächlich verarbeitet wird, wie groß die Maschine gewählt werden muss und welche Anforderungen an das Blech gestellt werden. Außerdem müssen Anwender definieren, welche Aspekte die Richtmaschine abdecken soll. Geht es um einen kleinen Aufgabenbereich, dafür aber besonders gutes und effizientes Richten? Oder soll sich die Richtmaschine vor allem auf die meisten Bauteile und deren Anforderungen einstellen lassen? In jedem Fall empfiehlt es sich, Teile aufgrund der Anforderungen, Stückzahlen und Wirtschaftlichkeit in zwei Gruppen zu unterteilen: die Gruppe der Teile, die auf jeden Fall gerichtet werden müssen (80 %), und diejenigen, die eventuell noch zusätzlich abgedeckt werden sollten (20 %).

Richtmaschinen-Eigenschaften auf Anwendung abgestimmt

Der dritte Punkt sind die Eigenschaften der Walzenrichtmaschine. Dazu zählen die Blockbauweise des Richtaggregats, eine richtige Walzenteilung und -abstützung sowie Zahl und Durchmesser der Richtwalzen. Dabei gilt: Je größer der Durchmesser der Walzen ist, desto größer können in der Regel die Blechdicke beziehungsweise die Querschnitte gewählt werden. Auf der anderen Seite sind kleine Richtwalzen und kleine Abstände der Richtwalzen zueinander wichtig, wenn eine hohe Ebenheit der Bleche gefordert ist. Außerdem sollten die Richtwalzen sehr gut abgestützt sein, damit das Blech kontinuierlich gewalzt wird. Ist dies nicht der Fall, kann es zwischen den einzelnen Walzen ausbrechen und sich wellen.

Welche Blechdefekte leicht zu eliminieren sind und welche Schwierigkeiten machen, zeigen dann Richtversuche auf der gewählten Maschine. Dieser Punkt ist oft nochmals ein entscheidender Schritt beim Auswählen einer Richtmaschine. Dabei wird klar:

  • wie sich die gerichteten Bleche in der Weiterverarbeitung auswirken,
  • ob es messbare Einsparungen gibt, zum Beispiel beim Abkanten oder beim Schweißen,
  • wie schnell man zum gewünschten Ergebnis kommt,
  • wie einfach die Richtmaschine zu bedienen ist und
  • ob eventuell bestimmte Anforderungen oder Wünsche an die Richtmaschine bisher übersehen wurden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die vor- und nachgelagerten Arbeitsschritte. Denn häufig dauert es länger, Bleche zuzuführen oder zu handhaben, als sie zu richten. Deswegen ergibt sich je nach Teilespektrum, Auslastung oder Layout der Fertigung, wie eine Richtmaschine am besten in die Prozesse eingebettet wird – ob verkettet oder als Einzelmaschine, ob die Teilezuführung mit Roboter, Hebeeinrichtungen oder von Hand erfolgt.

Leichte Bedienbarkeit der Richtmaschine ist wichtig

Schließlich ist bei Richtmaschinen auch auf die Bedienerfreundlichkeit zu achten, einschließlich der Wartung. Ein Schnellwechselsystem für Richtwalzen und Stützrollen erleichtert beispielsweise die Reinigung. Doch auch eine Blockzustellung, eine hydraulische Regelung oder eine gute Maschinenabstützung machen eine einfache Bedienung erst möglich. Moderne Richtmaschinen bieten sogar eine automatische Einstellung und brauchen den Bediener nur noch zur Prozessüberwachung.

Das Zutrauen des Bedieners zur Richtmaschine erhöht sich, wenn sie gegen Schäden abgesichert ist. Am zuverlässigsten arbeitet hierbei die Hydraulik. Denn wenn der Bediener weiß, dass er mit der Richtmaschine ohne Bedenken am Limit fahren kann, wird er auch die besten Ergebnisse herausholen.

* Andreas Hellriegel ist Geschäftsfeldleiter bei der Arku Maschinenbau GmbH in 76532 Baden-Baden

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