Digitales Selbstbewusstsein Fünf Tipps für eine europäische Souveränität in Sachen Digitales

Redakteur: Peter Königsreuther

Das transatlantische Datenschutzabkommen Privacy Shield ist ungültig. Europa ruft dennoch nach digitaler Souveränität. Ein Experte von Greenbone Networks ist sich sicher, dass diese gelingen kann.

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Elmar Geese, COO bei Greenbone Networks, kennt fünf Gründe, warum Europa in digitaler Hinsicht selbstbewusster sein sollte. In diesem Beitrag erklärt er Näheres dazu.
Elmar Geese, COO bei Greenbone Networks, kennt fünf Gründe, warum Europa in digitaler Hinsicht selbstbewusster sein sollte. In diesem Beitrag erklärt er Näheres dazu.
(Bild: Greenbone Networks)

Muss sich Europa in Sachen Datenschutz und Digitalisierung verstecken, verschämt auf andere Regionen blicken? Nein, glaubt Elmar Geese, COO bei Greenbone Networks. Er hat fünf Empfehlungen parat, die, wenn man sie umsetzt, das digitale Selbstbewusstsein in Europa stärken können.

1. Der rechtliche Rahmen muss stimmen

Sollen Unternehmen weiterhin die Cloud Services der großen Hyprscaler einsetzen? Die Unsicherheit is groß! Denn seit Privacy Shield gekippt wurde, fehlt die Rechtsgrundlage für die Übertragung personenbezogener Daten von der EU in die USA, erklärt Geese. Die Datenschutzaufsichtsbehörde erklärt klar, dass so etwas jetzt unzulässig und einzustellen ist. Geese glaubt nicht, dass man ein neues Datenschutzabkommen auf den Weg zustande bringen wird. Denn im Zweifel, so der COO, übertrumpft der Cloud Act in den USA stets den Datenschutz. Dieser verpflichtet US-amerikanische Unternehmen dazu, Daten an die US-Behörden zu geben, egal, in welchem Land sie agieren. Damit ihre Investitionen geschützt sind, brauchen europäische Player nach Meinung des Experten einen sicheren rechtlichen Rahmen, um stolperfrei zu agieren. Den, so Geese, gibt es in der EU auch! Er bezieht sich dabei auf Cloud- und IT-Angebote aus der EU, die alle Voraussetzungen erfüllten, um die Bestimmungen einhalten zu können.

2. Man muss strategisch und politisch unabhängig werden

Geese erinnert an die unerfreulichen Umstände, um die Pipeline Nord Stream 2, die gezeigt haben, wie heikel wirtschaftliche Abhängigkeit sein kann. Es darf nicht sein, dass deutsche Unternehmen etwa mit Restriktionen konfrontiert sind, weil sie als Dienstleister für den Bau einer russischen Pipeline auftreten. Noch gefährlicher wäre eine Abhängigkeit im IT-Bereich, so Geese, weil die IT heute die Basis für fast alle Geschäftsprozesse bildet und so die komplette wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst. Nicht umsonst habe Tesla mit seinen „rollenden Computern“ in der Autoindustrie für eine Disruption gesorgt. Deutsche Unternehmen müssen folglich digital unabhängig werden. Erst dann, so Geese, werden sie auch eigene wirtschaftliche und strategische Entscheidungen treffen können.

3. Man sollte näher zum Kunden rücken

Europäische Anbieter kennen die Bedürfnisse und Anforderungen europäischer Unternehmen, ruft Geese in Erinnerung. Deshalb können sich beide auf den anderen schnell und zielsicher einstellen, um auf bestehende Anforderungen sicher zu reagieren. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, wie Geese betont. Diese Community-Kultur könne stark auftreten. Geese empfiehlt den Aufbau von Community-Foren, die es erlauben, dass man sich mit Anwendern von Produkten immer wieder austauschen kann. So erfahren Anbieter schneller, was gerade auf der Wunschliste steht, um diese zielgenauer zu erfüllen.

4. Wir müssen die technische Expertise erweitern

Pessimisten sagen, dass man den Anschluss an die großen Hyperscaler sowieso schon verloren habe, deshalb brauche man sich auch nicht weiter darum bemühen. Doch besonders in Deutschland, betont Geese, gibt es viele Hidden Champions, die in ihrem Bereich quasi in der Oberliga spielen. Sie könnten mit börsennotierten US-Konkurrenten durchaus mithalten. Nur dürfe man sich nicht in eine Nische abdrängen lassen, rät Geese. Auch hierbei sollten sich die entsprechenden Unternehmen auf die Wünsche der Kunden konzentrieren, um funktionierende Systeme zu schaffen, die überzeugten. Die, ist sich Geese sicher, setzen sich dann auch am Markt durch.

5. Nutzen wir die Stärke der Gemeinschaft

Einzelnen Unternehmen alleine könne es kaum gelingen, den Vorsprung der amerikanischen Monopolisten aufzuholen, das sei leider Fakt. Damit ein gesunder Wettbewerb wieder auflebt, brauchen wir einen gemeinsamen, europäischen Ansatz, fordert Geese. Deshalb seien Initiativen wie Gaia-X so wichtig. Auf Basis von Open-Source-Technologie soll dabei eine unabhängige, europäische Dateninfrastruktur geschaffen werden. Denn ein offenes, digitales Ökosystem ist der Schlüssel zum Erfolg, damit Unternehmen und Geschäftsmodelle aus Europa heraus weltweit wettbewerbsfähig sein können.

Das ist die Quintessenz des Ganzen:

Wenn sich europäische Unternehmen auf ihre Stärken besinnen und an einem Strang ziehen, schaffen sie es auch, digitale Souveränität zu erlangen. Dabei spielen Offenheit und Transparenz eine entscheidende Rolle. Elmar Geese, COO bei Greenbone Networks, fasst zusammen: „Wir haben die Chance, uns wieder zu emanzipieren.“ Denn außer einem politisch-strategischen Ansatz ist es auch entscheidend, dass man Technologie und Willen nutzt, um die bestehenden Stärken wirksam auszuspielen. „Nischen haben wir bereits erobert, Greenbone Networks ist ein gutes Beispiel dafür. Open Source zu nutzen und auch zu produzieren, ist die einzige Chance, um im Bereich der führenden digitalen Technologien auch im großen Stil wieder Anschluss zu gewinnen“, ist sich Geese sicher.

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