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Beschaffung

Gemeinkosten im Visier – Einsparpotenziale sind enorm

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Aus den schlechten Erfahrungen der Automobilindustrie lernen

Als Vorbild für effizienten Einkauf gilt die Automobilindustrie. Diese hat aber auch Fehler gemacht. Mit Preisdiktaten gegenüber Lieferanten konnten die Kosten zwar massiv gesenkt werden; es wurden damit aber auch Qualitätsprobleme heraufbeschworen. Es gerieten sogar Schlüssellieferanten in Schieflagen. Aus diesen Erfahrungen gilt es zu lernen. Ein neuer Lieferant für Papier und Bleistifte ist sicherlich schnell gefunden.

Beim Fuhrpark, in der Logistik oder im Facility-Management müssen die Leistungen jedoch individuell auf das Unternehmen zugeschnitten werden. Sogar Schmier- und Hilfsstoffe bedürfen oft einer auf bestimmte Maschinen und Prozesse abgestimmten Zusammensetzung. Ein plötzlicher Ausfall der Lieferungen kann Produktionsprozesse zum Erliegen bringen. Deshalb ist es sinnvoll, gemeinsam mit den Lieferanten nach Optimierungspotenzialen zu suchen und diese unter anderem dabei zu unterstützen, ihre Betriebsabläufe und Kostenstrukturen unter die Lupe zu nehmen.

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Aufgrund gewachsener und selten überprüfter Prozesse sind die Auftraggeber oft selbst Verursacher unnötiger Kosten. Mangelhafte Verpackungskonzepte für Versandware zum Beispiel erhöhen den Logistikaufwand eines Unternehmens, weil Frachtraum nicht optimal ausgenutzt werden kann und mehr Touren als nötig anfallen. Es lohnt sich, auch die eigenen Organisationsstrukturen kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Kostensenkungen proaktiv angehen

Beispiel: Rund 2,4 Mio. Euro zahlte ein Produktionsunternehmen an seine Vertriebsspedition. Verbesserungen in der Datenübermittlung beim Auftraggeber führten zu effizienteren Abläufen bei dem Lieferanten, die dieser wiederum mit Preisnachlässen zwischen 2,5 und 4,5 % in den einzelnen Tarifbereichen honoriert. Zudem wird die Jahresversandmenge an eine Bonusstaffel gekoppelt. In vielen Fällen können durch Neustrukturierungen beziehungsweise Neuausschreibungen Einsparungen erzielt werden, ohne den bisherigen, mit der Firma vertrauten Lieferanten zu wechseln.

Viele Unternehmen starten ihre Sparprogramme erst dann, wenn Liquidität und Ertrag akut bedroht sind. Laut EBS European Business School erkennen zwar 84 % der Manager die Bedeutung von Gemeinkostenreduktionsprozessen. Allerdings haben 57 % die Sparprogramme erst gestartet, nachdem angestrebte Gewinnmargen nicht erreicht worden waren. 30 % drehten an der Kostenschraube, weil sie nicht profitabel genug waren und weitere 22 % nahmen die Aufgabe aufgrund von laufenden Verlusten in Angriff. Unternehmen sollten aber Kostensenkungen proaktiv angehen, anstatt auf Druck des Marktes reagieren zu müssen.

* Dr. Arnd Halbach ist Geschäftsführer der Expense Reduction Analysts GmbH, 50670 Köln, Tel. (02 21) 92 29 57 10, ahalbach@expensereduction.com

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