Werkzeuge Gemeinsam mit den Kunden neue Diamantwerkstoffe entwickeln

Redakteur: Rüdiger Kroh

Seine weltweite Forschung und Entwicklung hat Element Six in einem Innovationszentrum in Oxford gebündelt. Für Dimitrios Livadas, Geschäftsführer der Element Six GmbH, soll es auch ein Ort der Begegnung mit den Kunden sein. Gemeinsam wolle man neue Formate von Diamantwerkstoffen entwickeln.

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Dimitrios Livadas, Geschäftsführer Element Six GmbH in Frankfurt: „Wir generieren in Deutschland rund 45 % unserer europäischen Umsätze.”
Dimitrios Livadas, Geschäftsführer Element Six GmbH in Frankfurt: „Wir generieren in Deutschland rund 45 % unserer europäischen Umsätze.”
(Bild: Element Six)

Herr Livadas, im vergangenen Juli hat Element Six sein Global Innovation Center für synthetische Diamanten in Oxford eröffnet. Was war der Grund für die Errichtung dieses globalen Zentrums und welche Möglichkeiten bieten sich dem Unternehmen damit?

Livadas: In der Nähe von Oxford hat Element Six rund 35 Mio. Euro investiert, um mit 110 Wissenschaftlern und Technologieexperten seine weltweite Forschung und Entwicklung in einem Zentrum zu bündeln. Das Global Innovation Centre spiegelt nicht nur die Prozesse sämtlicher Produktionsstandorte des Unternehmens wider, sondern ermöglicht durch die Ausstattung mit entsprechendem Fertigungsequipment das Testen von Diamantwerkzeugen. Dabei ist das Zentrum nicht als „Elfenbeinturm“ gedacht, in dem am Markt vorbei entwickelt wird. Es dient Kunden und Partnern als ein Ort der Begegnung, um sich intensiv mit unseren Wissenschaftlern auszutauschen.

Wie profitieren Ihre Kunden von dem Innovationszentrum?

Livadas: Die Zusammenführung der unterschiedlichen Entwicklungsstandorte an einem einzigen Zentrum bedeutet für uns Synergieeffekte, die wir an unsere Kunden weitergeben. In einem globalen Wettbewerb ist Innovation ein zentraler Bestandteil, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Unsere Kunden – vor allem aus dem klassischen deutschen Mittelstand – profitieren damit nicht nur von Werkstoffen, die wesentliche Leistungssteigerungen ermöglichen, sondern auch von Kostenvorteilen in der Herstellung. Die räumliche Nähe ermöglicht zudem einen engen Schulterschluss bei der gemeinsamen Entwicklung und der schnellen Einführung von neuen Materialien und Produkten.

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Die Präzisionszerspanung ist ein Segment in Ihrem Unternehmensbereich Advanced Materials. Welche Bedeutung und welche Größenordnung hat die Zerspanung für Element Six?

Livadas: Unter dem Begriff „precision machining“ vereinen wir sämtliche synthetischen Diamantwerkstoffe, die im weitesten Sinne in Präzisionswerkzeugen zum Bearbeiten von Holz, Metall sowie verwandten Werkstoffen zum Einsatz kommen. Zum breiten Produktspektrum zählen PCD, PCBN, CVD und monokristalline Diamanten. Die Dynamik in den Bereichen Automobil, Flugzeugbau und Raumfahrt sowie neuerdings in der Umwelttechnik macht den Bereich Advanced Materials zum wichtigsten Standbein innerhalb der superabrasiven Diamantwerkstoffe bei Element Six.

Sieht sich Element Six in erster Linie als Materiallieferant für die Werkzeughersteller?

Livadas: Unser Ziel ist, führend in der Entwicklung von Diamantwerkstoffen zu sein. Wir trennen dies dabei strikt von der Wertschöpfungskette unserer Kunden. Schon vor Jahren haben wir daher bekräftigt, nicht als Werkzeughersteller zu fungieren. Allerdings setzen wir heute noch stärker auf enge Kooperation, um mit unseren Kunden gemeinsam neue Formate von Diamantwerkstoffen zu entwickeln, die weit über die heute bekannten Formen hinausgehen. Damit bleiben wir Diamantwerkstofflieferant, sind aber stärker in die Entwicklung von Diamantwerkzeugen und das Bearbeiten von Werkstoffen eingebunden. Das spiegelt sich unter anderem in der Leistungssteigerung neuer Werkzeuge oder in Kostenvorteilen bei der Herstellung wider.

Welche Märkte und Kunden haben Sie im Fokus?

Livadas: Element Six ist ein global aufgestelltes Unternehmen mit Standorten in allen wichtigen Märkten. Europa und insbesondere Deutschland kommt dabei eine besondere Rolle zu. Dafür spricht, dass das Unternehmen hier rund 45 % seiner europäischen Umsätze generiert. Nahezu sämtliche Werkzeughersteller beziehen Diamantwerkstoffe von uns. Zudem ist der deutsche Mittelstand ein idealer Partner, wenn es darum geht, marktnahe Innovationen voranzutreiben. Zusätzliche Impulse erwarten wir von der weiteren Durchdringung des Werkzeugmarktes mit Diamantwerkstoffen und dem verstärkten Einsatz von Diamantwerkzeugen im Automobil- und Flugzeugbau sowie in der Umwelttechnik.

* Das Interview führte MM-Redakteur Rüdiger Kroh

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