Spannmittel Große Teile fest im Griff

Autor / Redakteur: Johann Taglang / Bernhard Kuttkat

Das Leistungspotenzial von Drehmaschinen und Werkzeugen zur Bearbeitung von großen Bauteilen für die Windenergie- oder Offshore-Industrie lässt sich nur mit entsprechenden modernen Spannmitteln erschließen. Dynamisch gewuchtete Spannfutter mit Fliehkraftausgleich sorgen für prozesssicheres Spannen.

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Bild 1: Hydraulisch betätigtes Keilspannfutter zum Spannen von Vorschweißflanschen mit einer Gesamtspannkraft von 250 kN bei 30 bar.
Bild 1: Hydraulisch betätigtes Keilspannfutter zum Spannen von Vorschweißflanschen mit einer Gesamtspannkraft von 250 kN bei 30 bar.
( Archiv: Vogel Business Media )

Wirtschaftliches Zerspanen bedingt bedarfsgerechtes Spannen von immer komplexer werdenden Werkstücken. Erfahrungen des Spannmittelherstellers, Wünsche des Anwenders und die oft fließenden Grenzen der Machbarkeit bestimmen heutzutage das Anforderungsprofil eines zeitgemäßen Spannzeuges. Dynamik und Herausforderung spiegeln sich dabei in neuentwickelten Spannmitteln wider.

Paradebeispiel dafür sind große kraftbetätigte Mehrbacken-Spannfutter bis zu einem Durchmesser von 5500 mm, wie sie zur Bearbeitung großer Werkstücke, beispielsweise in der Windenergie-Industrie (Bild 1), oder beim Fertigen von Lagerringen (Bild 2) benötigt werden. Charakteristische Merkmale solcher Spannfutter sind sechs Backen mit Zusatzfeinverstellung, zentrisches Spannen von bearbeiteten Werkstücken, ausgleichendes Spannen von Rohteilen. Die Pendelspannaufsätze mit je zwei Spannzonen sind umkehrbar von Außen- auf Innenspannung.

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Die Aufsatzbacken im Rastermaß der flachverzahnten Grundbacken sind schnell radial auf ganzer Verzahnungslänge verschiebbar. Auf Schienen stufenlos radial versetzbar sind die drei Axialauflagen. Die Spannfutter sind mit einem Fliehkraftausgleich ausgerüstet und dynamisch ausgewuchtet.

Backenzusatzverstellung ist automatisiert

Sichere große Spannmittel, zum Beispiel Winkelhebelfutter mit 1600 mm Außendurchmesser, sind auch gefragt, wenn es um das spanende Bearbeiten von großen Rädern, Radreifen und Spurkränzen für das Rad-Schiene-System (Bild 3) geht. Fürs sichere Fixieren von großen Gehäusen ausgelegt ist das 3-Backen-Planspiralfutter ZSU (Bild 4).

Wesentliche Merkmale der Winkelhebelfutter sind ein Hub pro Backe von 70 bis 90 mm, eine zentrale, automatisierte Backenzusatzverstellung mit teleskopischer Schmutzabdeckung, eine Spannkraftsumme von etwa 300 kN sowie schnittgeschwindigkeitsorientierte Drehzahl mit Fliehkraftausgleich. Die Spannfutter sind ebenfalls dynamisch ausgewuchtet und haben eine Zentralschmierung sowie eine Luftanlagekontrolle. Das Planspiralfutter ZSU hat eine zylindrische Zentrieraufnahme mit einem Durchmesser von 150 mm und ist für eine maximale Gesamtspannkraft von rund 95 kN ausgelegt (bei 320 kN eingeleitetem Drehmoment). Der Hub der Spannbacken ist innen und außen begrenzt.

Auch fürs Bearbeiten aller Bauteile eines kompletten Bohr- oder Rohrstrangs der Offshore-Industrie wie Bohrkronen, Bohrmeißel, Bohrgestänge und Kupplungsmuffen sowie Rohre und Muffen stehen „passgenaue“ moderne Spannzeuge zur Verfügung. Das dynamisch gewuchtete Muffenschwenkfutter mit einem Schwenkwinkel von 180° ist ein Beispiel von vielen. Es hat einen Futteraußendurchmesser von 700 mm und wird hydraulisch betätigt. Drei zentrisch voreilende und drei ausgleichend nacheilende Spannbacken fixieren die Muffe, die mit einer Drehzahl von 800 min-1 bearbeitet werden kann.

Ein Fliehkraftausgleich sorgt für sicheres Spannen. Die Aufsatzbacken im Rastermaß der flachverzahnten Grundbacken sind per manuell angewandtem Bügel zum Ver- oder Entriegeln des Schließriegels schnell radial auf ganzer Verzahnungslänge verschiebbar. Drei radiale Axialauflagen sind stufenlos auf Schienen versetzbar. MM

Dipl.-Ing. Johann Taglang ist Konstruktionsleiter der Röhm GmbH in 89567 Sontheim, Tel. (0 73 25) 16-0, info@roehm-spannzeuge.com

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