Hefa / Salvagnini Gut gekühlt ist besser getrunken – gebogene Bleche für Kühlmöbel

Autor: M.A. Frauke Finus

Kühlmöbel haben vier Wände, einen Boden und einen Deckel. Klingt trivial, ist es aber nicht. Sogar ein Patent hält die Hefa Kühlmöbel GmbH darauf. Bei der Fertigung der Bleche setzt das Unternehmen auf ein Biegezentrum, das den Output deutlich steigert und neue Produkte ermöglicht.

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Kühlvitrinen, Kälte- und Schankanlagen, Thekenelemente oder auch Abfallkühler – Hefa ist Vorreiter bei Kühlmöbeln für den Gastrobreich.
Kühlvitrinen, Kälte- und Schankanlagen, Thekenelemente oder auch Abfallkühler – Hefa ist Vorreiter bei Kühlmöbeln für den Gastrobreich.
(Bild: Hefa)

Wenn nicht gerade eine Pandemie das Leben still legen würde, wären viele von uns in diesen frühen Tagen des Jahres wahrscheinlich in den Alpen unterwegs. Wer den ganzen Tag auf Skiern die Berge hinabbraust, freut sich mittags auf der Alm natürlich auf ein kühles Bier. Damit Getränke wie diese auch oben am Berg nicht im Schnee temperiert werden müssen, greifen Gastronomen auf modernen Kühlmöbelbau zurück. Das können unter anderem Kühlvitrinen, Kälte- und Schankanlagen, Thekenelemente, Abfallkühler aber vor allem natürlich auch Individuallösungen wie die 6 m lange Wine Wall sein, die im Pullman-Hotel in Berlin steht.

Vorreiter auf diesem Gebiet ist die Hefa Kühlmöbel GmbH in Sulzbach-Rosenberg nähe Nürnberg. 1984 von Helmut Exner gegründet, ist das Unternehmen mit rund 70 Mitarbeitern Inhaber eines Patents, das besonders bei Projekten wie dem eingangs skizzierten Beispiel einer Alm auf dem Berg sein Potenzial voll ausspielt. Das sogenannte Steck-Schnapp-System für Kühlmöbel ermöglicht es, dass die einzelnen Korpuselemente der Kühlmöbel sehr platzsparend geliefert werden und dann verschleißfrei sowie einfach, sicher und schnell vom Kunden vor Ort selbst zusammengesteckt werden können. Was beim Beispiel auf dem Berg aber auch in der Kellerkneipe, wo es eine steile Wendeltreppe runtergeht, den Transport von Theken-, Schank- und Kühlanlagen deutlich vereinfacht und damit auch wesentlich kostengünstiger macht.

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Rüstzeiten reduziert, Output erhöht

„Aufgrund des Steck-Schnapp-Systems können wir nahezu jeden Kundenwunsch realisieren. Denn auf dieser Basis können wir unsere Produkte in jeglicher Variation zusammensetzen“, erklärt Bine Exner, Marketingleiterin bei Hefa und Tochter des Firmengründers, im Gespräch mit Blechnet. „Und dabei bleibt trotzdem die Kältebrückenfreiheit gewahrt.“

Die Kühlmöbel bestehen grob gesagt aus Blechwänden mit umlaufenden Kunststoffprofilen, die unter Hochdruck mit einem 2-Komponenten-Isolierschaum ausgeschäumt werden und wie ein handelsüblicher Küchenkühlschrank mit einem eigenen Aggregat funktionieren.

Für die Blechwände setzt Hefa auf eine eigene Fertigung. Im Maschinenpark finden sich unter anderem eine Stanz-Scher-Kombination für die Zuschnitte, eine konventionelle Abkantbank und seit Neustem auch ein Biegezentrum P2lean von Salvagnini. „Die neue Technologie, die mit dem Biegezentrum bei uns eingezogen ist, eröffnet uns völlig neue Möglichkeiten und viel mehr Flexibilität“, freut sich Simon Garcia, technischer Leiter bei Hefa. „Dabei ist die Bedienung benutzerfreundlich und der Output zeichnet sich durch immer die selbe, weil reproduzierbare Qualität aus.“ Dazu ergänzt Michael Pröll, Area Sales Manager bei Salvagnini: „Das Blech wird nur einmal zu Beginn des Prozesses anhand der kontrollierten Anschläge zentriert: Dies reduziert die Zyklusdauer und Präzisionsfehler, die alle von der ersten Abkantung an absorbiert werden. Die Biegeformel optimiert automatisch die Biegeparameter zur Reduzierung von Ausschuss, während die Software MAC 2.0 alle Änderungen des Materials erfasst und automatisch kompensiert, um präzise und qualitativ hochwertige Biegungen zu gewährleisten.“

„Nachdem wir uns im Herbst 2019 auf der Blechexpo das Biegezentrum angeschaut haben und danach am Salvagnini-Standort in Österreich mit Teilen von uns zum Ausprobieren waren, ist das Biegezentrum dann im September 2020 bei uns eingezogen“, erklärt Garcia. Mit diesem Tag hat sich auch der Arbeitsalltag der Maschinenbediener verändert. Während vorher ein Werker dauerhaft die zu biegenden Teile während des Biegevorgangs in den Händen halten musste und für schwere oder sperrige Teile auch gerne gleich mal zwei Kollegen als Manpower gebunden waren, steht das Biegezentrum an dieser Stelle nun für Ergonomie und körperliche Erleichterung, da beim Biegen im P2lean nichts gehalten werden muss. Außerdem ist das Programmieren des Biegezentrums bequem im Sitzen am Schreibtisch vom Büro aus möglich.

Biegen statt schweißen: neue Konstruktionsansäzte möglich

„Die P2lean erfordert keinen Werkzeugwechsel, denn die oberen und unteren Biegewangen sowie der Niederhalter sind universelle Werkzeuge, die in der Lage sind, die gesamte Bandbreite an Materialien und Stärken zu verarbeiten. Außerdem werden die auszutauschenden Werkzeuge im Biegezentrum gelagert und bei Bedarf automatisch ein- und ausgeschwenkt“, nennt Pröll einen weiteren der Vorzüge des Biegezentrums. Diese wegfallenden Rüstzeiten erfreuen besonders auch Garcia: „Wofür wir bei der Abkantbank rund 10 Minuten brauchen, passiert hier beim Biegezentrum in 2 Sekunden automatisch, taktzeitparallel im Zyklus.“ Diese Zeitersparnis führt unter anderem dazu, dass die Produktivität von Hefa so zugenommen hat, dass das Biegezentrum aktuell nicht ausgelastet ist. Dieser Umstand ist bei Familie Exner daher derzeit Gegenstand von Zukunftsüberlegungen. „Neben der Fertigung unserer eigenen Produkte, steht die Idee im Raum, dass wir auf dem Biegezentrum in die Lohnfertigung einsteigen“, so Bine Exner.

Eine weiteres Beispiel, das für die neuen Möglichkeiten steht, die das Biegezentrum Hefa ermöglicht, ist ein Griff. Dieser ist an den Schubblenden aller möglichen Varianten der Kühlmöbel zu finden. „Bevor wir das Biegezentrum hatten, mussten wir den Griff extra anschweißen. Doch jetzt können wir mit dem P2lean den Griff aus dem Grundblech einfach in einem Aufwasch mit hinbiegen“, beschreibt Garcia die neuen Konstruktionsmöglichkeiten, denn Doppelblechbiegungen in diversen Geometrien sind besonders knifflig, können nun jedoch perfekt durchgeführt werden. Neben Zeit- und Kostenersparnis sind dadurch auch neue Produkte realisierbar. „Für manche unserer Kühlmöbel bieten wir für die Optik eine bestimmte Beschichtung in silber-metallic. Die Bleche, die wir dafür verarbeiten, beziehen wir bereits entsprechend beschichtet. Die Produkte mit dem eben genannten Griff konnten wir bis dato nicht mit dieser Oberfläche anbieten, da die Beschichtung eine Schweißung unmöglich macht. Doch nun, dank des gebogenen, statt geschweißten Griffs, können wir auch diese Kühlmöbel in silber-metallic anbieten“, freut sich Exner. Und dies ist erst der Anfang – in der Konstruktionsabteilung von Hefa ist man schon fleißig am Tüfteln, welche Kühlmöbelvariationen demnächst in unserem Lieblingsrestaurant stehen.

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Über den Autor

M.A. Frauke Finus

M.A. Frauke Finus

Leitende Redakteurin, Redaktion @blechnet.com