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Porträt Hinter den Kulissen der Hannover Messe

| Autor: Simone Käfer, Stefan Graf

Sie sind überall, haben alles im Blick, sind schnell vor Ort, wenn es brennt und jemand Hilfe braucht, aber man sieht sie so gut wie nie: die heimlichen Helden der Hannover Messe.

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Damit der Aufenthalt so ungestört wir möglich verläuft, arbeiten viele Fachkräft auf der Hannover Messe im Hintergrund – bis sie gebraucht werden.
Damit der Aufenthalt so ungestört wir möglich verläuft, arbeiten viele Fachkräft auf der Hannover Messe im Hintergrund – bis sie gebraucht werden.
(Bild: gemeinfrei (NeuPaddy, pixabay) / CC0 )

Wenn sich um 9 Uhr die Schleusen öffnen und die Besucher auf das Messegelände strömen, ist nicht nur das Standpersonal der Aussteller hellwach. Auch die 30 Einsatzkräfte der Werkfeuerwehr der Deutschen Messe sind vorbereitet. Immerhin gilt es, über die Sicherheit der weit über 200.000 Menschen zu wachen, die sich auf dem 131 ha großen Gelände tummeln. Dabei ist der Messemontag nicht ihr erster Tag. Die nebenberuflichen Feuerwehrmänner sind schon Tage vor Messebeginn im Einsatz und auch der Messe­freitag ist nicht ihr letzter Tag, denn schließlich will auch während des Auf- und Abbaus der Messestände für Sicherheit gesorgt sein. So prüfen der Brandschutzbeauftragte und Leiter der Werkfeuerwehr Olaf Dudda und seine Kollegen vor dem ersten Messetag alle möglichen Standvarianten auf Gefahren.

Olaf Dudda sorgt mit seinen Kollegen für Brandschutz auf dem Messegelände.
Olaf Dudda sorgt mit seinen Kollegen für Brandschutz auf dem Messegelände.
(Bild: Deutsche Messe)

Ein Schwerpunkt im Sicherheitskonzept des Messe­geländes ist die Brandfrüherkennung. Fast alle Räumlichkeiten auf dem Messegelände sind mit automatischen Brandmeldern ausgestattet. Dies sind rund 19.000 Stück und somit sicherlich eine der umfangreichsten Brandmeldeanlagen in Hannover. Der zweite Schwerpunkt ist die Entrauchung, die aus Ventilatoren in den Dachflächen besteht oder Klappen, die durch Ansteuerung durch die Brandmelder auffahren. „Wir öffnen hier bei einem Feueralarm etwa zwei Prozent der jeweiligen Dachfläche. Viele Hallen sind zudem gesprinklert, sodass eine Brandbekämpfung auch hier schon automatisch beginnt. Durch die umfangreiche Überwachung und da es hier durch die vielen Auf- und Abbauten oft wie auf einer Baustelle zugeht, haben wir im Jahr 80 bis 100 Feueralarme“, sagt Dudda. Fast immer sei es aber ein Fehlalarm, der durch Abgase, Stäube oder Küchendämpfe ausgelöst wurde.

Thomas Domani (l.), Geschäftsführer der Messegastronomie, bewirtet mit seinen Mitarbeitern Messegäste, Aussteller und auch Staatsoberhäupter.
Thomas Domani (l.), Geschäftsführer der Messegastronomie, bewirtet mit seinen Mitarbeitern Messegäste, Aussteller und auch Staatsoberhäupter.
(Bild: Deutsche Messe)

3000 km zu Fuß und zwölf Fremdsprachen

Ein paar Küchendämpfe sind bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 35.000 Schnitzeln und 55.000 Würsten sowie 2 t Geflügel, 4 t Fisch, Fischdelikatessen und Meeresfrüchten pro Hannover Messe auch nicht verwunderlich. Herr über das leibliche Wohl ist Thomas Domani. Seit 2011 ist er Geschäftsführer der Messegastronomie und betreut mit einem Kernteam von 60 Mitarbeitern die gesamte Gastronomie auf dem Gelände, von Restaurants über Snackpoints bis Standcatering. Für eine solche Herausforderung beginnt Domani bereits sechs Monate vor Messebeginn mit seiner Planung. Um das Essen und die rund 600.000 Einheiten an alkoholischen und nicht alkoholischen Getränken vom Lager in Küche und Hallen zu bringen, muss das Personal gut zu Fuß sein: 3000 km legen sie im Schnitt zurück. Zu Domanis Highlights gehören Gäste wie der ehemalige US-Präsident Barrack Obama oder unsere Bundeskanzlerin. „Sie isst sehr viel Obst und wenig Dessert“, verrät Domani mit einem Lächeln.

Zumindest für die Aussteller sichtbarer sind die Halleninspektoren. Sie sind der erste Kontakt beim Aufbau und schließen am letzten Tag die Hallen wieder hinter ihnen. Um den Ausstellern und Besuchern bei Anfragen entsprechend antworten zu können, sprechen die 43 Inspektoren sowie etwaige Boten und Torwachen insgesamt dreizehn Sprachen und setzen sich mit den unterschiedlichen Nationalitäten und Mentalitäten auseinander. Trotz ihrer wichtigen Aufgaben sind sie temporäre Arbeitskräfte.

Ein wertvoller Tipp für Messebesucher kommt vom Leiter der Feuerwehr: „Unsere Gäste sollten sich morgens genau merken, wo sie ihr Auto abgestellt haben.” Aber falls Sie es doch mal vergessen haben, keine Angst! Bisher hat die Messefeuerwehr noch jedes Auto wieder gefunden.

* Stefan Graf ist freier Journalist aus 64380 Roßdorf

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