DWC-Studie Im Maschinenbau regiert das Prinzip Hoffnung

Redakteur: Stéphane Itasse

Die deutschen Maschinenbauunternehmen rechnen für 2009 überwiegend mit negativen Folgen. Drei Viertel sind bereits nachteilig betroffen oder können dies schon sicher absehen, wie die Unternehmensberatung Dr. Wüpping Consulting GmbH nach einer Umfrage mit 1400 Teilnehmern am Mittwoch berichtet. Dennoch würden nur selektiv Maßnahmen ergriffen.

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Die deutschen Maschinenbauer gehen davon aus, dass sich die derzeitige Krise vor allem durch Kundenzurückhaltung und Auftragsverschiebungen bemerkbar macht.
Die deutschen Maschinenbauer gehen davon aus, dass sich die derzeitige Krise vor allem durch Kundenzurückhaltung und Auftragsverschiebungen bemerkbar macht.
( Archiv: Vogel Business Media )

Etwa drei Viertel der Unternehmen rechnen laut Studie mit einer abgekühlten Nachfrage insgesamt und Auftragsverschiebungen. Derzeit gingen aber nur 25% davon aus, dass es zu Stornierungen bereits angenommener Aufträge kommen wird. Weiterhin habe weniger als jedes fünfte Unternehmen Angst vor weiteren wesentlichen Folgen wie Forderungsausfällen, Kreditverteuerungen, Lieferanteninsolvenzen, rückläufigem Cash Flow und Preiserhöhungen.

Eigenes Unternehmen soll glimpflich davonkommen

Insgesamt würden in hohem Maße nur mäßig negative Folgen erwartet, während in dazu vergleichsweise alarmierend niedrigem Umfang Folgen erwartet werden, welche den Geschäftserfolg nachhaltig schädigen könnten. Ob die Unternehmen den Ernst der Lage verkennen, lasse sich noch nicht ganz abschätzen.

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Laut Unternehmensberatung überrascht dies, weil bereits ein Viertel aller Unternehmen selbst nachteilig betroffen ist und dies für weitere 50% bereits jetzt schon sicher absehbar ist. Als nicht betroffen oder gar als Krisengewinner sähen sich verschwindend kleine Minderheiten. Somit seien insgesamt drei Viertel betroffen, was sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Gesamtwirtschaft auswirken werde.

Maschinenbauer rechnen mit fünf Jahren Konjunkturschwäche

Immerhin gehen laut Umfrage fast 90% aller Befragten von einer Krise aus, die länger als ein Jahr dauern wird. Insgesamt seien die Erwartungen in der Elektroindustrie deutlich besser als im Gesamtschnitt oder im Maschinenbau. Ungefähr 10% der Maschinenbauunternehmen rechne gar mit einer längeren konjunkturellen Eintrübung von etwa fünf Jahren.

Es sehe so aus, dass nach Meinung der Befragten die Lage zwar als ernst erachtet wird, dass es aber für das eigene Unternehmen eher glimpflich verlaufen solle. Die Hoffnung, dass es die anderen schlimmer treffen möge, scheine weit verbreitet zu sein.

Gesamtkonzepte gegen die Krise nötig

Dieses Hoffnungsprinzip ist dabei aus Sicht der Studienautoren unangebracht. Die erwarteten Auswirkungen müssten sich eigentlich deutlicher im Handeln der Verantwortlichen abzeichnen, denn eine große Mehrheit gehe nicht nur von einer kurzfristigen Situation aus, sondern erwarte einen längeren konjunkturellen Abschwung von im Mittel zwei Jahren. Auf derartige Ereignisse könne kaum durch isolierte Einzelmaßnahmen reagiert werden, eine Gesamtkonzeption sei dringend nötig.

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