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Industrie 4.0 in der Blechbearbeitung Im neuen Umfeld zur neuen Industrie aufbrechen

| Autor / Redakteur: Stéphane Itasse / Stéphane Itasse

Es ist nicht nur ein Gebäude: Mit seinem neuen Experience Center will der belgische Maschinenbauer LVD über Struktur und Architektur auch zu einer besseren Form des Austauschs mit den Kunden kommen. Die Rede ist bereits von Industrie 4.1.

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Mehr als Maschinen: In seinem neuen Experience Center will sich LVD mit den Kunden anders austauschen, um die Herausforderung Industrie 4.0 zu bewältigen.
Mehr als Maschinen: In seinem neuen Experience Center will sich LVD mit den Kunden anders austauschen, um die Herausforderung Industrie 4.0 zu bewältigen.
(Bild: LVD/Tom Lesaffer)

Ein bisschen versteckt ist es schon, das neue Experience Center von LVD: Nicht in der Nähe des Haupteingangs, wohin der unbedarfte Besucher zuerst steuert, sondern auf der anderen Seite des Firmengeländes in Gullegem bei Kortrijk versteckt sich das architektonische Juwel.

Um seine ehemalige Vorführhalle umzubauen, hat der belgische Maschinenbauer keine Kosten und Mühen gescheut. Gleich beim Betreten fällt auf, wie sehr das natürliche Licht den gesamten Raum ausleuchtet – große Fenster und Glastüren setzen alles in Szene. Entworfen vom belgischen Architekturbüro Naert BVBA und der Innenarchitektin Justine Van Strydonck, nutzt das XP Center von LVD das natürliche Licht durch eine Fülle von Fenstern und Glastüren und empfängt die Besucher mit Helligkeit und Raum. In dieser Umgebung können die Gäste das Erbe und die Innovationen von LVD erkunden, Präsentationen und Schulungen in einem Hörsaal besuchen, Ideen in „kreativen Ecken“ teilen sowie sich in der Lounge oder auf der Außenterrasse entspannen.

Industrie 4.0 muss für den Anwender einen Mehrwert bieten

Insgesamt zwölf Maschinen reihen sich in der Mitte des neuen Experience Centers aneinander und stellen die Verfahren dar, die LVD anbietet: Abkantpressen, Tafelscheren, Laserschneidanlagen und Stanzmaschinen. Auch die neu entwickelte Synchro-Form, eine Maschine zum automatischen Biegen großer Profile, die den Award zur Euroblech 2016 von MM MaschinenMarkt und Blechnet gewonnen hat, ist dabei. Neben jeder Maschine sind Produkte aufgereiht, die damit hergestellt wurden. So kann LVD die Fähigkeit jedes Verfahrens den Besuchern darstellen und mit ihnen diskutieren, ohne dass Zeit für die Produktion aufgewendet werden muss.

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Doch ein Produkt bleibt unsichtbar, auch wenn es stets dabei und unverzichtbar ist: die Software. „Mit der Software beginnt heute alles“, sagte Matthew Fowles, Marketingleiter von LVD, im Gespräch mit MM MaschinenMarkt. Zusammen mit Maschinen und Steuerungen bilde die Software Industrie 4.0 als ein integriertes System. „Industrie 4.0 muss dann einen Mehrwert bieten“, fordert Fowles weiter.

Diesen Mehrwert will das Unternehmen erschließen, indem es gemeinsam mit den Anwendern durch die Anwendung von Industrie-4.0-Prinzipien die Herausforderungen in der Blechbearbeitung bewältigt. Dazu soll auch die Architektur des Experience Centers beitragen: „Die konstruktive Ausführung wurde durch die Vision von LVD getragen, ein offenes, gemeinschaftliches Umfeld zu schaffen, in dem der Besucher seinen Platz findet, um zu lernen, sich mitzuteilen, sich zu entwickeln und Neuerungen einzubringen“, sagte der Architekt Wouter Naert. LVD ist es wichtig, seinen Kunden auf Augenhöhe zu begegnen und auch von ihnen zu lernen, wie Fowles und andere Mitarbeiter des Unternehmens bei meinem Besuch immer wieder versicherten. Dazu dienen dann auch die zahlreichen Nebenräume im Experience Center, die beiderseits der Haupthalle angeordnet sind.

Viele Blechbearbeiter vor ähnlichen Problemen

Die Herausforderungen in der Blechbearbeitung sind dabei bei vielen Unternehmen ähnlich, wie Kurt Debbaut, Produktmanager für die Cadman-Software bei LVD, bei einem Vortrag im Experience Center erläuterte – immer kleinere Losgrößen, geringe Margen, kurze Vorlaufzeiten und immer komplexere Teile. Für die Produzenten stellt sich nach seiner Auskunft die Frage: „Wie komme ich von einem 3D-Konzept so schnell wie möglich zu einem 3D-Produkt?“

Um das genauer zu ermitteln, lässt sich die Durchlaufzeit eines Produkts auf die verschiedenen Abteilungen aufteilen, beispielsweise Auftragseingang, Komponentenfertigung, Montage oder Verpackung und Versand. „Viele unproduktive Zeiten ergeben sich dabei im gesamten Ablauf, eine reine Beschleunigung der Prozesse hilft wenig“, konstatierte Debbaut. „Vielleicht müssen wir heute feststellen, dass die Maschinen ausreichend schnell sind.“

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