Predictive Maintenance

Weissagung und Wartung

| Autor: Reinhold Schäfer, Stefanie Michel

(Bild: Weidmüller)

Die vorausschauende Wartung hat nichts mit Weissagung zu tun. Im Gegenteil: Aufgrund von Erfahrung und per Sensor aufgenommener Daten lassen sich sehr genau Rückschlüsse auf die Lebensdauer von Bauteilen machen. Dies ist ein großer Vorteil für Unternehmen, bei denen eine Unterbrechung des laufenden Betriebes zu hohen Kosten führen würde. Kennt man hingegen die Restlebensdauer eines Bauteils, kann man dies gut geplant an einem Wochenende austauschen. So lassen sich Wartungskosten um 30 % senken und ungeplante Stillstände um 70 %.

Schon immer wollten die Menschen wissen, was die Zukunft bringt. Bereits 3000 vor Christus gab es verschiedene Praktiken – angefangen von der Vorhersage durch Öl oder anhand von Missbildungen bis zum Betrachten von Eingeweiden – die dem Menschen Rückschlüsse auf die Zukunft versprachen. Später, im alten Griechenland, wurde das Wahrsagen sogar als eine göttliche Gabe betrachtet. Und wer kennt sie nicht, die bekannteste Orakelstätte der Welt: Delphi, die über 1000 Jahre – von Priestern begleitet – genutzt wurde. Traf die Deutung nicht zu, dann war sofort klar: Der Gott Apollon hat absichtlich eine falsche Antwort gegeben oder der Spruch wurde nicht genau gedeutet.

Mit Prophezeiung hat die vorausschauende Wartung ganz und gar nichts zu: Gerade durch die digitalen Möglichkeiten, die sich im Umfeld von Industrie 4.0 auftun, lassen sich schon weit im Vorfeld eines möglichen Ausfalls eines Bauteils sehr genaue Aussagen über eine notwendige Wartung oder den Austausch eines Bauteils machen. Das werden auch erneut die Aussteller auf der Sonderschau „Predictive Maintenance 4.0“ während der Hannover Messe anhand zahlreicher Beispiele zeigen.

Erfasste Daten miteinander verknüpfen und auswerten

Bisher ist es in den meisten Fertigungsunternehmen gängig, zu warten, bis ein Bauteil ausfällt – auch wenn bekannt ist, dass das sowohl zeit- als auch kostenintensiv ist. Produktionsausfälle lassen sich oft bereits durch präventive Wartung senken, wenn in vorgegebenen Abständen die Anlagen überprüft werden. Sind diese allerdings noch gar nicht vom Ausfall bedroht, ist eine solche Vorgehensweise oft eine Verschwendung von Ressourcen. Daher ist es naheliegend, die immer größere Anzahl an erfassten Daten im Unternehmen zu nutzen, sie miteinander zu verknüpfen, sinnvoll auszuwerten und über mathematische Algorithmen Prognosen zum Ausfall von Bauteilen und Maschinen zu treffen. Durch die Idee von Industrie 4.0 bietet sich eine solche Vorgehensweise an – das sehen auch zahlreiche Komponentenhersteller. „Die Vorteile einer vorausschauenden Wartung sind schon lange bekannt“, weiß Dieter Michalkowski, Industrie-4.0-Experte bei der Aventics GmbH. „Doch erst durch Industrie 4.0 werden die Informationen generiert, die für eine dem Namen gerecht werdende vorausschauende Wartung erforderlich sind.“

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