Kommunikation im Unternehmen

Interne Kommunikation – Flurfunk ist keine Alternative

| Autor / Redakteur: Christoph Sauerland / Georgina Bott

Interne Kommunikation hat viele Vorteile. Unternehmen sollten also versuchen den „Flurfunk“ in sinnvolle Bahnen zu lenken.
Interne Kommunikation hat viele Vorteile. Unternehmen sollten also versuchen den „Flurfunk“ in sinnvolle Bahnen zu lenken. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Die Verbesserung der Zusammenarbeit im Unternehmen steht bei vielen auf der Agenda. Dazu tragen nicht nur Digitalisierung und Co. bei, auch die Interne Kommunikation spielt dabei eine große Rolle. Was kann die Interne Kommunikation genau dazu beitragen – und was nicht?

Eine Kommunikationsdisziplin, die gnadenlos unterbewertet wird: Interne Kommunikation. Schon 1919 gab es bei Bosch die Mitarbeiterzeitung „Zünder“. 98 Jahre später gibt es die immer noch. Das bedeutet: an der Internen Kommunikation muss was dran sein. Da ist sogar viel dran und die Bedeutung von Interner Kommunikation zur Wertschöpfung im Unternehmen wird in den nächsten Jahren zunehmen. Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren einige Stellschrauben optimiert: Prozesse, Kosten, Vertriebswege. Eine der letzten Stellschrauben, die noch bleibt, ist die Optimierung des Mitarbeitereinsatzes. Und zwar nicht durch Rationalisierung, Digitalisierung oder Erhöhung der Schlagzahl. Sondern durch Verbesserung der Zusammenarbeit (abteilungsübergreifend / interkulturell), durch eine höhere Veränderungsbereitschaft (vielleicht der Schlüsselfaktor in Zeiten von „New Work“ und Arbeit 4.0) und durch eine Innovationskultur jenseits von betrieblichem Vorschlagswesen. Was kann denn nun Interne Kommunikation (IK) dazu beitragen – und was nicht?

Minimierung von Reibungsverlusten

Interne Kommunikation minimiert Reibungsverluste und trägt dazu bei, dass Prozesse bestmöglich laufen. Durch Information, Austausch, Verständnis von Hintergründen und Zusammenhängen, Verständnis für andere Kulturen, Abteilungen, Kollegen etc.

Wohin geht die Reise?

Interne Kommunikation trägt dazu bei, dass Mitarbeiter wissen, „wohin die Reise geht“, welche Ziele das Unternehmen verfolgt, wie sich Märkte, Kunden, Geschäftsbereiche entwickeln. Sie haben eine Vision? Die steht im Intranet? Prima. Was bedeutet das für Ihre Mitarbeiter? Wie kann jeder einzelne dazu beitragen, diesen Zustand in der Zukunft zu erreichen? Fragen auf die Interne Kommunikation Antworten geben kann.

Mitarbeiterbindung

Interne Kommunikation trägt dazu bei, Mitarbeiter zu binden. Wie das? Mitarbeiter, die sich einem Unternehmen verbunden fühlen, identifizieren sich in besonderem Maße mit ihrer Aufgabe. Sie haben eine hohe Übereinstimmung mit den Werten und der Kultur des Unternehmens und fühlen sich meist einem Team oder eine Gruppe im Unternehmen besonders verbunden. Kultur prägen, Werte verankern und eine Stärkung des „Wir-Gefühls“ sind Schlüsselaufgaben in der Internen Kommunikation.

Neue Ideen

Interne Kommunikation trägt dazu bei, eine Innovationskultur zu fördern, in der neue Ideen nicht nur aus der F&E kommen, sondern aus Erfahrungen im Markt, aus Gesprächen mit Kunden und aus dem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen.

Last but not least: Mit IK lässt sich „Flurfunk“ nicht vermeiden. Aber wenn es IK gelingt, Flurfunk auf die Hälfte zu reduzieren, und die andere Hälfte in nützliche Bahnen zu kanalisieren, dann stellt sich die Frage nach dem Return on Investment von IK wohl kaum noch.

Was kann IK nicht? Auch mit der besten IK, lassen sich Konflikte nicht vermeiden und lassen sich strategische Fehler der Unternehmensführung nicht „schönreden“. Auch die beste IK entbindet Führungskräfte nicht von der Pflicht zu persönlicher Kommunikation mit Mitarbeitern. Aber auch das ist ja IK, wenn es strategisch geplant und als Führungsinstrument genutzt wird.

Drei Schritte zum Erfolg

Wie geht man es nun an mit der Internen Kommunikation? Der Prozess folgt den Regeln der klassischen Projektplanung.

1. Analyse
Welche Bezugsgruppen (so nennt man die Zielgruppen in der IK) gibt es im Unternehmen?: Je nach Unternehmen kann das weit über die klassische Einteilung „Führungskräfte / Blue Collar / White Collar“ hinausgehen. Wie ist deren Bedeutung für die IK und wie sind deren Erwartungen und Bedarfe? Was sind Stärken und Schwächen der bisherigen Kommunikation? Und wenn es um Kulturthemen / Kulturveränderung geht ist eine SWOT Analyse bezogen auf Potenziale und Probleme im Unternehmen unerlässlich. Instrumenteninventur: Welche Kommunikationsinstrumente stehen zur Verfügung? Dass im Vorfeld Ziele und messbare Kennzahlen (KPIs) geklärt wurden, versteht sich von selbst.

2. Konzeption
Hier wird der Fahrplan festgelegt. Welche spezifischen Ziele gibt es für die einzelnen Bezugsgruppen (Wahrnehmungs-/ Einstellungs- und Verhaltensziele)? Welche Botschaften und Themen werden mit welchen Instrumenten in welcher zeitlichen Taktung kommuniziert?

3. Umsetzung
Wenn Kapazitäten und finanziellen Ressourcen schon vorher geklärt wurden, sagen Sie am Ende der Umsetzungsphase hoffentlich so wie Hannibal vom A-Team: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“.

Die abschließende Evaluation führt zu einer permanenten Weiterentwicklung und Optimierung von Inhalten und Instrumenteneinsatz. Dabei gilt auch für die Interne Kommunikation: es gibt es nichts Gutes, außer man tut es – und überlässt es nicht dem Flurfunk. Fangen Sie an: klein, national, mit wenigen Instrumenten, auch ohne langjährige Erfahrungswerte - aber fangen Sie an.

Christoph Sauerland ist Etatdirektor bei husare.
Christoph Sauerland ist Etatdirektor bei husare. (Bild: Husare)

Über den Autor

Christoph Sauerland ist Etatdirektor bei husare – einer Kommunikationsagentur die Markenpositionierungen entwickelt und von innen (Mitarbeiter) nach außen (Vertriebskommunikation / Digitalmarketing) erlebbar macht. Er ist Manager für Interne Kommunikation und Experte in Sachen Unternehmenskultur und Interner Markenverankerung.

Der Beitrag ist zuerst auf unserem Schwesterportal www.marconomy.de erschienen.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Ausklappen
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Ausklappen
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45031556 / Management)

DER BRANCHENNEWSLETTER Newsletter abonnieren.
* Ich bin mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung einverstanden.
Spamschutz:
Bitte geben Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe (Addition) ein.

Whitepaper

Kompendium Leichtbau 2018

Ideen für den Leichtbau sammeln

Leichtbau bedeutet, das Verhältnis zwischen Belastbarkeit und Gewicht einer Konstruktion zu vergrößern um Energie und Material einzusparen oder Kosten zu senken. Wir haben in diesem Kompendium die meist gelesenen Artikel zum Leichtbau zusammengefasst lesen

Technologietrends 2018

Die Top Technologietrends für 2018 in der Industrie - Teil 2

In den schnelllebigen Zeiten der Digitalisierung ist es häufig schwer, am Puls der Zeit zu bleiben. Lesen Sie jetzt, welche weiteren 7 Trends dieses Jahr im Fokus der Industrie stehen. lesen

Dossier Teilereinigung

Teile effizient reinigen

Erfahren Sie in diesem Dossier mehr über effektive und wirtschaftliche Bauteil- und Oberflächenreinigung in der Blechbearbeitung. lesen

News aus unserer Firmendatenbank

technotrans SE

EuroBLECH: technotrans mit erfolgreichem Messeauftritt

Bedarf nach nebelarmer Sprühbeölung steigt: technotrans mit erfolgreichem Messeauftritt Quantität und Qualität der Kontakte nochmals gestiegen Gezielte Anfragen nach druckluftfreier Sprühbeölung Hohes Interesse bei Endkunden und Erstausstattern (OEM) ...

BLM Group Deutschland GmbH

LS5 und LC5: nicht nur Laserschneiden von Blechen

Mit der LS5 unterstreicht die BLM GROUP ihre Praxiserfahrung, ...